«Rechtzeitige Therapie hilft, schwerere Krankheitsverläufe zu reduzieren»

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Die ambulante psychotherapeutische Versorgung ist ungenügend, schreibt Yvik Adler. Foto: Heather Marr (EyeEm)

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Jeder zweite Patient nimmt Psychopharmaka SonntagsZeitung vom 8. 4. 2018

Seit mehr als 30 Jahren bin ich als Hausarzt in eigener Praxis tätig. Ich staune immer wieder, wo Experten überall Sparpotenzial im Gesundheitswesen orten. Zuletzt wurde ich in der SonntagsZeitung darüber belehrt: Jeder zweite Patient nehme Psychopharmaka – aus meiner Erfahrung in der Praxis ist diese Zahl zu hoch gegriffen –, und hier ortet der Gesundheitsökonom Simon Wieser ein grosses Sparpotenzial. Das Problem ist nur, dass nicht klar wird, wo gespart werden könnte. Sicher ist die ambulante Behandlung dieser Patienten kostengünstiger als die stationäre. Aber hier tragen ja alle Beteiligten (Politiker, Ärzteschaft, Versicherer) dazu bei, dass der Psychiater einer der im Vergleich am schlechtesten bezahlten Ärzte ist. Dr. med. Ueli Müller, Bremgarten BE

Die Psychiatrie ist – neben der Behandlung von Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie von Muskel- und Gelenkbeschwerden – das Spiegelbild der neoliberalen, profitorientierten und eigenbereichernden Gesundheitsindustrie. Es ist für Patienten einfacher und für Leistungserbringer lukrativer, Psychopharmaka zur Symptom­linderung anzuwenden, als über «psychologische Beratung» das eigene Verhaltens- und Denkmuster sowie die generellen Arbeitsbedingungen zu hinterfragen und entsprechend zu ändern. Einmal mehr gilt: Geld vor Leben, Würde und Lebensqualität! Andreas Keusch, Pfäffikon SZ

Das sind die teuersten Krankheiten
SonntagsZeitung vom 8. 4. 2018

Aussergewöhnlich hoch seien die Kosten für psychische Krankheiten, schreiben die beiden Journalisten. Da wäre es hilfreich gewesen, zu erfahren, dass 2016 in den Arztpraxen der Schweiz «Psychische Krankheiten» mit 11,6 Prozent die am häufigsten gestellte Diagnose war. Kaspar Aebi, Vorstandsmitglied bei der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, warnt zu Recht davor, nun auf dem Buckel psychisch Kranker zu sparen. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich endlich einmal schonungslos mit der Frage zu befassen: Was wollen wir, als eines der reichsten Länder der Welt, uns unser Gesundheits­wesen kosten lassen? Es ist eine Scheindiskussion, wenn behauptet wird, es gebe hier und es gebe da «Sparpotenzial». Die einzig wirksame Kostenbremse wäre eine radikale Rationierung von Leistungen im Gesundheitswesen. Das wäre für unser Land nicht nur beschämend, sondern zynisch. Rolf Hächler, Zürich

Psychische Erkrankungen sind häufig – jede zweite Person ist im Verlaufe ihres Lebens so stark betroffen, dass sie Behandlung benötigt. Betroffene brauchen Zugang zu ambulanter Psychotherapie; je früher, desto besser. Nicht nur aus Kostengründen: Rechtzeitige Therapie hilft nachweislich, schwerere Krankheitsverläufe zu reduzieren. Nur: Die ambulante psychotherapeutische Versorgung ist ungenügend, es kommt zu langen Wartefristen und zu inadäquaten Behandlungen. Grund dafür ist das heutige Abrechnungsmodell. Die delegierenden Psychiater bilden einen Flaschenhals. Sie sind aber nötig, damit die Grundver­sicherung die Kosten übernimmt. Öffnet man den Zugang zu den psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, fällt dieser Flaschenhals weg. Yvik Adler, Co-Präsidentin der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), Solothurn

Pfisters Plan zur Rentenrettung
SonntagsZeitung vom 8. 4. 2018

Bei der Diskussion um die zukünftige Finanzierung der AHV erscheint bei mir vermehrt das Bild einer Brandung. Die Wellen der Argumente und der Vorstösse erreichen das Ufer mit einer gewissen Konstanz, manchmal stärker, oftmals eher verhalten. Die meisten politischen Vorstösse, ob von links, von rechts oder aus der Mitte, sehen die Finanzierung über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor. Als gäbe es gar keine Alternative, streitet man in diesem Punkt nur noch um den Umfang der Erhöhung. Weshalb bringt man nicht endlich den Mut auf, einen Einheitssatz für die MwSt. einzuführen? Bruno Mazzotti, Riehen BL

Die Kosten der AHV müssen gesamtheitlich betrachtet werden und zwar von der Wiege bis zur Bahre, dann sieht man, dass die Frauen weniger einzahlen als die Männer, aber im Alter mehr kosten weil sie länger leben. Wer es nicht glaubt, sollte ein Senioren - oder Pflegeheim besuchen! Dort sind von 10 Personen 7- 8 Frauen. Aus dieser Erkenntnis ist eine Erhöhung des Rentenalters auf 65 Jahre für Frauen gerechtfertigt und zwar ohne Kompensation. Dass die AHV saniert werden muss ist inzwischen allen klar, hier mein Vorschlag: 1. Die Renten und Lohnabzüge belassen wie heute. 2. Frauen AHV – Alter auf 65 Jahre anheben. 3. Mehrwertsteuer von 7,7 auf 9 Prozent erhöhen, eventuell gestaffelt. Warum die Mehrwertsteuer? Weil diese Steuer alle betrifft. Hans Schindler, Steffisburg BE

Es ist bezeichnend, dass die FDP und SVP als seinerzeitige Gegnerschaft der Altersreform 2020 entgegen ihren Ankündigungen auch noch jetzt keinen mehrheitsfähigen Reformvorschlag für die künftige Altersvorsorge (1. und 2. Säule) vorweisen können. Umso verdienstvoller ist es, wenn nun CVP-Präsident Gerhard Pfister mit einem durchdachten Kompromiss die parlamentarische Lösungssuche bei der AHV deblockiert. Als Mittepartei ist die von ihm präsidierte CVP einmal mehr dazu berufen und fähig, konstruktiv nun ebenfalls in der Alterspolitik mehrheitsfähige Lösungen konkret aufzuzeigen. Die wahrhaft düsteren Zukunftsszenarien bei der AHV lassen es zweifelsfrei nicht zu, dass eine baldige Teil-Reform im Clinch zwischen den Links- und Rechtsparteien auf die lange Bank geschoben würde. Pfisters couragierter Vorstoss ist vor allem auch klarer Ausdruck einer generationen-übergreifenden politischen Verantwortung und somit ein Appell an alle beteiligten Kreise in unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Als erster wichtiger Schritt für eine mittelfristige Altersreform ist «Pfisters Pan zur Rentenrettung» also mehr als eine «Überlegung wert», sondern ein ernsthafter Apell ans Parlament sowie an die Wirtschaft und Arbeitnehmerschaft. Alois Hodel, Egolzwil LU

Jede Dritte macht Gentest SonntagsZeitung vom 8. 4. 2018

«Guter Hoffnung zu sein», bedeutet auch, dass eine schwangere Frau darauf hoffen dürfen sollte, dass sie durch ihre Gynäkologin / ihren Gynäkologen kompetent aufgeklärt und beraten wird. Dazu gehört, dass statistische Wahrscheinlichkeiten für einen Befund von der Ärztin oder vom Arzt korrekt interpretiert und dass Prozentwerte nicht verfälscht wiedergegeben werden. Trotzdem wird im Artikel wie auch von Ärzten und Ärztinnen häufig fälschlicherweise behauptet, nicht invasive pränatale Gentests (NIPT) würden die Chromosomenstörungen Trisomie 21, 18 und 13 mit einer Treffsicherheit von 99 Prozent erkennen. Auch ein NIPT stellt nur eine Prognose dar und keine gesicherte Diagnose. Ausserdem unterscheidet sich die Treffsicherheit der Tests in Abhängigkeit von der untersuchten Trisomie (21, 18 oder 13) beträchtlich. Je nachdem, welche Studie und welche Zahlen man zurate zieht, wird von Raten für einen falsch-positiven Befund von bis zu 7 Prozent berichtet. Bei 25'000 Tests pro Jahr für die Schweiz bedeutete dies, dass mehr als 1500 positive Resultate falsch waren. Von «Gewissheit» kann also keine Rede sein. Pascale Steck, Biorespect, Basel

Besteuert die Subvention von Wohnungen! SonntagsZeitung vom 8. 4. 2018

Eine bestechende und klar zu unterstützende Forderung von Professor Reiner Eichenberger. In der Schweiz gilt eigentlich die Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Unter diesem Aspekt wäre es nur konsequent, wenn Mieter von subventionierten Wohnungen die Differenz zur Marktmiete ebenfalls versteuern müssten. Arthur Maag, Embrach ZH

Atemlos SonntagsZeitung vom 8. 4. 2018

Solange Hundezucht und -import für einige vor allem ein Geschäft sind, wird sich an dieser vorsätzlichen Tierquälerei kaum etwas ändern. Als langjähriger Hundeführer, Leistungsrichter und ehemaliger Präsident einer Regionalgruppe des Schweizerischen Laufhundeclubs habe ich festgestellt, dass weder die Schweizerische Kynologische Gesellschaft noch die darin tonangebenden Vertreter an wirkungsvollen Änderungen bei den längst bekannten Problemen der Schönheitszucht interessiert sind. Dabei wären Eingriffsmöglichkeiten im Tierschutzgesetz vorhanden. So wurde bei verschiedenen Jagdhunderassen das coupieren der Schwänze in der Schweiz zu Recht verboten.Hans Laubscher, Wimmis BE

Es ist erfreulich, dass nun auch Qualzuchten wie diejenige von Möpsen mit diversen angezüchteten Körperfunktionsdefekten ein Thema werden. Auch wenn sie im Vergleich zur riesigen Nutztier- und Versuchstierproblematik marginal erscheinen. Renato Werndli, Eichberg SG

Wunderbar, dass Sie das Thema der Qualzucht bei Hunden aufgreifen! Leider ist dieses Thema auch in der Werbung präsent: In derselben Ausgabe wirbt Heizen mit Öl mit einem Shar Pei – leider ist auch bei dieser Rasse die Qualzucht weitverbreitet. Mit dem Wissen, was wir den Tieren antun, sollte solche Werbung verboten werden. Brigitte Magee, Turbenthal ZH

Wer einen so bemitleidenswerten Hund kauft, kann kein Tierfreund sein. Einmal mehr werden Tiere von Menschen verunstaltet – mit fatalen Folgen für das Tier. Solche Qualzuchten gehören weltweit verboten. Die Hunde sehen schrecklich aus mit den deformierten Köpfen, wie auf den Fotos im Artikel deutlich zu sehen ist. Was erlaubt sich die Menschheit mit ihren Eingriffen in die perfekte Natur? Ich kann nur hoffen, dass vermehrt Kontrollen durchgeführt werden, um dieses Tierleid zu stoppen. Mirjam Durtschi, Muttenz BL

Arme Möpse, aus sogenannten Schönheitsgründen zu leiden, für diese Idioten von Menschen, das finde ich nun doch zu viel des Guten. Wie kann man sich nur so einen gezüchteten Qualhund kaufen; es scheint, die Menschen hätten keine Ahnung, was sie sich und ihrem Hund antun. Solange der Zweibeinige interessiert ist, diese armen Möpse ihr eigen zu nennen, solange wird dieser arme Hund ohne Nase gezüchtet. Sie sind relativ klein, lieb und man kann sie überall mitnehmen, auffallend ist nur, dass sie so schwer atmen wie ein schwerer Asthmatiker und das qualvolle Ringen nach Luft ihr Wesen noch begehrter zu machen scheint. Es gibt nur eine Möglichkeit, im Lande der vielen Gesetze ein Neues zu schaffen, indem man die Einfuhr solcher Tiere und die Zucht hierzulande verbietet. Susanna Geser, Biel BE

Ich habe Ihren Bericht über Mops und Co. «Arme Schnaufer» gelesen. Wir sind selber Besitzer von zwei Möpsli und möchten dazu Stellung nehmen. Es nervt langsam, immer diese Vorwürfe hören zu müssen, wie extrem arme Hunde diese Möpse sind und wir Halter gleichgültig gegenüber diesen Atemproblemen sind. Dies stimmt überhaupt nicht. In der heutigen Zeit leiden nicht nur Möpse unter Atemnot, sondern etliche andere Rassen auch. Würde man den Züchtern einmal genauer auf die Hände schauen, könnte man die Probleme an der Wurzel packen. Auch unsere Mops-Züchterin hat einen sehr guten Ruf und erfüllt anscheinend alle Kriterien. Als wir uns für einen Mops entschieden haben, wollten wir natürlich nur einen, der keine Probleme mit der Atmung hat. Und da kommt der Punkt: Wenn man zum ersten Mal einen Mops aussucht und der Züchterin die seit über 20 Jahren erfolgreich Möpse züchtet und dies anscheinend ohne nie Probleme mit ihren eigenen Hunden und all den Würfen gehabt zu haben....na dann vertraut man ihr doch! Sie versprechen einem einen reinrassigen Retro-Mops, garantiert ohne Atmenprobleme und als neuer Hundehalter, der sich zum ersten Mal einen Mops anschaffen will, bemerkt man nicht, dass es sich um ganz normale Möpse handelt, mit der gleichen Nase. Man müsste die Züchter viel mehr kontrollieren und wir finden es eine Frechheit, dass Züchter das Blaue vom Himmel leugnen können. Man sollte an ganz klar die Züchter an die Kasse nehmen. Familie Kuster, Inwil LU

Ich gratuliere Ihnen recht herzlich dazu, dass Sie sich nicht gescheut haben den Artikel über die Möpse und Französischen Bulldoggen zu veröffentlichen. Endlich mal jemand der die Verantwortlichen beim Namen zu nennen mag. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Zuchtstrategie der SKG und der Rasseklubs versagt haben wenn sie denn überhaupt eine Strategie besitzen. Diese Stellen sind die Hauptschuldigen weshalb wir uns überhaupt in der Qualzuchtdiskussion befinden. Es gibt aber auch Züchter dieser Rassen die auf gesunde und leistungsfähige Hunde züchten. Nur haben sich die meisten von denen von den Rasseklubs abgewandt und sehen sich teilweise sogar gezwungen ausserhalb der SKG zu züchten. Und dies alles nur weil sie ihre Zucht auf gesunde brachycephale Hunde in den Schweizer Rasseklubs und der SKG nicht realisieren können. Da sowohl die SKG wie auch die Rasseklubs beratungsresistent sind und es gewohnt sind solche Situationen einfach auszusitzen führt der einzige Weg zu einer Verbesserung der Situation über das BLV und die Kantonalen Veterinärämter. Wenn diese die bestehenden Gesetze und Verordnungen endlich anwenden und durchsetzen wird sich vieles verändern in der Hundezucht. Die Frage ist nur, wann wird das passieren? Peter Uhler, St. Gallen

Der Schweizerische Klub für Französische Bulldoggen (SKFB) ist sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesundheit unserer Rasse durchaus bewusst und begrüsst die Bestrebungen der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin (SKV) zur Vermeidung von Atemproblemen bei Hunden. Vor allem unterstützt der SKFB die Forderung der SKV, dass grundsätzlich Hunde nur von zertifizierten Züchtern gekauft werden sollten, die verantwortungsvoll darauf achten, gesunde Hunde zu züchten. Unsere Hunde stehen immer wieder in der Kritik, dass sie auf Grund der kurzen Nase nicht atmen können. Der SKFB gibt wie folgt Gegensteuer: 2016 wurde von der Generalversammlung einem Antrag zur Einführung eines Belastungstestes mit grossem Mehr zugestimmt. Dieser wurde im gleichen Jahr erstmals als Test durchgeführt und ist seither fester Bestandteil der Zuchttauglichkeitsprüfung. Dies ist der erste Schritt um schlechte «Atmer» bereits an der Zuchttauglichkeitsprüfung zu erkennen und damit nicht zur Zucht zuzulassen. Der Belastungstest wird von Tierärzten durchgeführt, und die Hunde werden von ihnen zur Zucht freigegeben oder gesperrt. Die Zuchtkommission überprüft den Ablauf und die Ergebnisse der Tests laufend. Durch gezielte Zuchtauswahl ist es durchaus möglich Bullys zu züchten, die gemäss ihrem Verwendungszweck unbeschwert und frei atmen können. Unsere Bemühungen bezüglich Gesundheit werden durch die grosse Menge eingeführter, oft kranker «Billighunde» massiv gestört. Der Rasseklub als solches kann dagegen nicht viel unternehmen, ausser die Leute darauf zu sensibilisieren. Bei Amicus sind ca. 10'000 Französische Bulldoggen registriert. 600 davon stammen aus kontrollierten Zuchten. Unsere offiziell anerkannten Züchter engagieren sich sehr, um gesunde Bullys zu züchten. Gaby Heimann, Muntelier FR

SVP Regierungsrat greift Martullo-Blocher an SonntagsZeitung vom 08.04.2018

Die seinerzeitige Unternehmenssteuerreform 2 wurde bekanntlich mit hohem Mehr vom Stimmbürger abgelehnt. Und schon wird wieder an einer neuen zusammengemurkster Vorlage, dieses Mal wahrscheinlich ohne Abstimmung, herumgewerkelt. Heinz Tännler seines Zeichens Zuger Finanzminister hat bewusst vergessen, dass nicht alle Kantone finanziell entstehende Einbussen durch diese umstrittene Vorlage hinnehmen können wie das reiche Zug. Betreffend Standortvorteile für Unternehmen müssen wir die egoistische EU Drohung im liberalisierten Markt nicht einfach hinnehmen. Österreich ist im Jahre 1994 der EU beigetreten. Und siehe da, das Land Vorarlberg hat versucht Firmen vom Kanton St. Gallen mit Standortvorteilen in ihr Gebiet zu locken. Der US Präsident Trump macht für sein Land ja das Gleiche wie er am Davoser WEF verlauten liess. Weitere Beispiele gibt es genug und ich verstehe in dieser Beziehung die Meinung der Ems Chemie Chefin Magdalena Martullo-Blocher vollends. Sie schafft es übrigens auch ohne das umstrittene Rahmenabkommen mit der EU in ihrem weltweiten Geschäftsbereich. Egon Sommer Winterthur ZH

«Wir sind seit 70‘000 Jahren abhängig»
Paranoia bei der Finma
SonntagsZeitung vom 08.04.2018

In den beiden von Ihnen veröffentlichten Artikeln/dem Interview sehe ich eine unmittelbare Kausalität. Die Finma als Aufsichtsorgan steht als Ordnungshüterin für ein stabiles und gesundes Finanzsystem ein. Andererseits werden über unsere Zahlungssysteme täglich tausende von Transaktionen abgewickelt, die dem Geldfluss von immer komplexeren und spekulativeren Finanzkonstrukten dienen. Diese basieren auf Profitabilität und Eigennutz und sind ursprünglich mit künstlicher Intelligenz erzeugt worden. Die Finma hat daher durchaus ihre Daseinsberechtigung und ihre Pflichten wahrzunehmen. Dass die Herausgabe von sensitiven Daten genauestens abgewogen werden muss und daher ihren Preis hat, ist verständlich. Die Verkommerzialisierung von schützenswerten Dossiers darf jedoch nicht sein. Beat Stalder, Eschenz ZH

Ein unschönes Überraschungsei für die Steuerzahler SonntagsZeitung vom 08.04.2018

Je nach Sichtweise sind 2 Millionen Franken viel oder eben nicht. Im Kontext zu den jährlichen Milliarden, welche als Subventionen in die Schweizer Landwirtschaft fliessen, mögen 2 Millionen ein Eierschalen-Bruchteil sein. Doch als Beispiel für die generellen Fehlanreize in der Landwirtschaftspolitik steht das runde Ei sinnbildlich. Normalerweise führt ein Überangebot zu tieferen Marktpreisen und die Produzenten sind damit angehalten, nicht am Markt vorbei zu produzieren. Dies gilt nicht für die Landwirtschaft, das Marktrisiko wird möglichst an den Staat – also an den einzelnen Steuerzahler – ausgelagert. Wohin dies führt? Sicherlich nicht zu einer wettbewerbsfähigeren Landwirtschaft, aber dafür zu teuren Überproduktionen und sonstigen Fehlanreizen. Gerade die Schweiz als exportorientiertes Land sollte sich fragen, wie lange diese marktverzerrende Abschottungspolitik für einen mittlerweile sehr überschaubaren Wirtschaftszweig noch zeitgemäss ist. Pascal Merz, Sursee LU

Gentech-Mais schützt das Gemüse
SonntagsZeitung vom 08.04.2018

Der Artikel «Gentech-Mais schützt das Gemüse» von Nik Walter, wo eine US-Studie vorgestellt und nebenbei dem Schweizer Gentech-Moratorium der Stempel rückständiger Politik aufgedrückt wird, befremdet sicher nicht nur uns. Wir Schweizerinnen und Schweizer können uns glücklich schätzen, dass wir keine Produkte konsumieren müssen, deren Gesundheitsrisiken ungenügend bekannt sind. Anders in den Ländern des Südens. Besonders der afrikanische Kontinent wird als Experimentierfeld für die Verbreitung von Gentechpflanzen missbraucht, einmal mehr mit dem Argument, Hunger und Armut beizukommen. Dabei profitieren Forschungsinstitute und Agrarkonzerne von fehlender Regulierung und Kontrolle vieler Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Bevölkerung ist gezwungen zu essen, was auf den Teller kommt – der Luxus einer sauberen Deklaration steht ihnen nicht zu. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Süden wiederum müssen die genetische Verunreinigung und das Verschwinden ihres bäuerlichen Saatguts in Kauf nehmen und verschulden sich häufig durch den kostspieligen Zukauf von Gentechsaatgut und Pestiziden. Das zeigt die weniger glanzvolle Seite der im Artikel beschriebenen Erfolge mit Gentechkulturen. Nicht die Gentechnologie ist der Königsweg, um unser Gemüse zu schützen, sondern die agroökologische Landwirtschaft. Agroökologische Produktionssysteme bringen echte ökologische Vorteile. So kann etwa der Vermehrungszyklus des Maiszünslers allein mit Fruchtfolgen und Mischkulturen unterbrochen werden – ganz ohne Einsatz von teurem Gentechsaatgut oder synthetischen Pestiziden. Für die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die über 70 Prozent unserer Nahrung produzieren, bietet die ökologische Landwirtschaft eine wirkliche Alternative. Besonders den Bauern und Bäuerinnen im Süden gibt sie die Autonomie über ihre Ressourcen, ihr Land und ihr Saatgut zurück. Judith Reusser, SWISSAID. Verantwortliche für die Dossiers Ernährungssouveränität und Saatgut.

In jedem fünften Heim herrscht Pflegestress SonntagsZeitung vom 01.04.2018

Dies ist ein leidiges Thema, die Alten werden nur noch abgeschoben oder ruhig gestellt. Das in Spitälern, Heimen und Spitex Pflegestress und Qualitätseinbusse herrscht, ist nicht zu übersehen und ich musste dies selber schon öfters feststellen. Anstatt rechtzeitig die eigene, auch ältere, aber durchaus fähige Bevölkerung umzuschulen oder bezahlte Ausbildungen zu ermöglichen, wird lieber billiges Personal aus dem Ausland eingestellt. Es gibt viel zu wenig gut qualifiziertes, diplomiertes Personal, das wissen alle, es wird aber, aus finanziellen Gründen, viel zu wenig dagegen unternommen. In einigen Heimen und Spitälern wird gepfuscht und Hilfspersonal Aufgaben zugeteilt, wofür sie gar nicht die Kompetenz dafür haben. Sie sind total überfordert, alle leiden unter Zeitdruck und Dauerstress. Dass sogar Hilfspersonal Morphium an Sterbende abgibt, ist unter aller Würde. Die Alten werden vielerorts nur noch «abgefertigt». Diese unschöne Entwicklung gibt sehr zu denken und muss zwingend und zwar sofort geändert werden, es muss viel mehr in Weiterbildungen und guter Ausbildung investiert werden, dies muss aber überprüft werden, dass nicht geschummelt wird. Vielleicht könnte auch noch ein Anreiz geschaffen werden, dass alte Menschen viel mehr von den eigenen Jungen privat gepflegt werden oder auch ältere, noch fitte Rentner/innen sich selber mehr um Kollegen und Kolleginnen kümmern und betreuen, dabei einen Steuerabzug machen können. Regula Hiltebrand, Au ZH

Erstellt: 15.04.2018, 00:49 Uhr

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