Knatsch an Berufsbildungsinstitut

Eine Intervention des Personalverbandes führt zum abrupten Abgang der unbeliebten Direktorin.

Direktion und Rat haben sich auf eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses verständigt: das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) in Zollikofen. Bild: Keystone

Direktion und Rat haben sich auf eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses verständigt: das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) in Zollikofen. Bild: Keystone

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Unzufriedene Mitarbeiter, Machtkampf an der Spitze, fehlende Strategie: Das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) steckt in der Krise. Ausgerechnet in der Berufsbildung, dem Lieblingsthema des abtretenden Bildungsministers Johann Schneider-Ammann, ist in den letzten Tagen ein Konflikt ausgebrochen. Einer, der über lange Zeit schwelte.

Das EHB ist das Kompetenzzentrum der Schweizer Berufs­bildung. An drei Standorten in Zolli­kofen BE, Lausanne und Lugano werden unter anderem Berufsschullehrer und Prüfungs­experten ausgebildet. 15'000 Personen absolvierten dort im vergangenen Jahr eine Aus- oder Weiterbildung.

«Einvernehmlich festgelegte Vertrags­auflösung»

Vor einigen Tagen haben sich die Direktorin Cornelia Oertle und der EHB-Rat, der die Direktion beaufsichtigt, auf eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses per Ende Dezember 2018 verständigt. Bei Schneider-Ammanns Wirtschafts- und Bildungsdepartement WBF spricht man von einer «einvernehmlich festgelegten Vertrags­auflösung».

Der Trennung ging eine Intervention des Personalverbandes des Bundes (PVB) voraus. Weil sich mehrere EHB-Mitarbeiter über die Vorgesetzten beschwert hatten, führte der PVB Mitte Jahr eine anonymisierte Befragung durch. «Das Resultat war klar: Es handelt sich nicht um einzelne Unzufriedene, am EHB herrschen grundsätzliche Schwierigkeiten», sagt Jürg Grunder vom PVB.

Das EHB liegt mit mehreren Kantonen im Streit

EHB-Ratspräsident Philippe Gnaegi reagierte, indem er die Performance der Direktion evaluieren liess. Die Resultate dieser Analyse seien vertraulich, sagt das WBF. Weder Oertle noch Gnaegi wollten Stellung nehmen. Wie Dritte bestätigen, haben die beiden eine Stillschweigevereinbarung unterzeichnet. So bleibt auch offen, welche Abgangsentschädigung Oertle ausgehandelt hat.

Bei der eigenen Belegschaft offensichtlich unbeliebt, hat Cornelia Oertle gewichtige Fürsprecher im Bildungsbereich. So setzte sich etwa Rolf Dubs, früherer HSG-Rektor, persönlich bei Bundesrat Schneider-Ammann für Oertle ein. Allerdings verfügt sie im Gegensatz zu Gnaegi nicht über das passende Parteibuch: Gnaegi ist wie Schneider-Ammann ein Freisinniger. Den Posten im EHB-Rat erhielt er, nachdem er 2013 im Neuenburger Regierungsrat abgewählt wurde.

Bereits mit Oertles Vorgängerin Dalia Schipper lieferte sich Gnaegi einen Machtkampf. Schipper stellte das Generalsekretariat von Schneider-Ammann ultimativ vor die Wahl, ob es an ihr oder Gnaegi festhalten will. Das GS entschied sich für Gnaegi und liess Schipper fallen, wie Involvierte bestätigen. Schipper selber äussert sich nicht zu ihrem Abgang. Sie sagt aber: «Seit der Ernennung von Gnaegi hat sich der EHB-Rat in operative Belange eingemischt.»

Anita Fetz: «Klares Strategiedefizit»

Bei den «operativen Belangen» handelt es sich unter anderem um einen Konflikt mit einigen Kantonen. «Schon lange ist das EHB mit mehreren Pädagogischen Hochschulen in Konkurrenz, weil die Aufgabenteilung nicht klar definiert ist», sagt SP-Ständerätin Anita Fetz, die das Dossier aus der Bildungs- und Wirtschaftskommission kennt. Das EHB streitet sich seit Jahren mit einigen Kantonen darüber, wer Ausbildungen für Berufsschullehrer anbieten soll. SP-Ständerätin Anita Fetz ortet ein «klares Strategiedefizit».

Neben den strategischen Problemen überlässt Johann Schneider-Ammann seinem Nachfolger Guy Parmelin auch eine akute Führungskrise, die noch nicht ausgestanden ist. Der PVB fordert, dass EHB-Führungskräfte gecoacht und die Kommunikation verbessert werde. Jürg Grunder sagt: «Mit dem Weggang der Direktorin sind die Probleme beim EHB noch nicht vollständig gelöst, wir werden weiter überprüfen, ob unsere Empfehlungen umgesetzt werden.»

Erstellt: 31.12.2018, 15:23 Uhr

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