Krise im Detailhandel: Manor will Ladenflächen verkleinern

Die Mutterfirma Maus Frères verkauft immer mehr Firmenteile.

Die grösste Baustelle des Konzerns: Die Warenhauskette Manor. Foto: Dominique Meienberg

Die grösste Baustelle des Konzerns: Die Warenhauskette Manor. Foto: Dominique Meienberg

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Das äusserst verschwiegene Familienunternehmen Maus Frères kämpft an allen Fronten. In den vergangenen Jahren hat die Genfer Firma, die in der Schweiz vor allem durch ihre Warenhauskette Manor bekannt ist, mehr als ein halbes Dutzend Firmen abgestossen. Darunter sind Marken wie die Möbelkette Fly.

Zuletzt hat Maus Frères im August die Sportartikelkette Athleticum an den französischen Riesen Decathlon verkauft. Weder der Verkaufspreis noch die Beteiligungsverhältnisse wurden mitgeteilt. Recherchen zeigen nun, dass Decathlon 50 Prozent plus eine Aktie besitzt. Damit erhalten die Franzosen die Kontrollmehrheit. Die neuen Besitzer werden bis Herbst 2019 alle 23 Verkaufsstellen von Athleticum in Decathlon umtaufen und dort ihr eigenes Sortiment anbieten. Maus Frères ist zum Schluss gekommen, dass Athleticum mit 455 Mitarbeitenden keine Chance mehr hatte, sich gegen die Konkurrenz der Migros-Marke Sport XX und Ochsner Sport zu behaupten. Umsatzzahlen zu Athleticum gibt Maus Frères im Gegensatz zu Konkurrenten seit Jahren nicht mehr bekannt.

Auf Anfang Oktober hat Maus Frères auch ihre 70-Prozent-Beteiligung an der Kundenkarte Accarda veräussert. Sie ging an den Finanzdienstleister Aduno. Hierzulande will sich die Gruppe auf den Detailhandel konzentrieren, inklusive ihres Immobilienbesitzes in Einkaufszentren.

Der Umsatz schrumpfte innertzehn Jahren von 6 auf 5 Milliarden

Das Familienunternehmen wird heute in der vierten Generation geführt. Verwaltungsratspräsident Didier Maus gibt keine Interviews. Vor zehn Jahren betrug der Umsatz der Gruppe 6 Milliarden Franken. Heute seien es noch 5 Milliarden, verrät ein Kadermitglied.

Begonnen hat die Familiensaga vor 126 Jahren, als die Familie Maus in Biel ein Engrosgeschäft für Merceriewaren gründete. 1902 eröffnete Léon Nordmann in Luzern das erste Warenhaus der Schweiz. Die Zusammenarbeit der beiden Familien war eng. Mit der Heirat zwischen Simone Maus und Robert Nordmann wurde die freundschaftliche Bindung zwischen den beiden Familien zementiert. Die Warenhauskette Manor wurde nach den Anfangsbuchstaben der beiden Namen Maus und Nordmann getauft. Heute verfügen die Familien Maus und Nordmann gemäss dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» über ein Vermögen von 3 bis 3,5 Milliarden Franken.

Die Warenhauskette Manor ist derzeit die grösste Baustelle der Maus-Frères-Gruppe. Im vergangenen Jahr wurde der langjährige Chef Bertrand Jungo durch den Franzosen Stéphane Maquaire ersetzt. Dieser leitete früher die französische Discount-Warenhauskette Monoprix. Er verordnete Manor eine zweijährige Umbauphase und strich 200 Stellen in der Zentrale. Zahlreiche Kadermitglieder – vom Finanzchef über den Einkaufschef und die Modechefin bis zur Kommunikationschefin – verliessen seither das Unternehmen.

2010 setzte die Warenhauskette 2,99 Milliarden Franken um. 2015 waren es nur noch 2,64 Milliarden. Seither geben die Genfer auch für diesen Bereich keine Umsatzzahlen mehr bekannt. Gemäss Insidern hat Manor seit 2010 rund 500 Millionen Franken Umsatz eingebüsst. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz um 2,9 Prozent gesunken, mehr als der Branchendurchschnitt von minus 2,2 Prozent. Auch dieses Jahr zeigt die Umsatzentwicklung nach unten. Bis Juli soll er um 4 Prozent gefallen sein, im Herbst noch mehr.

Immerhin sei Manor mit 52 Prozent Marktanteil Branchenführer der Warenhausbranche, erklärt ein Kadermann. Manor habe immer Gewinn gemacht, auch in den letzten Jahren, betont er. Allerdings bei sinkenden Margen, wie Insider sagen.

Zu stark auf Mode ausgerichtet, den Onlinekanal vernachlässigt

Rund 40 Prozent der Manor-Filialen liegen in Grenznähe. Deshalb leiden sie stärker unter dem Einkaufstourismus und dem starken Franken als andere. Zudem ist Manor stark auf Mode ausgerichtet. Gerade in diesem Segment graben Onlinehändler wie Zalando klassischen Anbietern das Wasser ab. Die Umsätze im Onlineshopping sind in diesem Jahr um 10 Prozent gewachsen, wie die Credit Suisse schreibt.

Branchenkenner gehen davon aus, dass die Manor-Kette zehn bis fünfzehn ihrer sechzig Warenhäuser abstossen müsse. Denn Warenhäuser in kleineren Orten wie Bachenbülach ZH oder Affoltern am Albis ZH würden sich nicht mehr rechnen. Doch davon hält Maus Frères nichts, wie der Kadermann erklärt. Manor brauche diese Grösse. «So sind wir für alle Schweizer gut erreichbar» – konkret im Umkreis von rund 20 Kilometern. «Wir brauchen auch diese Grösse, um bei Lieferanten einen Skaleneffekt zu erreichen und ein breites Angebot anbieten zu können.» Manor kann beim Einkauf nicht wie Globus auf das Mutterhaus Migros oder wie Coop City auf Coop zurückgreifen.

Das Maus-Frères-Management denkt aber laut dem Kadermann darüber nach, die Verkaufsflächen in den Warenhäusern zu verkleinern und diese mit anderen Angeboten zu füllen, zum Beispiel mit Serviceangeboten wie Coiffeur, Kosmetik oder Ähnlichem. Ganz wichtig sei auch der Aspekt Zerstreuung, Unterhaltung und Abenteuer, um Kunden anzulocken.

Manor will zudem stärker auf die Verbindung zwischen Laden und Internet setzen. Die Kundin schaut sich das Angebot im Netz an, bestellt dort beispielsweise einen Rock und holt diesen dann im Warenhaus ab, wo sie ihn noch probieren kann. Umgekehrt funktioniert das Warenhaus als Showroom für Artikel, die der Kunde anfassen kann und dann online bestellt. Lange wurde der Onlinekanal vernachlässigt.

Erstellt: 28.10.2018, 21:37 Uhr

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