Kapitalismus für alle – statt für wenige

Was am 1. Mai gerne verschwiegen wird.

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In der Hand das teure iPhone, an den Füssen die neuesten Nike, über dem Kopf der billige ­Kapuzenpulli aus Bangladesh: Am Dienstag, dem 1. Mai, werden wieder Kapitalisten gegen den ­Kapitalismus demonstrieren. Mit modernsten Lautsprechern, eingeflogenen Gästen sowie Parolen und Fotos auf Facebook oder Twitter – ohne die Errungenschaften des Kapitalismus wären die Proteste gegen denselben gar nicht möglich. Zumal die Hälfte der Demonstranten ohne den medizinischen Fortschritt, den der Kapitalismus ebenfalls hervorgebracht hat, längst schon an Krankheiten oder Infektionen gestorben wäre.

Höchste Zeit also, zum Tag der Arbeit das mit Abstand erfolgreichste Wirtschaftssystem der Geschichte zu würdigen. Beispiele und Belege dafür gibt es zuhauf. Der auf Tausch, Arbeitsteilung und Wettbewerb basierende Kapitalismus fördert Innovation und Kreativität – sodass ständig neue ­Erfindungen für noch mehr Wohlstand, Glück und Lebensqualität sorgen. Armut, Kindersterblichkeit und Arbeitslosigkeit sinken ebenso rasant, wie ­Bildung und Forschung blühen.

Vielleicht am besten lässt sich die Erfolgs­geschichte am Bruttoinlandprodukt (BIP) illustrieren. In Frankreich zum Beispiel, das zeigt eine neue Studie der Universität Groningen, lag das BIP im Jahr 1 nach Christus bei 1050 Dollar pro Person. Bis 1831 erhöhte es sich um nur 50 Prozent auf 1534 Dollar. Mit der industriellen Revolution jedoch stieg es bis 1881 plötzlich auf 3067 Dollar. In nur 50 Jahren Kapitalismus verlief der wirtschaftliche Fortschritt also doppelt so schnell wie in den gesamten 1800 (!) Jahren zuvor. Und seither ist das BIP pro Kopf geradezu explodiert: 2016 betrug es in Frankreich 38'758 Dollar – den Franzosen geht es heute, kaufkraftbereinigt, nicht weniger als 25-mal besser als noch vor 200 Jahren.

«1980 musste man für einen TV noch 229 Stunden arbeiten.»

Das bedeutet modernste Medizin, leistungsfähige Computer, warme Kleidung, gesundes Essen, Wohnung, Heizung, Kühlschrank, Auto oder Ferienreisen für Millionen Menschen – in der Schweiz auch für die Schwächsten, die Arbeitslosen, Kranken und Sozialhilfeempfänger. Und der Fortschritt geht stetig weiter, während die Preise fallen: Kostete zum Beispiel ein kleiner Farbfern­seher 1980 noch durchschnittlich 229 Stunden Arbeitszeit, kann man sich heute den grossen UHD-Flachbild-Curve-TV bereits nach 1,5 Wochen leisten.

Selbstverständlich produziert ein solch freiheitliches System auch Fehler, falsche Anreize und Ungleichheiten. Das Schöne am Kapitalismus ist aber nicht zuletzt, dass er sich selber stetig entwickelt und verbessert. Die Apostel der Gleichheit vergessen auch gerne, dass die Ungleichheit zwischen den einzelnen Ländern dramatisch zurückgegangen ist. Vor 20 Jahren noch war der ­Lebensstandard in Europa 20-mal höher als in ­Indien oder China – heute ist die Lücke nur noch halb so gross. Das zeigt, wie schnell ein Land dank dem Kapitalismus aus extremster ­Armut ­emporsteigen kann. Und wie relativ einfach seine Ideen und Technologien übertragbar sind. Konkret hat der Kapitalismus über 600 Millionen Chinesen aus bitterster Armut erlöst. Weltweit ­waren es ­allein in den letzten 30 Jahren über eine Milliarde Menschen.

Warum die Demonstranten am 1. Mai nicht für, sondern gegen den Kapitalismus auf die Strasse gehen, bleibt ob dieser Zahlen ein Rätsel. Kein ­anderes System bringt erwiesenermassen mehr Wohlstand für alle – statt für wenige. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.04.2018, 21:42 Uhr

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