«Jeder soll frei über seine Ferien entscheiden können»

Nicole Pfammatter, Leiterin Badeferien bei Hotelplan Suisse, über die Klimadiskussion und leere Betten auf Mallorca.

Momentan hoch im Kurs: Die griechische Halbinsel Chalkidiki. Foto: Alamy Stock Photo

Momentan hoch im Kurs: Die griechische Halbinsel Chalkidiki. Foto: Alamy Stock Photo

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Bei Hotelplan kostet eine Woche auf Zypern im Juli weniger als 300 Franken. Wie schlecht läuft die Badesaison?
Wir befinden uns, Stand heute, vier Prozent im Minus. In Griechenland liegen kleine Inseln, Halbinseln oder Destinationen auf dem Festland im Trend. Ich denke an Zakynthos, Korfu, Samos, Thessaloniki oder Chalkidiki.

Wo wächst das Geschäft?
Vor allem auf Mallorca.

Wie bitte?
Wir profitieren dort von besonderen Umständen. Der deutsche, aber auch der skandinavische und englische Markt sind im Mittelmeerraum rückläufig. Das führt bei den Hotels zu attraktiven, kurzfristigen Preisreduktionen.

Reagieren andere Länder sensibler auf die Diskussionen ums Klima als die Schweiz?
Nein, die Gründe in Deutschland liegen im Grounding von Germania. Dadurch gingen viele Kapazitäten im Markt verloren. Touristen aus den betroffenen Ländern können ihre geplante Pauschal-reise nicht mehr antreten. Wir ­dagegen haben genügend Flug­kapazitäten und füllen die leeren Betten. Zudem schwächelt das britische Pfund, das Auslandreisen verteuert.

Haben jene, die frühzeitig gebucht haben, für einmal zu viel bezahlt?
Frühbucherrabatte bleiben attraktiv. Die Differenz zu den Specials ist minimal. Wir haben dieses Jahr besondere Umstände. Das sagt aber nichts über die zukünftige Preisentwicklung aus.

Sind Sie zuversichtlich, den Buchungsrückgang aufholen zu können?
Wir gehen davon aus, dass wir die Vorjahreswerte erreichen ­werden. Die Last-Minute-Ange­bote sind dieses Jahr besonders ­attraktiv.

Liefern sich die Anbieter einen härteren Preiskampf?
Nein, es ist immer dasselbe. Wer mehr Kontingente eingekauft hat, steht unter grösserem Druck und verliert schneller die Nerven. Wir haben diese Saison 20 Prozent ­weniger Risikositze. Das trägt zur Entspannung bei.

Waren Sie zu pessimistisch?
Nein. Hotelplan Suisse wird 2019 ein solides Ergebnis abliefern.


«Unsere Aufgabe besteht darin, unseren Kunden ein Ferienerlebnis zu offerieren.»
Nicole Pfammatter

In welchen Destinationen harzt es besonders?
Auf Kreta und Rhodos, den Kanaren und Zypern. Hier sprechen wir von tiefen zweistelligen Rückgängen. Im Fall von Zypern stehen uns 3000 Flugsitze weniger zur Verfügung, seit Cobalt Air 2018 ihren Betrieb eingestellt hat.

Wirkt sich die Klimadiskussion negativ aus?
Wir nehmen solche Bedenken ernst, ohne allerdings auf Flugangebote zu verzichten. Jeder soll frei über seine Ferien entscheiden können. Wir machen nur die Angebote. Für all jene, die aufs Flugzeug verzichten wollen, haben wir vor kurzem ein neues Produkt lanciert.

Nehmen Sie den vor zehn Jahren eingestampften Rail-Plan wieder hervor?
Vor 60 Jahren gab es bei Hotelplan den Zug «Badeferien-Express». Dieser fuhr einige Jahre jeden Samstag von den grossen Schweizer Städten nach Rimini. Dann wurde der Rail-Plan-Katalog lanciert. 2009 umfasste er noch stolze 128 Seiten. Angefahren wurden Südfrankreich, Italien, Deutschland, Österreich und Spanien. Heute gibt es ihn nicht mehr, da die Nachfrage stark abflaute. Dafür bieten wir neu in der Broschüre «Nachhaltiges Reisen» die Adria, den Gardasee, den Lago Maggiore und das Tirol mit dem Zug an.

Und ein eigenständiger Katalog mit Bahnreisen?
Leider ist es einfacher, eine Pauschalreise mit dem Flugzeug zu organisieren als mit der Bahn. Die staatlichen Eisenbahnen arbeiten mit verschiedenen Systemen und Abläufen. Das macht die Sache komplex. Es braucht ein einheit­liches internationales Bahntarifsystem mit aufeinander abgestimmten Fahrplänen und wett­bewerbsfähigen Preisen.

Spüren Sie eine zunehmende Flugscham?
Die Kunden sind sensibler ge­worden. In den Reisebüros liegt der Anteil von My Climate, mit dem der CO2 bei Flügen kompensiert wird, bei 28 Prozent. Allerdings wird nicht immer der volle Betrag einbezahlt. Im Onlinebereich beläuft sich die Kompensationsrate auf ein ­Prozent.

Wie wollen Sie junge Kunden bei Laune halten?
Unsere Aufgabe besteht darin, unseren Kunden ein Ferienerlebnis zu offerieren. Dabei spielt das Transportmittel keine Rolle. Es darf gern auch das Velo sein.

Welche Destinationen liegen im Trend?
Im Badeferienbereich die Türkei mit Antalya, Spanien mit Mallorca, Ägypten mit Hurghada und ­Tunesien mit Djerba. Allerdings haben einige dieser Destinationen noch nicht die Spitzenwerte von vor zehn Jahren erreicht.



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Erstellt: 21.06.2019, 17:37 Uhr

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