Kuppelshow bei den Sozialdemokraten

Genossinnen prüfen, ob sie als Frauen-Duo fürs SP-Präsidium kandidieren wollen.

Das Duo kommt nicht bei allen SP-Mitgliedern gleich gut an. Cédric Wermuth und Mattea Meyer. Foto: Foto: PD

Das Duo kommt nicht bei allen SP-Mitgliedern gleich gut an. Cédric Wermuth und Mattea Meyer. Foto: Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer mit wem? Diese Frage gibt in der SP zu reden, jetzt, da es um die Nachfolge von Präsident Christian Levrat geht. Nationalrat Cédric Wermuth und Nationalrätin Mattea Meyer haben diese Woche ihre Kandidatur als Zweierteam bestätigt. Doch die Signale verdichten sich, dass sie Konkurrenz erhalten. Wer genau das Duo herausfordert, ist offen. Ebenso die Konstellation. Klar ist aber, dass die übrig gebliebenen Interessenten untereinander Gespräche in alle Richtungen führen. Die Beteiligten bestätigen dies.

Dabei kommt jetzt eine Variante ins Spiel, die bisher kaum Thema war: ein reines Frauen-Kopräsidium. «Eine Doppelspitze mit zwei Frauen finde ich eine gute Möglichkeit», sagt Min Li Marti. Priska Seiler Graf, wie Marti Zürcher Nationalrätin, kann sich die Variante ebenfalls vorstellen: «Eine weibliche Doppelspitze wäre ein klares Statement dafür, wie ernst es die SP mit der Gleichstellung meint.» Auch Franziska Roth hat dafür Sympathien: «Nach zwölf Jahren mit Levrat und einem männlichen Fraktionschef sind jetzt die Frauen an der Reihe», sagt die neue Nationalrätin aus dem Kanton Solothurn.

Marti, Seiler Graf und Roth wollen sich alle über die Festtage entscheiden, ob und allenfalls mit wem sie fürs SP-Präsidium kandidieren. Präferenzen geben sie keine an. Seiler Graf hatte eigentlich schon abgesagt. Unterdessen konnten Parteikollegen sie davon überzeugen, es sich doch noch zu überlegen. Dies zeigt, wie gross der Wunsch in der Partei nach einer Auswahl und einer echten Ausmarchung ist.

Ein Welscher macht Deutschschweizerinnen Avancen

Die drei Nationalrätinnen haben aber noch eine weitere Option. Sie werden zusätzlich von einem Mann umgarnt. Der Walliser Nationalrat Mathias Reynard ist quasi auf Frauensuche, weil er nur so eine Chance auf den Chefposten hat. Roth und Seiler Graf bestätigen, dass sie ein Kopräsidium mit Reynard ebenso prüfen. Roth ist sogar Reynards Sitznachbarin im Nationalrat. Insbesondere Reynard und eine Zürcherin könnten dem Duo Meyer/Wermuth gefährlich werden. Reynard hätte die Romandie hinter sich. Und Meyer, die ebenfalls aus Zürich kommt, würde einen Teil ihrer Hausmacht verlieren.

Frau/Mann oder Frau/Frau: Trotz all der Gedankenspiele ist die SP gar nicht bereit für ein Kopräsidium. Die Statuten sehen dies nicht vor. Die Findungskommission, welche die Kandidatensuche begleitet, hat deshalb den Auftrag erhalten, eine Änderung vorzubereiten. Die SP-Kuppelshow soll am Ende ja nicht noch an einer Formalität scheitern.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 22.12.2019, 17:32 Uhr

Artikel zum Thema

Wermuth und Meyer wollen an die SP-Spitze, Badran sagt ab

Die beiden Nationalräte kandidieren gemeinsam für die Levrat-Nachfolge. Jacqueline Badran macht ihnen das Präsidium nicht streitig. Mehr...

Frauen stehen im Parlament hintenan

In den wichtigen Bundes-Kommissionen bleibt die Frauenrevolution aus. Und noch sitzen die Parlamentarierinnen aufs Maul, wie unsere Datenauswertung zeigt. Mehr...

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...