Lachappelle könnte Wahl zum Raiffeisen-Präsidenten ablehnen 

Der neue Vorsitzende der Bank braucht ein starkes Mandat der Basis. Derweil sorgt der CEO Patrik Gisel mit einer neuen Beziehung für Aufsehen.

CEO Patrik Gisel und Laurence de la Serna: Das Paar in der «Bilanz».

CEO Patrik Gisel und Laurence de la Serna: Das Paar in der «Bilanz».

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Nächsten Samstag soll es zum grossen Neu­anfang bei Raiffeisen kommen. Nach einem Jahr Dauerskandal soll Guy Lachappelle zum neuen Präsidenten gewählt und mit der Publikation des Untersuchungsberichts von Bruno Gehrig die Vergangenheit bewältigt werden.

Daran, dass der Bericht Gehrig viel Neues bringt, zweifeln viele. Daran, dass Lachappelle die Wahl schafft, zweifelt inzwischen niemand mehr. Die Delegierten der 246 Raiffeisen-Genossenschaften können gar nicht anders, als ihn zu wählen, denn es gibt keinen Gegenkandidaten. Einen weiteren monatelangen Schwebezustand kann sich die Bank nicht leisten. Vor allem auch darum, weil Konzernchef Patrik Gisel nur noch bis Ende Jahr zur Verfügung steht. Unumstritten ist Lachappelle allerdings nicht. Die Art und Weise, wie er mit seiner Basler Kantonalbank die Affäre rund um das Schneeballsystem der Firma ASE bewältigt hat, ist sehr kontrovers. Noch heute läuft gegen die Basler Kantonalbank ein Verfahren wegen Verletzung der Geldwäscherei-Meldungsvorschriften.

Eine Informationsoffensive mit sechs Veranstaltungen im Wallis, in Lugano, in Thun sowie in der Ost-, West- und Nordwestschweiz hat offenbar genützt. Die einzige Frage, die bleibt, ist die, ob Lachappelle die Wahl annimmt. Denn er braucht ein starkes Mandat. Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass er bei einer Zustimmung von unter 66 Prozent der Stimmen ablehnen würde. Der Grund: Es warten harte Entscheide.

Gewaltiges Klumpenrisiko

Als Erstes muss ein neuer CEO bestimmt werden. Dann muss Lachappelle den grössten Teil der Geschäftsleitung auswechseln, die teilweise noch aus der Ära Vincenz stammt, und den Verwaltungsrat mit neuen Mitgliedern stärken. Die schwierigste Aufgabe wird allerdings sein, die Raiffeisen-Gruppe, die aus 246 unabhängigen Banken und der Zentrale besteht, zusammenzuhalten.

An der Basis gärt es. Manch einer liebäugelt mit mehr Unabhängigkeit. Auf der anderen Seite wünscht sich die Finanzmarktaufsicht (Finma) eine starke Zentrale mit klaren Zuständigkeiten – am besten als Aktiengesellschaft organisiert. Nach der gescheiterten Diversifikation, dem Verkauf von Notenstein und mit ihrem ­Fokus auf Hypotheken hat die Raiffeisen zudem ein gewaltiges Klumpenrisiko.

Bankintern sorgte letzte Woche noch einmal Patrik Gisel für Aufsehen. Er, der spätestens Ende Jahr abtreten wird, musste dem Verwaltungsrat ein Detail aus dem Privatleben beichten. Offenbar hat er seit einiger Zeit eine Beziehung mit Laurence de la Serna. De la Serna stammt aus Genf und leitet seit zehn Jahren die Aviatikfirma Jean Gallay, die in Familienbesitz ist. Daneben war sie aber auch bis zum 16. Juni Verwaltungsrätin bei Raiffeisen.

Schon wieder Debatte über persönliche Beziehung

Somit war sie Mitglied des Gremiums, das über den Verbleib von Gisel an der Spitze der Bank entscheiden konnte. Sie hätte ver­mutlich Verwaltungsrätin bleiben können, denn sie hat ihren Job erst im Sommer 2017 angetreten und war somit unbelastet von der Ära Vincenz.

Ebenfalls am 16. Juni bekräftigte der Raiffeisen-Verwaltungsrat nochmals seine Unterstützung für Gisel als Konzernchef. Rund einen Monat nach de la Sernas Rücktritt kippte die Stimmung, und Gisel musste gehen. Persönliche Beziehungen über die Hierarchiestufen hinweg sind bei Raiffeisen schon ein Thema, seit Ex-Chef Pierin Vincenz die Chefin des Rechtsdiensts geheiratet hat. Ähnliches würde nicht mehr geduldet, hiess es seither.

Wie lange Patrik Gisels Beziehung schon dauert, ist nicht ganz klar. Als Laurence de la Serna am 18. Mai ihren überstürzten Rücktritt ankündigte, war von persönlichen Gründen die Rede. Offenbar sagte Gisel intern, die Liaison sei erst kürzlich entstanden, nachdem de la Serna bereits nicht mehr Verwaltungsrätin war. Offiziell wollte die Raiffeisen keine Stellung nehmen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.11.2018, 11:24 Uhr

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