Leonardo DiCaprio ist nicht das hellste Kerzlein auf dem Kuchen

Hollywoodstars und andere Promis wollen das Klima retten und jetten dafür mit dem Privatflieger um die Erde. Der Schuss geht nach hinten los.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Diese Woche lud Google die Weltprominenz nach Palermo, wo George Clooney, Leonardo DiCaprio, Prinz Harry, Katy Perry, aber auch Barack Obama und Dutzende andere Politiker, CEOs und Megapromis sich über den Klimawandel austauschten. Die Medien berichteten weltweit. Vor allem berichteten sie über die 114 Privatjets und die vielen Megajachten, mit denen die Promis nach Sizilien gereist waren. Das Wort Heuchelei tauchte in den Schlagzeilen in allen erdenklichen Sprachen auf.

Die Empörung ist hochverdient – aber auch ein wenig simpel. Interessanter ist, wie ein solch gigantischer PR-GAU ausgerechnet jenen passiert, die sich ansonsten öffentlichkeitswirksam zu verkaufen wissen wie niemand sonst.

«Die Botschaft: Wir Wichtigen tun so viel Gutes für die Erde, dass wir uns persönlich alles erlauben dürfen.»

Bei den Hollywoodstars ist es wohl tatsächlich schiere Ignoranz. Wer schon als Kind eher zu Castings geht statt zur Schule, wer seit seiner Jugend in einer abgenabelten Welt lebt aus Zuträgern und Profiteuren und wessen lebenslanges Verkaufsargument das eigene Aussehen ist, dem fehlt es wohl schlicht an der Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinaus Zusammenhänge zu erkennen.

Aber was ist mit den anderen? Barack Obama ein Heuchler? Wie Teilnehmer durchblicken lassen, sollen die vielen Promis vor allem für Aufmerksamkeit sorgen. Wenn das Problem dadurch der ganzen Welt bewusst werde, habe dies einen derart positiven Einfluss auf das Klima, dass die dafür freigesetzten paar Hundert Tonnen CO2 zu verschmerzen seien.

Das also ist die Botschaft: Wir Wichtigen tun so viel Gutes für die Erde, dass wir uns persönlich alles erlauben dürfen. Der Zweck heiligt die Mittel. Verhalten wird es sich wohl genau umgekehrt. Angesichts dieser Zurschaustellung von Protz und Luxus wird sich das Publikum sagen: Na, wenn die das dürfen, wird auch meine Wenigkeit weiterhin mit dem Flugzeug in die Ferien reisen dürfen.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 04.08.2019, 00:10 Uhr

Artikel zum Thema

Dieser Klimaprotest ist berechtigt

Gastbeitrag Die Medien glauben zu wissen, dass der Klimaprotest dieser Woche der Klimabewegung schade. Dem ist nicht so. Mehr...

Das Klima ist für alle da

Kommentar Ein SP-Politiker reiste mit dem Flugzeug nach Berlin. Ist das heuchlerisch? Mehr...

«Ich bin überhaupt nicht neidisch auf Greta»

Felix Finkbeiner war einst der Kinderstar der Ökobewegung. Im Interview spricht er über die aktuellen Schülerproteste und die neue Galionsfigur. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...