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Lasst mich einfach in Ruhe 50 werden!

Die UBS-Ökonomen empfehlen der Generation Silber, Opfer zu bringen, wenn sie überleben will. Wie bitte?

Ich habe noch ein gutes Jahr Gnadenfrist, und dann erreiche ich die Altersmarke, die in meinem Berufsleben alles ändern wird: 50. Wie ein Damoklesschwert hängt die Zahl über mir, und mein Umfeld scheint sich ­geradezu daran zu ergötzen, mich immer wieder an den Stichtag zu erinnern. «Wenn du dich nochmals verändern willst, musst du das in den nächsten zwei Jahren tun. Nachher ist der Zug abgefahren», sagte mir ein Bekannter unlängst bei einem Drink. Ein anderer klönte bei unserem Lunch, dass er – seit er 50 sei – nicht mehr daran glaube, dass ihn beruflich noch irgendetwas ­Neues erwarte.

Der Begriff ‹Regenbogenkarriere› geht bei mir jedenfalls als Unwort des Jahres in die Annalen ein.»

Die Ökonomen der UBS sehen es noch krasser. Für sie müssen Menschen wie ich Opfer bringen, wenn sie überleben wollen. Die Experten der Bank haben diesen Sommer ihre Vorschläge für die Arbeitsmarktintegration der «Generation Silber» präsentiert und mit ermutigenden Sätzen wie diesem gespickt: «Beim Konzept der Regenbogenkarriere bildet die Mitte des Erwerbslebens den Zenit der beruflichen Laufbahn. Ab der Mitte des Erwerbslebens erfolgt eine schrittweise Reduktion von Anforderungen, Lohn und Führungsverantwortung.» Die ­Studie löste einen Sturm der Entrüstung aus. «Es macht keinen Sinn, ausgerechnet diejenigen schlechter zu stellen, auf die man künftig angewiesen ist», kritisierte etwa der Chef von Siemens Schweiz.

Ich hoffe, dass noch ein paar andere denken wie er. Der Begriff «Regenbogenkarriere» geht bei mir jedenfalls als Unwort des Jahres in die Annalen ein. Plumper kann man kaum versuchen, einer ganzen Altersgruppe die berufliche Kapitulation zu empfehlen. Und jetzt lasst mich ­einfach mal in Ruhe 50 werden. Prost!

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