Kronfavoriten für Lauber-Nachfolge winken ab

Wird der Bundesanwalt abgewählt, stellt sich die Frage, wer ihn beerben könnte. Die beiden Vizes haben ein Handicap.

Wer könnte ihn ersetzen? Bundesanwalt Michael Lauber. Foto: Keystone

Wer könnte ihn ersetzen? Bundesanwalt Michael Lauber. Foto: Keystone

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In zehn Tagen muss das Parlament entscheiden, ob es Bundesanwalt Michael Lauber im Amt bestätigt oder abwählt. Wenn die Stimmung unter den Politikern nicht noch dreht, dürfte es sehr schwierig werden für ihn, eine Mehrheit hinter sich zu bringen. Damit stellt sich die Frage, wer Lauber beerben würde, falls er gehen muss. Denn eins ist klar: Wird Lauber abgewählt, braucht es schon im Dezember einen Nachfolger.

Welches Profil ein solcher mitbringen müsste, darüber sind sich angefragte Politiker über die Parteigrenzen hinweg einig: «Sollten wir einen Nachfolger suchen müssen, brauchen wir eine Persönlichkeit, die sich im Strafrecht gut auskennt und Führungserfahrung hat in einer grossen kantonalen Staatsanwaltschaft», sagt SVP-Nationalrat Alfred Heer. Er ist Mitglied der Geschäftsprüfungskommission, die derzeit eine Inspektion bei der Bundesanwaltschaft und ihrer Aufsicht durchführt, um deren Zusammenwirken zu untersuchen.

Leitende Staatsanwälte aus grossen Kantonen wollen nicht

Auch für BDP-Nationalrat Lorenz Hess «müsste es eindeutig eine Persönlichkeit sein, die Erfahrung mit Anklagen in grossen Fällen hat». Hess sitzt in der Gerichtskommission, die dem Parlament eine Nichtwiederwahl von Lauber empfohlen hat. In der Gerichtskommission ist auch Matthias Aebischer von der SP. Er will sich nicht direkt über mögliche Nachfolger von Lauber äussern, sagt aber: «In den Kantonen gibt es viele sehr gute Staatsanwältinnen und Staatsanwälte.»

Kronfavoriten sind bei einer solchen Profilwahl somit die Chefs der Staatsanwaltschaften der grossen Kantone – also Aargau, Bern, Basel-Stadt, Genf, Luzern, St. Gallen, Waadt und Zürich.

Doch die Politiker und Politikerinnen könnten enttäuscht werden. Eine Umfrage bei den Leitenden Staatsanwälten zeigt: Sie wollen alle nicht Bundesanwalt werden. Beat Oppliger, Leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, sagt, an erster Stelle setze er sich für die Wiederwahl von Michael Lauber ein. «Das ist mein Ziel. Für eine allfällige Nachfolge des jetzigen Bundesanwalts stehe ich nicht zur Verfügung.»

«Eine solche Persönlichkeit muss auch in der Strafverfolgungslandschaft bestens vernetzt und anerkannt sein.»Christoph Ill, Erster Staatsanwalt Kanton St. Gallen

Auch vom Chef der Berner Staatsanwaltschaft, Michel-André Fels, kommt ein klares Nein. «Die Aufgaben des Generalstaatsanwalts des Kantons Bern und die damit verbundenen Herausforderungen erfüllen mich und geben mir keinen Anlass, mich beruflich zu verändern», sagt er. Gleich reagieren Alberto Fabbri in Basel, Philipp Umbricht im Aargau oder der Luzerner Oberstaatsanwalt Daniel Burri.

Für den Ersten Staatsanwalt des Kantons St. Gallen, Christoph Ill, der ebenfalls abwinkt, braucht ein Bundesanwalt nicht nur Führungskompetenzen und Erfahrungen mit komplexen Strafverfahren. «Eine solche Persönlichkeit muss auch in der Strafverfolgungslandschaft bestens vernetzt und anerkannt sein», sagt Ill. Das sei Laubers Stärke.

In den letzten Wochen wurde gerüchteweise Olivier Jornot, leitender Staatsanwalt im Kanton Genf, als ein möglicher Kandidat genannt. Doch auch er sagt «non», wie ein Sprecher mitteilt. Jornot gehöre zudem zur Schweizerischen Staatsanwältekonferenz. Dieses Gremium habe sich einstimmig für die Wiederwahl von Michael Lauber ausgesprochen und sich schockiert gezeigt über die derzeitigen politischen Vorgänge. Der Waadtländer Generalstaatsanwalt Eric Cottier hat auf Anfragen nicht reagiert.

Die beiden Vizes von Lauber haben ein Handicap

Mögliche Anwärter wären auch die beiden stellvertretenden Bundesanwälte Ruedi Montanari und Jacques Rayroud. Sie sind im Sommer vom Parlament bereits in ihrer aktuellen Funktion für weitere vier Jahre wiedergewählt worden. Sie kennen die Bundesstrafverfolgung schon lange, haben aber auch die Kultur von Lauber in der Bundesanwaltschaft mitgetragen. BDP-Nationalrat Hess sagt deshalb: «Sollten die Vizes kandidieren, würde sicher genau geprüft, ob es bei ihnen beispielsweise bezüglich Geheimtreffen keine Probleme gibt.»



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Erstellt: 15.09.2019, 10:07 Uhr

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