Jetzt kann Trump den Spiess umdrehen

Der US-Präsident erhält von Sonderermittler Mueller einen Persilschein. Nun müssen die Intriganten zittern.

Der so machtvolle Präsident Amerikas, das steht jetzt fest, ist kein Verräter. Illustration: Kornel Stadler

Der so machtvolle Präsident Amerikas, das steht jetzt fest, ist kein Verräter. Illustration: Kornel Stadler

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Es hätte der grosse Königsmord werden sollen. Doch die Verschwörer sind aufgelaufen. Der umstrittene bis verhasste US-Präsident wurde am Freitag vom Verdacht freigesprochen, ein Agent Russlands zu sein.

Dieser Schluss lässt sich schon jetzt aus dem Bericht ziehen, den Sonderermittler Robert Mueller vorgestern an das US-Justizdepartement ablieferte. Weil Mueller, wie bereits durchsickerte, von weiteren Anklagen absieht, lässt sich die Behauptung nicht mehr halten, Trump oder sein Team hätte sich im Wahlkampf von 2016 mit den Russen abgesprochen.

Das müsste doch eigentlich ein Freudentag sein. Der so machtvolle Präsident Amerikas, das steht jetzt fest, ist kein Verräter, und das Volk muss nicht fürchten, dass er heimlich Wladimir Putin nach der Pfeife tanzt.

Doch Trumps Gegner interpretieren die – zugegeben vorläufige – Bilanz des Mueller-Berichts ganz anders. «Dies ist ein Tag tiefer Traurigkeit», sagte eine Expertin auf dem TV-Sender MSNBC gestern. Der Mueller-Bericht ändere «gar nichts». Am späten Freitagabend dauerte es in einer Sendung ganze zehn Minuten, bis der faktische Freispruch Trumps quasi nebenbei erwähnt wurde.

Primär fordern Demokraten und ihre Gesinnungsfreunde in den Medien nun, der Bericht müsse vollumfänglich veröffentlicht werden, ohne dass jemand von der Trump-Regierung daran herumschräubelt. Sie hoffen, dass Einzelheiten in dem Bericht den Kongressausschüssen und anderen Staatsanwälten neue Spuren gegen Trump liefern, denen sie nachgehen können. Für viele steht die Schuld Trumps a priori fest, so wie es der bekannte Late-Night-Komiker Bill Maher am Freitag formulierte: «Ich brauche keinen Mueller-Report, um zu wissen, dass Trump ein Verräter ist.»

Tatsächlich jedoch könnte der Freitag für Präsident Trump ein Wendepunkt werden. Nach anfänglicher Zurückhaltung wird er zusammen mit seinen Anwälten und politischen Beratern nichts unterlassen, um den Mueller-Bericht als Persilschein zu feiern und seine Ankläger ins Unrecht zu versetzen.

Für Teilnehmer an der vermuteten Intrige könnte der Bericht gefährlich werden.

Zu dem Vorhaben gehört, die Entstehung der ganzen Untersuchung breitzuschlagen. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass die Bundespolizei FBI 2016 gegen Trump zu ermitteln begann, weil das Wahlkampfteam Hillary Clintons erfolgreich unbelegtes Material gegen den damaligen Kandidaten eingespeist hatte.

Details über diese Manöver wird der Justiz-Generalinspektor Michael Horowitz ausbreiten. Sein auf über 500 Seiten Länge geschätzter Bericht wird in etwa einem Vierteljahr erwartet. Für Teilnehmer an der vermuteten Intrige könnte er gefährlich werden.

Für den angebrochenen erneuten Kampf um das Weisse Haus wird die Frage entscheidend sein, wie die breite Öffentlichkeit auf Trumps Gegenoffensive und die Untersuchungsberichte reagiert. Die Deutungsschlacht um die Skandale, um Mueller und Horowitz, fängt erst richtig an.

Erstellt: 24.03.2019, 00:11 Uhr

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