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«Postkunden sind keine Roboter»

Die Reaktionen der Leser.

«Das Ganze nennt sich Service public.»: Foto: Nicola Pitaro
«Das Ganze nennt sich Service public.»: Foto: Nicola Pitaro

Justizstreit um Wunschkind Cedric

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Wenn wir wirklich, wie immer wieder mit Nachdruck behauptet, das Kindeswohl über alle anderen Interessen, Ideologien und Paragrafenreitereien stellen wollen, dann müsste auch das von einer Leihmutter ausgetragene Kind als Kind der betreuenden Mutter gelten können. Und es müsste der Adoptionsbehörde erlaubt sein, etwa auch zwei Vätern ein Kind zur Adoption zu geben. Solange dies nicht möglich ist, ist das Argument, es gehe nur um das Kindeswohl, scheinheilig. Andrea Strahm, Basel

Alle Erscheinungsformen der Leihmutterschaft sind unerwünscht. Diese instrumentalisiert die Frau und ist auch wegen des Kindeswohles äusserst bedenklich. Das Kind wird zur Ware, die man bei Dritten bestellen kann. Franziska Wirz, Ottikon ZH

Einmal mehr muss ich mich fragen: Müssen wir wirklich alles machen, was technisch/medizinisch möglich ist und wofür auch das entsprechende Kleingeld vorhanden ist? Ich finde es richtig, dass die Leihmutterschaft in unserem Land verboten ist. Für mich ist es moralisch nicht zu verantworten, eine fremde Frau als Gebärmaschine zu benutzen. Mir ist es schleierhaft, welche Muttergefühle eine Frau spüren kann, wenn das Kind in einem fremden Bauch, mit einem gespendeten Ei gezeugt wird und mit dem Samen des Vaters. Wie wird man dem Kind diesen Vorgang erklären, wenn es später spürt, dass seine Herkunft unklar ist? Die Frage sei gestattet: Ist der Wunsch nach Kindern ein Menschenrecht, das mit allen juristischen Möglichkeiten durchgesetzt werden kann? Fred Kohler, Aarberg BE

Auch ohne ärztliche Diagnose soll Sterbehilfe möglich werden

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Tatsache ist, dass alte Menschen, die nicht mehr selbstständig sind, uns einiges abverlangen. Tatsache ist aber auch, dass nicht alle alten Menschen bei ihren Liebsten diese Betreuung so einfordern wollen und können und es doch leid sind, mit den gravierenden Einschränkungen zu leben. Gute Palliativ Care sei Dank, für viele alte Menschen – aber nicht für alle. Denn jeder alte Mensch soll die Freiheit haben, selber zu entscheiden, wann er oder sie vom Leben gesättigt ist. Brigitte Haemmerle-Braegger,Marly FR

Leider wird dieses Thema für immer mehr ältere Menschen zur harten Realität. Wir werden immer älter, haben aber noch das gleiche Körpermodell wie vor 500 Jahren. Die Medizin hat enorme Fortschritte erzielt. So können wir sehr viel heilen und auch sehr viele Erkrankungen lindern und kontrollieren. Der Alterungsprozess nimmt seinen Lauf, bei den einen langsamer als bei den anderen, doch stoppen kann ihn niemand. Wie die Sache mit dem Glauben, so ist es mit dem Freitod, welche Form dieser auch immer haben mag. Es ist eine höchst persönliche Angelegenheit, und jeder (erwachsene) Mensch muss die Freiheit haben, diese selber wählen zu können. Einzig schwierig wird es bei Menschen, die keine zuverlässige Methode mehr haben, ihren Wunsch zu kommunizieren. Nur für diese Fälle muss es strikte Regeln geben. Mark Gasche, Kirchberg BE

Wir leben in einer total widersprüchlichen Zeit. Auf der einen Seite wird alles getan, dass wir weiterleben, und auf der anderen Seite würde man das Alter am liebsten ausrotten. Logischerweise ist das Alter mit dem Tod verknüpft, aber wir dürfen ja nicht mehr sterben. Also kommt Exit im richtigen Moment und erlaubt jedem einsamen, depressiven und betagten Menschen, mit dem Leben abzurechnen. Eigentlich schockierend; der Weg wird so für den Selbstmord legalisiert und sauber erledigt. Keiner muss sich mehr unter den Zug legen, den Fels hinunterspringen, sich den Strick um den Hals ziehen, das Gewehr an die Schläfe legen – es wird direkt von Exit mit dem Einverständnis des Arztes erledigt. Wenn ich so weit bin, werde ich mich von den Felsen in Schottland, mit vorhergehendem Besuch des Landes, ins Meer stürzen. Vielleicht muss dann Scotland Yard ausrücken, aber nach mir die Sintflut! Susanna Geser, Biel BE

Die Post rettet Dorflädeli

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Der Bericht liest sich beinahe wie ein Empfehlungsschreiben der Post. Die Realität sieht anders aus. In Bergdietikon (Limmattal, fast 3000 Einwohner) ging zuerst die Post weg, danach die Raiffeisen-Bank (samt Bancomat). Die Post wurde in den Volg-Laden integriert. Folge: Sortimentsschrumpfung, nicht aufgefüllte Gestelle, lange Wartezeiten, zu wenig Personal, das ständig wechselt. Der Laden, einst attraktiv und mit vielfältigem Angebot, wird von vielen nur noch besucht, wenn man andernorts beim Einkauf etwas vergessen hat. Im nahen Remetschwil wurde die Post auch in den Volg integriert, danach schloss auch dieser. Nun existiert gar nichts mehr. Das Ganze nennt sich Service public. Urs Spörri, Bergdietikon ZH

Was die Führungsriege der Post im Sinn hat, ist absurd. Die Megaverdienerin Susanne Ruoff lügt einmal mehr, wenn sie sagt, dass zum Beispiel heute weniger Pakete verschickt werden als früher – man denke nur an den Onlinehandel (Ebay, Ricardo und die vielen anderen Verkaufs- und Kaufplattformen). Was ist mit den älteren Menschen, die noch Bareinzahlungen machen wollen, wenn Postschalter durch Agenturen ersetzt werden? Soll die «gute alte Post» wirklich sterben? Nur damit noch mehr Gewinn erzielt werden kann? Wohin geht eigentlich dieses Geld? Die Welt ist im Umbruch, gewiss, doch die Postkunden und -angestellten bleiben Menschen, sind keine Roboter. Die Post schafft Probleme, wo keine sein müssten, wenn effizienter und menschlicher geplant würde. Warum obsiegt meistens die, für uns Kunden, schlechteste Lösung? Hanspeter Schmutz, Basel

Das ist weniger als die halbe Wahrheit. Service public – u. a. die Post – war einmal. Die Briefpost kommt bei uns manchmal um 10 Uhr, ein anderes Mal um 13 Uhr und ein weiteres Mal um 9.30 Uhr. Weshalb nicht immer zur gleichen Zeit, bleibt ein Rätsel. Die offensichtlich grosse Personalfluktuation trägt kaum zur Verbesserung der Serviceleistung bei. Nicht genug damit: Die Post, die eben ihr supergutes Vierteljahresergebnis kommunizierte, ist bezüglich Kommunikation sackschwach, was die Schliessung der Poststellen betrifft. Konkret heisst «überprüfen» bei ihr, dass kurz- oder mittelfristig die überprüfte Poststelle geschlossen wird. Basta. Dass kleine Detailhändler, Migrolino, Spar, Avec usw., für entsprechende Bezahlung zumindest einen Full Service wie die Post früher machen sollten, ist nicht oder kaum der Fall. Beispielsweise kann ein Rentner keine 300 Franken in den genannten Betrieben wie früher bei der Post abheben. «Gehen Sie zur nächsten Poststelle», lautet die Antwort. Dass die Post sich auf schnell verändernde Entwicklungen einstellen muss, ist verständlich. Die Art und Weise jedoch, z. B. Kommunikation, ist es nicht. So geht «die Post nicht ab»! Wil Vonier, Oberrieden ZH

Heimliche Tier-Scans in Hirslanden-Spital

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Das ist ja fabelhaft! Wenn ich in Zukunft ins Spital muss, kann ich meine Haustiere für medizinische Behandlungen gleich mitnehmen: Die Katze wird einer Dialyse unterzogen, das erschöpfte Meersäuli hängt am Tropf, dem Goldfisch werden auf der Nephrologie Nierensteine zertrümmert, und der Goldhamster strampelt in der Physiotherapie auf dem Ergometer. Und weil zukünftig Haustiere bedeutend dazu beitragen werden, die teuren Apparate in den Spitälern schneller zu amortisieren, sinken die Krankenkassenprämien endlich. Es tut sich was im Gesundheitswesen. Barbara Freudiger, Bremgarten AG

Als ich den Artikel über Tier-Scans im St. Anna in Luzern gelesen habe, standen mir schon ein wenig die Haare zu Berge. Selber bin ich leider öfters in der Klinik. Wenn man solch einen Untersuch vor sich hat, muss man zum Teil Tage warten. Ich frage mich, ob ein Hund oder eine Katze schneller an der Reihe ist als ich? Cyrill Hotz, Luzern

Die Hirslanden-Gruppe wirkt aus meiner Sicht innovativ in der Kostenoptimierung, wenn Tiermediziner bestehende Apparaturen ausnützen. Und aus einer früheren SonntagsZeitung: Die Unternehmung Hirslanden wollte per Antrag die Führerschaft der Zürcher Stadtspitäler Waid und Triemli, aber der Zürcher Stadtrat war nicht interessiert. Wie die Humanmediziner im Hirslanden plötzlich die Tiermedizin entdecken, gefällt mir gut. Hans Hug, Hüntwangen ZH

Die Empörung, dass jährlich 20 Computertomografien an kranken Tieren in einem Menschenspital gemacht werden, ist unverständlich: Einerseits ekeln wir uns vor einer Liege, auf dem vorher ein Tier war, dies trotz hygienischer Reinigung. Anderseits nehmen wir Tiere sogar in den Mund, kauen und schlucken sie. Hier wäre Ekel gerechtfertigt und wertvoll, weil es grosses Tierleid verhindern würde. Renato Werndli, Eichberg SG

Leihmutterschaft ist eine Realität – ihr mit Verboten zu begegnen, ist falsch

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Man muss nicht zu den Gegnerinnen der modernen Fortpflanzungsmedizin gehören, um sich über das fehlschlüssige Editorial von Frau Bleicher zu ärgern. Nur weil ein Sachverhalt wie die Leihmutterschaft real zu sein scheint, ist er damit noch lange nicht legitimiert. Frau Bleicher fokussiert in ihrem Text einseitig auf die Bedürfnisse von Paaren, deren Kinderwunsch ohne die Möglichkeit einer Leihmutterschaft unerfüllt bleibt: «Biologie ist wichtig. Liebe ist wichtiger.» Man könnte fortführen: «Geld ist am wichtigsten.» Denn neu ist das «Eltern-Sein» auch und vor allem eine Frage des Zugangs zu reproduktiven Ressourcen. Dies beginnt bei den teuren, psychisch und physisch belastenden Behandlungen im Rahmen der In-vitro-Fertilisation. Und gipfelt in der kommerziellen Eizellenspende sowie in der Miete eines Leihmutterkörpers, wo Frauen Gesundheit und Fruchtbarkeit aufs Spiel setzen, um anderen Menschen gegen Bares den Kinderwunsch zu erfüllen. Wer Geld hat, hat die Reproduktionsmacht; im Falle der Eizellenspende und der Leihmutterschaft in der Regel zulasten finanziell schlechter gestellter Frauen, häufig in Schwellenländern. Von einer Journalistin und Redaktionsleiterin erwarte ich nicht unbedingt Antworten, wohl aber unangenehme Fragen: Soll man Fortpflanzung generell den Gesetzen des freien Marktes überlassen? Soll man für Eizellen einer anderen Frau bezahlen müssen? Ist die Schwangerschaft, oder besser, das Austragen eines Kindes als Arbeit zu sehen, die entlohnt werden muss? Und wer bestimmt ab wann über das zu Anfang doch nur «geliehene» Kind? Pascale Steck, Basel

Europa: Politiker verlangen Kurswechsel von Burkhalter

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Als bürgerlicher Erdenbürger habe ich überhaupt kein Verständnis für Didier Burkhalter, FDP-Bundesrat. Dass er an seinen fremden Richtern und der automatischen Rechtsübernahme (EU-Rahmenabkommen) festhalten will, ist doch ein Armutszeugnis dieses Bundesrates. Weil er diesbezüglich keine weiteren Pläne angehen will, verbringt er – gemäss einer grösseren Zeitung – mehr Zeit zu Hause in Neuenburg als in Bern. Aber ist es überhaupt schädlich, wenn Burkhalter möglichst viel zu Hause herumsitzt? Im Gegenteil, es ist viel eher ein Segen für unser Land. Gewöhnungsbedürftig zwar, aber die Schweiz wird dadurch tatsächlich verschont von voreiligen und unnötigen Zusagen und Versprechungen, die in der Regel unerwünschte Anpassungen an die EU mit sich bringen. Harte Verhandlungen und Forderungen (zugunsten unseres Landes) sind in diesem Gremium ohnehin kein Thema. Karl Meier Zoller, Effretikon ZH

«Ich habe gelernt, mit diesem Verlust zu leben»

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Im sonst aufschlussreichen Artikel fehlt das entscheidende Wort: Islam. Die Kindesentführungen durch muslimische Väter nehmen also zu. Jedes Mal wird einer schweizerischen Mutter schmerzlich bewusst, dass sie mit positiven Vorurteilen, aber ohne ihren Partner wirklich zu kennen, geheiratet hat. Im konkreten Fall haute dieser ab, als auch der jüngere Sohn keine Windeln mehr benötigte; das Wechseln ist ja Frauensache. Jetzt sprechen die Kinder nur noch Arabisch – erschütternde Konsequenz einer illusionären Verliebtheit. Daniel A. Cuny, Basel

Tolle Leistung, Frau Schoch, wie Sie ohne Ihre Kinder leben. Mir passierte Ähnliches, aber da ich der Vater bin und sich die Gegebenheit in der Schweiz zwischen Zürich und Basel abspielte, ist eine Kindesentführung vonseiten der Mutter legal; vom Gesetz, dem Beistand und der Kesb Winterthur mehrfach abgesegnet. Auch die Lehrer der Steiner-Schule meiner Kinder spielen mit. Erst sah ich die Töchter nach der Scheidung jedes zweite Wochenende, dann plötzlich auf Wunsch der Kindsmutter mithilfe des Gerichts nur noch monatlich. Gegen den Wunsch meiner Töchter, denen der Aufenthalt bei mir zu kurz war! Den Sohn, der inzwischen zur Welt kam, durfte ich während seiner ersten vier Lebensjahre nur eine Stunde pro Monat in Winterthur betreuen. Kennen Sie eine Mutter, die dem Sohn die Bindung zum Vater verunmöglicht, wo wir doch immer zu hören bekommen, dass sich die Väter zu wenig um die Kinder kümmern? Die Kindsmutter, längst überfordert, lässt dem Vater nur spärlich Kontakt zu den Kindern. Mir wurde kein Fehlverhalten oder Vergehen nachgewiesen, einzig dem krankhaften Wunsch der Kindsmutter wird nachgegangen; die Kinder bleiben aussen vor. Mittlerweile ist die ältere Tochter elfjährig, und drei Jahre sind seit dem letzten Besuch meiner Kinder bei mir vergangen. Die Kindsmutter erlaubt weder Telefonate noch Briefe der Kinder an mich; meine wöchentlichen Postkarten an die Kinder wurden nie beantwortet, obwohl ich frankierte und adressierte Couverts beilegte. Unicef-Kinderrechte wurden massiv gebrochen mit der Unterstützung der Kesb. Ich habe unglaublich viel versucht und viele, viele Rechnungen bezahlt – zum Kindswohl. Aber ich bekam mehrfach zu spüren, dass der Staat und die diversen Staatsstellen mit diesem Prozedere zu einfach Geld verdienen, als dass sich jemand für das Wohl der Kinder einsetzen würde. Reto Volonté, Breitenbach SO

Eine Seilbahn entzweit Israeli und Palästinenser

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Israel baut eine Seilbahn, die durch erobertes Gebiet in Jerusalem führt und zwei Haltestellen im Ostteil der Stadt (Ölberg und Dungtur) haben soll. Dieser Bau, am 50. Jahrestag des Sechstagekrieges vom Kabinett bekannt gegeben, ist eine absolute Provokation für die Weltöffentlichkeit. Israel hat 1948 den Gründungsbeschluss der UNO dankbar angenommen, seither aber etwa 40 Resolutionen derselben UNO missachtet (darunter die Rückgabe der im Krieg eroberten Gebiete), den Friedensprozess permanent hintertrieben und die Aufforderungen zur Zweistaaten­lösung (Israel-Palästina) abgeschmettert. Oft wird gefragt, warum der Staat Israel nur noch wenige Freunde auf der Welt habe. Das beschriebene Verhalten zeigt deutlich auf, warum. Es ist nicht Antisemitismus, nicht Neid und nicht Missgunst, nein, es ist die arrogante, selbstverliebte und hochnäsige Politik des Staates Israel. Mit ein bisschen mehr Demut, gerade nach den Hilfsleistungen der ganzen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg, Bescheidenheit und historischem Fingerspitzengefühl könnte sich Israel wieder in die Herzen der Weltbürger «spielen». Das jetzige Verhalten Israels wird diesen Staat noch an den Abgrund führen. Ich hoffe, nicht darüber hinaus. Toni Stadelmann, Zürich

«Er und seine grässliche Familie liefern wirklich gutes Futter»

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Manchmal fragt man sich, was schlimmer ist? Der rechtsradikale Irrläufer, der einer festgefahrenen Ideologie nachrennt, oder der weich gespülte Gutmensch, der mit verklärtem Blick alle umarmen will. Das beste Beispiel für die zweite Variante ist Roger Waters. Hat mit seiner Kunst Millionen gemacht, empfängt den Journalisten in seiner riesigen New Yorker Wohnung und fährt vorzugsweise ausserhalb der Stosszeiten in der U-Bahn, um seine gut funktionierende Multikulti-Umgebung zu studieren. Ist dem Zeitgeist entsprechend gegen Trump und den Brexit, bedauert, dass Europa nicht zu einem Schmelztiegel der Nationen mutiert, und bezeichnet den Ruf nach erneuten Grenzen als ein Resultat von nationalistischen Arschlöchern. Roger Waters vergisst offenbar seine finanziell privilegierte Position, die er sich sicher verdient hat und ich ihm von Herzen gönne. Um aber die Sorgen und Nöte des einfachen Bürgers nachzuvollziehen, empfehle ich ihm den Umzug in die Slums mit unterbezahltem Zweitjob und täglichen drei Stunden Zugfahrt in den Hauptverkehrszeiten. Walter Engelskind, Bergdietikon ZH

Wachstumswunder Schweiz

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Professor Eichenberger begründet in seiner Kolumne mit einleuchtenden Argumenten, warum ein starker Franken für die Schweizer Wirtschaft unter dem Strich positive Auswirkungen hat. Gestützt werden seine Ausführungen durch den von der OECD (Organisation for Economic Cooperation and Development) veröffentlichten Vergleich des Pro-Kopf-Einkommens, bei dem die Schweiz in Europa am besten abschneidet. Im Gegensatz zu dieser Erkenntnis steht die Meldung im Wirtschaftsteil, dass die Nationalbank weiterhin kräftig Devisen kauft. Dies tut sie, um den Franken gegenüber dem Euro und anderen Devisen zu schwächen. Da stellt sich für den Leser die Frage: Wer hat recht? Haben die Mitglieder des Direktoriums der SNB (Swiss National Bank) in den Volkswirtschafts-Vorlesungen nicht gut aufgepasst, oder gibt Professor Eichenberger eine unzutreffende Lehrmeinung zum Besten? Über eine verständliche und nachvollziehbare Erklärung würde ich mich freuen. Werner Heil, Lupfig AG

Nicht nur billig, auch einfallslos

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Ich bin seit Jahren Abonnent und schätze Ihre Zeitung sehr. Heute war ich aber schockiert. Barnaby Skinner unterstellt SRF Einfalls­losigkeit beim Entscheid, Christa Rigozzi als Moderatorin der «Arena» zu wählen. Dann kommt ein totaler Verriss. Es sei bedauerlich, dass man eine Frau in einer politischen Sendung sehe, deren Lächeln man von den Plakatwänden und der TV-Werbung kenne. Ein Lächeln, das für alle Ewigkeit mit der Schweizer Miss-Wahl in Verbindung steht. Es sei sehr bedauerlich, dass die TV-Frau dem «Blick» einen Korb gab. Frau Rigozzi hat ein abgeschlossenes Studium und ist sehr gescheit. Sie überzeugte im TV bei der Debatte über den Gotthardtunnel. Walter Herrmann, Zürich

Schafft die Ehe ab!

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

So so, Ehepaare sind bei der AVH bevorzugt, weil sie 150 Prozent AHV bekommen, auch wenn die Frau nicht berufstätig war? Allerdings bekommen nicht verheiratete Paare im gleichen Fall 200 Prozent AHV, nämlich jeder 100 Prozent. Wo ist da die Bevorzugung? Die Ehe ist auch sonst alles andere als ein gutes Geschäft (siehe z. B. Steuern) – aber den meisten Menschen geht es bei einer Eheschliessung halt nicht ums Geld. Ist das nicht irgendwie noch schön? Verena Langer, Stäfa ZH

Ich schätze es, wie die SonntagsZeitung grundlegende Themen auch kritisch bearbeitet. Dennoch finde ich den Satz «42 Prozent aller Schweizer Paare lassen sich scheiden» total falsch. Tatsächlich lassen sich aber 0,93 Prozent aller Schweizer Paare scheiden. Hier die Rechnung: In der Schweiz leben 3 585 100 verheiratete Personen. Dies ergibt 1 792 550 Ehen. Davon liessen sich im Jahr 2016 16 777 scheiden. Dies sind also 0,93 Prozent aller Ehen in der Schweiz. Wenn sich 42 Prozent aller Ehen scheiden lassen und ein Mehrfaches der Ehen durch den Tod eines Ehegatten aufgelöst werden, würden in kurzer Zeit keine Ehen mehr bestehen. Beat Abegg, Altdorf UR

Von den «vielen Privilegien», die da von Frau Bettina Weber ins Feld geführt werden, habe ich als erwerbstätige, verheiratete Frau und Mutter leider nicht viel gespürt. Im Gegenteil: Als sogenannte Doppelverdiener sind wir mit deutlich höheren Steuern «gestraft» gewesen, als wenn wir getrennt besteuert worden wären. Die steuerlichen Abzüge haben z. B. nicht annähernd die Kosten für Ausbildung, die Mehrauslagen wegen Berufstätigkeit, Arztrechnungen usw. gedeckt – Handicap Doppelverdiener und kalte Progression. Unverheiratete Paare mit Kindern profitierten in der gleichen Zeit von Krankenkassenvergünstigung, niedrigen Krippengebühren, Stipendien usw. Und zu guter Letzt erhalten wir nun als verheiratetes Paar für lückenlose Beitragszahlung in die AHV 1775 Franken Rente; Unverheiratete profitieren von einer Maximalrente von 2200 Franken, haben also jeden Monat 850 Franken mehr in der Kasse. Wo, bitte schön, sind da die Privilegien? Zur Aussage: «Frauen lassen sich gern durch Heirat absichern»: In meinem Umfeld haben die Frauen zum Wohle der Familie mit einem Teilpensum zum Familieneinkommen beigetragen und somit auf eine prestigeträchtige Karriere verzichtet, und zwar nicht aus mangelndem Ehrgeiz, wie Frau Weber argumentiert, sondern um den Kindern und der Familie die nötige Nestwärme zu geben. In einer Zeit, wo alles immer unverbindlicher wird, tut es gut, junge Paare zu sehen, die trotz Heiratssteuer noch gewillt sind, auch rechtlich füreinander Verantwortung zu tragen. Klar ist die Ehe kein Garant für Stabilität, aber das sind die Patchworkfamilien noch weniger. Wenigstens sind bei Verheirateten im Falle des Scheiterns die finanziellen Aspekte besser abgedeckt und müssen nicht vom Sozialstaat, sprich Allgemeinheit sichergestellt werden. Bei einer Scheidung muss übrigens der bessergestellte Partner den andern finanziell unterstützen, was nicht in jedem Fall der Mann sein muss. Wenn ich die politischen Diskussionen verfolge, so habe ich nicht den Eindruck, dass Alleinstehende oder Alleinerziehende politisch nicht gut vertreten sind, ganz im Gegenteil. Ich habe eher den Eindruck, dass die Politik die Interessen der Selbstverwirklicher(-innen) sehr zielstrebig vertritt. Ich finde, jeder darf und soll nach seiner Façon und seinen Bedürfnissen glücklich werden. Aber wenn vor lauter unverbindlicher Unabhängigkeit das Geld für den freien, individuellen Lebensentwurf nicht reicht und sich die Lebensabschnittspartner gegenseitig auch nicht in der Verantwortung fühlen, dann wäre es nur konsequent, eigenverantwortlich für diese hochgerühmte «Beziehungsform» aufzukommen, ohne nach dem Sozialstaat zu schreien. Verena Hofstetter, Abtwil SG

Dieser Artikel trifft voll ins Schwarze. Man kann auch ohne Eheschein lieben, dies ehrlich und verantwortungsvoll. Frauen sollten davon wegkommen, den Partner als Versicherung zu benützen. Eine gute Ausbildung ist die beste Versicherung. Man hat nie eine Garantie, dass alles wie im Film abläuft. Alleinstehende existieren für die Politik nur, wenn es ums Steuernzahlen geht. Effektiv werden sie nie erwähnt, pure Luft! Es wird nicht darüber nachgedacht, welche Auswirkungen es hat, wenn Alleinstehende einem höheren Steuersatz unterliegen, die alltäglichen Kosten wie Miete, Versicherungen, Radio/TV usw. keinem Alleinstehendentarif unterliegen und nicht mit einem Partner oder einer Partnerin geteilt werden können, nirgends Vergünstigungen (Telefon, SBB) erhalten, wie das die Familien erleben. Über drei Viertel der Bezüger von Ergänzungsleistungen sind alleinstehend. Ehepaare mit nur einem Einkommen und Kind kommen bereits ab 55 000 Franken in den Genuss einer vollen AHV-Rente, Alleinstehende erst ab einem durchschnittlichen Einkommen von 84 000 Franken. Mit einem Frauengehalt ist dies kaum zu erreichen. Es gibt mehr Zusammenhänge, als in Bern wahrgenommen wird. Zudem arbeiten heute viele Ehefrauen (zwei Gehälter und alle Kosten geteilt, einträglich), also könnte man auch hier ansetzen. Alle sollten unabhängig vom Zivilstand ihr persönliches Einkommen versteuern, darum weg von der Ehe! Doris Wüthrich, Alchensdorf BE

Über diesen Artikel und das Für oder Gegen die Ehe kann man natürlich diskutieren. Besonders die Erwähnung der Heiratsstrafe in Steuerangelegenheiten hat es mir angetan. Für mich nicht erwähnenswert. Aber auch der Hinweis, dass wenn eine Ehefrau nie gearbeitet hat, das Ehepaar nun doch 150 Prozent AHV-Rente erhält. Das wäre ein Vorteil für die Ehe. Weil eigentlich nur 100 Prozent drin sind. Nun meine Situation: Meine Frau hat 42 Jahre gearbeitet, ich habe 44 Jahre gearbeitet. Wir erhalten nicht 200 Prozent einer AHV-Vollrente, sondern nur 150 Prozent. Das wäre dann die echte Heiratsstrafe. Es sind ca. 800 Franken im Monat. Das mag man merken. Diese Situation spricht gegen die Ehe. Es gibt Leute, die lassen sich deswegen scheiden. Ist das nun Versicherungsbetrug oder sonst ein Schwindel im Getriebe des Staates? Urs Wyss, Lachen SZ

Bettina Weber schreibt: «Eheleute würden sich gegenseitig unterstützen und damit den Staat entlasten. Deshalb liebt die Politik die Ehe. Denn Ehe bedeutet immer auch Familie. Und Familie ist gut.» Stimmt, denn Familie beruht auf dem biologischen Fortpflanzungstrieb, der so sicher ist wie das Amen in der Kirche, und führt unweigerlich zum politischen Ziel der CVP und weiterer bürgerlichen Parteien, der «intakten Familie», die, glücklich in Zwängen gefangen und politisch ruhig gestellt, alles mit sich machen lässt. Denn eine Ehe mit Kindern heisst für den Ehemann Wohlverhalten am Arbeitsplatz, Mund halten, alles schlucken, sich beugen, langsam verbogen werden, immer dem Chef und der Firma zu Diensten sein, sich alles gefallen lassen, schweigen und kriechen, denn schliesslich «hat er Weib und Kind zu Haus, die ohne ihn verderben», wie schon Heinrich Heine schrieb. Sie wollen genährt, gekleidet und getröstet sein. Satte (Klein)bürgerlichkeit, so weit das Auge reicht. Walter Fischer, Buttwil AG

Ist sich die Autorin wohl bewusst, an was sie alles rührt mit ihrer saloppen Forderung, die Ehe abzuschaffen? Es geht hier nicht darum, auf die einzelnen Argumente, die im Beitrag aufgeführt sind, einzugehen oder gar die Institution Ehe zu verteidigen. Es geht um die journalistische Verantwortung und die Frage, ob sie wahrgenommen wird. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas in dieser Deutlichkeit lese. Zurzeit werden alle möglichen Arten von Ehe diskutiert. Das heisst dann Ehe für alle. Aber die meisten Menschen verstehen eine Ehe immer noch als eine Verbindung von Mann und Frau und als Kern der Familie. Das Eingehen einer Ehe ist wohl einer der nachhaltigsten Entscheide, die man für das Leben trifft. Meine Ehe wird in Kürze 54 Jahre alt. Wenn nun eine Journalistin mir am Sonntagmorgen zum Frühstück mitteilt, dass ich aus heutiger Sicht alles falsch gemacht habe und die Bindung, die ich eingegangen bin, mir vor allem eine Menge Privilegien eingebracht und deswegen und überhaupt völlig ausgedient hat, bleibt mir das Frühstücksei im Hals stecken. Man kann lockeren Umgang pflegen mit Themen, die sich dafür eignen. Die Ehe gehört nicht dazu. Evelyne Rufer, Schaffhausen

Anleitung für glückliche Ferien

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Seit Jahren mache ich Urlaub in verschiedenen Destinationen. Aber eine Anleitung, um glückliche Ferien zu machen, das brauche ich persönlich sicher nicht. Man kann doch selbst planen, indem man sich im Internet schlaumacht oder von Bekannten, die schon einmal in entsprechenden Destinationen waren. Wenn ich eine Anleitung bräuchte, um glückliche Ferien zu machen, müsste ich mich zuerst einmal hinterfragen, ob ich wirklich bereit bin, mich in den Urlaub zu begeben. Spontan etwas unternehmen ist meine Devise, und sicher nicht im Voraus planen. Schliesslich hat man ja Ferien! Daniel Zollinger, Uster ZH

Verbissen allergisch

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Dieser Artikel hat mehr Verwirrung gestiftet, als dass er aufgeklärt hat. Im Untertitel gibt der Autor an, dass nur 3,6 Prozent tatsächlich empfindlich auf Lebensmittel reagieren. Im Artikel dann bezieht sich diese Prozentzahl von 3,6 Prozent auf Allergien. Ich finde, es besteht schon ein Unterschied, ob jemand empfindlich reagiert, also vielleicht eine Unverträglichkeit hat, oder ob jemand allergisch reagiert. Wie Herr Bartens richtig schreibt, geht eine Allergie mit immunologischen Reaktionen einher. Unverträglichkeiten hingegen provozieren keine Reaktion des Abwehrsystems; sie können aber Bauchweh oder Unwohlsein auslösen. Im Artikel werden jedoch nur die Zahlen für Allergien genannt. Am Ende des Artikels wird gar noch Zöliakie aufgeführt, die viel zu viele Menschen glutenfreie Lebensmittel einfordern lässt. Diese Menschen behaupten wohl kaum, dass sie unter Zöliakie leiden. Vielmehr bekommen sie wahrscheinlich Bauchschmerzen, wenn sie zum Beispiel zu viel Brot essen. Da ist es meiner Meinung nach doch nicht falsch, wenn ich versuche, dieses Nahrungsmittel, das bei mir Bauchweh auslöst, zu meiden. Was soll daran verbissen sein? Lilian Heid, Uster ZH

Elton John singt Whiskey-Song gegen das Vergessen

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

«Whisky», ohne e, steht für schottischen Whisky, und «Whiskey» mit e für irischen Whiskey. Da gibt es einen bedeutenden Unterschied im Geschmack. Jedem das Seine, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Elton John sich nur auf irischen Whiskey beschränken will. Peter Graham Lancashire, Bottmingen BL

Der grosse Spaghetti-Test

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Bei der Publikation ist leider eine grosse Verwirrung aufgetreten, indem Sie erstens das Bild unserer Spaghetti ½ kg (mit rotem Streifen) publiziert haben und zweitens im Titel «Puschlaver Spaghetti Fr. 6.90 (500 g), Globus und Feinkostläden» geschrieben haben. Gerne teilen wir Ihnen die richtigen Angaben mit: Fr. 6.90 ist der Preis für 1 kg Spaghetti beim Globus, der nur 1-kg-Spaghetti im Sortiment hat (Verpackung mit gelben Streifen)! Davide Fischer, Molino e Pastificio SA, Poschiavo GR

Die Online-Offensive

SonntagsZeitung vom 4. 6. 2017

Wichtig: sich vor dem Interneteinkauf im Fachgeschäft beraten lassen, anschliessend online bestellen oder im Ausland kaufen. Konsequenz: Der Fachhandel in der Schweiz wird missbraucht – er hat ja die Kosten. Und die Läden sterben aus. Dann gehen die (gleichen) Leute in die Stadt, staunen und reklamieren, weil die Läden schliessen (müssen). Ganz schlimm: Das Verkaufspersonal agiert luftleer oder ist Steigbügelhalter für den Internetkauf – oder das Ausland. Am Schluss schimpfen (wieder die gleichen) Personen über den Staat. Man schlägt den Esel und meint den (eigenen) Sack, oder im übertragenen Sinn von Bertolt Brecht: Es hat Geschäfte, und keiner geht hin. Fazit: besser online einkaufen; das macht fast alles für fast jeden kaputt. Gute Nacht, Detailhandel. Georges Füglistaler, Basel

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