Kabila wollte mit Schweizer Hilfe das Finanzsystem unterwandern

Der kongolesische Ex-Präsident startete einen Angriff auf Banken. Mit im Boot: Der Schweizer Investor Jean-Claude Bastos.

Das Investigativ­team des Hollywoodstars George Clooney deckte sein Machenschaften auf: Joseph Kabila. Foto: AFP

Das Investigativ­team des Hollywoodstars George Clooney deckte sein Machenschaften auf: Joseph Kabila. Foto: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hollywoodstar George Clooney zeigte sich grosszügig. Im Oktober 2017 spendete er eine Million Dollar für das Investigativ­team The Sentry, welches finanzielle Machenschaften von Kleptokraten in Afrika durchleuchtet. Clooney ist Mitgründer und hat Kollegen wie Brad Pitt und Matt Damon in den Sentry-Vorstand geholt.

In der jüngsten Dokumentation enthüllt Clooneys Team die Existenz einer geheimen kongolesischen Investmentbank, deren Hintermänner Verwandte und Verbündete von Ex-Präsident Joseph Kabila sind. Mithilfe eines Schweizer Investors und eines chinesischen Konglomerats wurde versucht, gleich drei kongolesische Finanzinstitute zu übernehmen. Damit hätte der Kabila-Clan 28 Prozent des gesamten Bankensektors im Kongo im Wert von rund 5 Milliarden US-Dollar kontrolliert.

Er spendete Geld an ein Investigativteam: George Clooney. Foto: Getty Images

Joseph Kabila war Präsident der Demokratischen Republik Kongo von 2001 bis zum 24. Januar 2019. In fast zwei Jahrzehnten hat sich der Kabila-Clan ein Netzwerk von Unternehmen und Beteiligungen aufgebaut, die der Familie Hunderte von Millionen Dollars einbrachten. Rohstoffgiganten wie der Schweizer Glencore-Konzern machten den Kongo zu einem der grössten Kupfer-, Zinn- und Kobaltproduzenten der Welt.

Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt weiter gegen Bastos

Die Bankbeteiligung des Kabila-Clans an der BGFI Bank DRC war nur der erste Schritt. The Sentry fand heraus, dass über die 2014 in Kinshasa gegründete Investment-Bank Kwanza Capital rund 140 Millionen Dollar über Konten des Kabila-Clans wanderten. Schlüsselfigur bei der Kwanza-Gründung war der prominente Banker Pascal Kinduelo, der 2008 die Banque Internationale de Crédit an die israelischen Milliardäre Beny Steinmetz und Dan Gertler verkaufte. Gertler ist mit Kabila und Glencore-Chef Ivan Glasenberg verflochten. Gertler war dabei dienlich, Glencore wichtige Schürfrechte zu sichern. Chef von Kwanza war Francis Selemani Mtwale, Ehemann einer Schwägerin Kabilas.

Zwischen 2013 und 2017 versuchte Kwanza gleich zweimal, die Banque Commerciale du Congo zu übernehmen. Doch der belgische Besitzer lehnte das Angebot von 50 Millionen Dollar als zu tief ab. Zudem fürchtete er illegale Machenschaften. Beim zweiten Anlauf bot der schweizerisch-angolanische Investor Jean-Claude Bastos Kwanza einen Kredit von 70 bis 80 Millionen Dollar, um die Aktienmehrheit der Bank zu erlangen. Das Geld sollte dabei aus einem nicht genannten afrikanischen Staatsfonds kommen.

Bastos hatte über Jahre mit seiner Quantum Global Group, die den Hauptsitz in Zug hat, den ­angolanischen Staatsfonds verwaltet. Dieser verfügt über ein Vermögen von 5 Milliarden Dollar. Nach einem Machtwechsel in ­Angola wurde Bastos im letzten Herbst verhaftet und im März ­dieses ­Jahres wieder freigelassen. Zudem hatten Behörden in Mauritius 58 Quantum-Konten ein­gefroren und sieben Fonds die ­Lizenz entzogen, was in der Zwischenzeit aber rückgängig gemacht wurde. Offenbar gab es eine Einigung zwischen Bastos und der ­angolanischen Regierung.

Der schweizerisch-angolanische Doppelbürger Jean-Claude Bastos. Foto: Getty Images

Die Schweizer Bundesanwaltschaft führt weiter ein Strafverfahren gegen unbekannte Täterschaft wegen Verdachts der Geldwäscherei, wie sie bestätigt. Allerdings hat sie zuerst 60 Millionen Dollar und später auch die restlichen 150 Millionen Dollar zugunsten des angolanischen Staatsfonds deblockiert.

Bastos hatte beste Kontakte zur Kabila-Familie. Das zeigen Fotos, auf denen der Schweizer Fondsmanager mit Joseph Kabila und dem kongolesischen Gesundheitsminister posiert. Ob der Millionenkredit je an Kwanza Capital gezahlt wurde, ist nicht bekannt. Offenbar scheiterte der Übernahmeversuch 2017, weil er gegen die Regeln der guten Geschäftsführung verstossen hätte. Eine Anfrage der SonntagsZeitung an Bastos zu seinen Kongo-Projekten blieb unbeantwortet.

Kwanza versuchte 2016, mithilfe der chinesischen China Taihe Bank of Congo auch die Banque Internationale pour l’Afrique und den kongolesischen Ableger der First International Bank aus Gambia zu übernehmen. Beide Angriffe scheiterten. Laut The Sentry zeigen Bankunterlagen, dass Gelder der kongolesischen Zentralbank über Zwischenfirmen an Kwanza wanderten. Von dort wurden Kredite an eine Ölfirma vergeben, an der die Schwester Kabilas beteiligt ist.

Kwanza-Gründer Kinduelo liess sich im November 2014 auf einen Schlag 3 Millionen Dollar auszahlen. «Unsere Bemühungen, Geldwäsche zu verfolgen, zeigen, wie Ex-Präsident Kabila und seine Familie versucht haben, mithilfe von Kwanza Capital das kongolesische Bankensystem zu infiltrieren und dabei Millionen zu kassieren», kommentiert George Clooney.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 16.06.2019, 20:58 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Banken in Maduros Geldwäsche-Imperium verwickelt

Das venezolanische Regime wäscht im grossem Stil Geld – auch mit Kokainhandel und illegalen Goldverkäufen. Mehr...

Trump verliert im Streit um Steuerunterlagen

Darf der US-Präsident die Herausgabe der Unterlagen blockieren? Erstmals hat ein Bundesgericht dazu ein Urteil gefällt. Mehr...

Wie Afrika sein Bevölkerungsproblem lösen kann

Zu hohe Kinderzahlen stellen viele Staaten vor grosse Probleme. Ein einstiges Hungerland ist mittlerweile zum Vorbild geworden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Never Mind the Markets Chinas Aufstieg zur digitalen Macht

Geldblog Warum Selbstständige den Lohn versichern sollten

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...