«Ueli Maurer war wohl mehr an Sitzungen als zu Hause anzutreffen»

Die Reaktionen der Leser.

«Es reicht anscheinend, der Sohn eines SVP-Bundesrats zu sein, und schon bleibt alles geheim»: Ein Leser über den Prozess gegen Ueli Maurers Sohn. Bild: newspictures

«Es reicht anscheinend, der Sohn eines SVP-Bundesrats zu sein, und schon bleibt alles geheim»: Ein Leser über den Prozess gegen Ueli Maurers Sohn. Bild: newspictures

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Geheimer Prozess gegen Sohn von Bundesrat Maurer
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Alle sind gleich, einige sind halt gleicher. Interessant, dass es jene sind.
Margrit Zafiris, Urdorf ZH

Ein Freund unseres Vaters war ehemals deutscher Botschafter in Teheran und befreundet mit dem Schah, Franz Josef Strauss, Henry Kissinger und anderen. Einmal hat seine Ehefrau bei C & A eine Hose gestohlen. Unser Vater konnte aufgrund seiner absoluten Diskretion und Zurückhaltung erreichen, dass ausser dem Staatsanwalt und ihm niemand von diesem Vorfall erfuhr und das Verfahren gegen Zahlung eines Betrages an eine gemeinnützige Institution eingestellt wurde. Ohne unseren Vater hätte es einen riesengrossen Skandal gegeben, der von der deutschen Presse zerpflückt worden wäre. Jahrzehnte später erst erzählte unser Vater seiner ­Familie davon.
Udo Adrian Essers, Küsnacht ZH

Dem jetzigen Bundesrat Ueli Maurer war anscheinend seine politische Karriere wichtiger als die richtige Erziehung seiner Söhne. Seine angestrebten Ämter wie Gemeinderat, Parteipräsident, Nationalrat und jetzt Bundesrat brachten es natürlich mit sich, dass er mehr an Sitzungen als zu Hause anzutreffen war. So wundert es nicht, dass einer seiner Söhne auf die schiefe Bahn geraten ist. Jetzt soll aber die Öffentlichkeit nichts davon erfahren? Ich erinnere mich noch genau daran, wie Parteipräsident Maurer bei jeder Gelegenheit lautstark ausgerufen hat, besonders dann, wenn etwas nicht regelkonform abgelaufen war.
Max Bürgis, Weiningen ZH

Der Prozess gegen Ueli Maurers Sohn ist ein Prüfstein für die Justiz
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Schon in jungen Jahren habe ich gelernt, dass alle Schweizer vor dem Gesetz gleichgestellt sind. Das gilt neuerdings nicht mehr; es reicht anscheinend, der Sohn eines SVP-Bundesrats zu sein, und schon bleibt alles geheim. Ich finde das absolut inakzeptabel. Gut gibt es noch eine unabhängige Presse, die nicht von Herrliberg aus gesteuert wird.
Hans-Ulrich Wanzenried, Zürich

Das «No Billag»-Lager startet mit klarem Vorsprung SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Laut Sonntagspresse nähme heute mehr als die Hälfte der Befragten die No-Billag-Initiative an. Nun, 450 Franken sind nicht unbedingt bescheiden, die spart sicher jeder gern, aber glauben diese Leute tatsächlich, dass es nachher noch unabhängige Radio- und Fernsehstationen geben wird? Sicher nicht. Es geht ja nicht um die einfachen Musiksendungen und Kurzreportagen im SRF 1 bis 3, nein, es geht um Informationssendungen wie «Echo der Zeit», «Samstagsrundschau», «Sternstunde», «Kassensturz», «Puls» usw., und diese werden klar unter die Räder kommen. Recherchen im In- und Ausland sind aufwendig, kosten viel Geld, und da wird der Geldgeber natürlich ein Wörtchen mitreden wollen. Und sei es nur diskret im Hintergrund. Italien (Berlusconi) lässt grüssen.
Hans Pletscher, Brügg BE

Man greift sich an den Kopf: Wie stellen sich denn diese No-Billag-Bejaher ihr zukünftiges TV-Vergnügen vor? Billiger wirds schlussendlich über die Privaten wohl kaum, schon gar nicht, wenn man eine gewisse gewohnte Sender-Vielfalt weiterhin ausnützen möchte.
Paul Schwald, Köniz BE

Über 1100 SRG-Mitarbeiter für ein Monopol-Programm des Kantons Tessin? Plus ein Radio und Fernsehen für weniger als ein Prozent der Bevölkerung (Rätoromanen)? Eine massiv überteuerte Subventionierung für einen Service public, der in diesem Ausmass absolut nicht nötig ist! Den Verfassungsauftrag erfüllen und die Regionen mit Landesinformationen versorgen, das genügt, mehr ist nicht nötig. Wenn mehr gewünscht ist, dann wie im normalen Leben einen Zusatz (Pay-TV-Abo) lösen. Nur weil man eine Minderheit ist, hat man auch in einer Demokratie nicht das Recht auf ein subventioniertes, ausgedehntes ­Luxus-Programm.
Konrad Rüegg, Ebnat-Kappel SG

Die Abstimmung «No Billag» wird zu einer Zitterpartie. Zwar hat sich jetzt die erfolgsgewohnte Operation Libero in den Kampf gegen den Todesstoss auf die SRG gestürzt. Kritisch ist aber, dass sogar in der welschen Schweiz neuerdings Anti-SRG-Stimmen vor allem der jüngeren Generation laut werden. Es geht aber nicht darum, der SRG einen Denkzettel zu verpassen – Gründe zur SRG-Kritik hat ja fast jedermann – sondern ob wir wirklich auf werbearme, gesamtschweizerische Radio- und Fernsehsender verzichten wollen, die nicht von privaten Interessen gelenkt werden.
Martin A. Liechti, Maur ZH

Dieser Vorsprung für eine Annahme der Billag-Initiative verwundert mich nicht. Herr Kessler, selber jung und ehrgeizig, hat vielen jungen Menschen (die bereits im Zug in ihr Tablett starren) einen grossen Gefallen getan. Warum Gebühren bezahlen für Sendungen, die sich niemand mehr anguckt?
Susanna Geser, Biel BE

Cassis und seine FDP prüfen Efta-Gericht fürs Rahmenabkommen
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU sind in 20 zentralen bilateralen Abkommen sowie in über 100 weiteren Verträgen geregelt. Die Vertragswerke regeln nicht nur die Zusammenarbeit zwischen unserem Land und der EU, sondern auch den Zugang der Schweizer Firmen zu bestimmten Sektoren des EU-Binnenmarkts. Verträge und Abkommen sind nicht in Stein gemeisselt. Sie unterliegen immer wieder Veränderungen und Anpassungen. Auch kann es zwischen den Vertragsparteien zu Streitigkeiten, Meinungsverschiedenheiten oder zu Interpretationsproblemen kommen. Wie solche Streitfälle zu lösen sind, ist momentan leider nicht geregelt. Zur Debatte bei der Lösung von Meinungsunterschieden wird von der EU der Europäische Gerichtshof ins Spiel gebracht. Diese Lösung dürfte in der Schweiz einen schweren Stand haben. Fremde Richter sind für viele ein Tabu. Aus meiner Sicht kommt für uns nur die Einsetzung eines echten Schiedsgerichts infrage. Solche Schiedsgerichte bestehen in der Regel aus drei bis fünf Richtern, wobei der Vorsitzende keiner der betroffenen Parteien angehören sollte. Denkbar wäre also folgende Zusammensetzung: Zwei Richter aus der Schweiz (zum Beispiel Bundesrichter), zwei Richter aus dem Europoäischen Gerichtshof und als Vorsitzender ein Richter vom Efta-Gerichtshof. Die Lösung der erwähnten Probleme ist im Interesse beider Seiten.
Bruno Krähenbühl, Münchenstein BL

Ich wünsche mir seit Jahren wieder einmal einen Bundesrat, der Charakter, Rückenmark und Zivilcourage zeigt und dazu noch ehrlich ist. Zu meinem grossen Bedauern werden immer nur die Personen gewählt, die beim kleinsten Windli umfallen und nur der Herde nachrennen, lies dem geringsten Widerstand nachgeben. Wenn ein Bundesrat schon vor seinem Antritt seine 2. Staatsbürgerschaft schnellstens abgibt und zuerst in einen Tellensöhne-Verein eintritt, um bei einem Häuchlein von Gegenwind sofort wieder austritt der ist für mich ziemlich unglaubwürdig. Wie wollte er doch keine fremden EU-Richter in der Schweiz und jetzt will er genau diese Richter. Man sollte ihm klar machen, dass die Schweiz nicht in der EU ist und die Schweizer auch nicht dahin wollen.
Mengia Willimann, Luzern

«Ich verliebte mich auf der Bühne schon spontan» SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Ein Leckerbissen von einem Gespräch zwischen zwei Künstlern! Heute, wo menschliche Werte immer weniger gelten, sind solche Vorbilder enorm wichtig. Nur, wird das auch von jungen Menschen gelesen, die sich an Vorbildern orientieren sollten und möchten, oder nimmt sich nur meine 1953er +/– Generation Zeit, um es zu lesen und zu geniessen? Ich denke, es ist nie etwas vergebens, und die SonntagsZeitung regt mit olchen Artikeln immer wieder zum Denken, Nachdenken und Mitdenken an.
Ralph Zuberbühler, Obfelden ZH

Der Arzt als schwieriger Patient
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Die SonntagsZeitung hat auf eine wissenswerte Art und Weise dargelegt, dass viele Mediziner ihre Gesundheit vernachlässigen und insbesondere vermehrt unter psychischen Belastungen leiden. Ergänzend möchte ich darüber hinaus den enorm wachsenden Leidensdruck zahlreicher Ärzte untermauern. Erstens erschweren diverse Krankenkassen den Ärzten das Leben, zumal diese immer mehr zeitraubende administrative Aufgaben erledigen müssen und so gesehen für den Patienten immer weniger Zeit in Anspruch nehmen dürfen! Zweitens werden die Ärzte von den Versicherungen zuhauf angefragt, ob die Behandlung tatsächlich medizinisch indiziert sei. Diese Auskunft raubt den Ärzten zusehends die Zeit und trägt höchst selten zur Kostensenkung im Gesundheitswesen bei. Nach meinen persönlichen Erfahrungen müssten grössere Kassen bezüglich Aufrichtigkeit, Effizienz und vollumfänglicher Beurteilung der Sachlage des Patienten wesentlich mehr hinzulernen.
Armin Arnold, Köniz BE

Ringier und seine Millionenmacherin
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Genau solche Bezichtigungen – im Brustton der Transparenz vorgetragen – dienen dazu, um die Leser mit dem Misstrauensvirus zu infizieren. Verschleiert wird dabei die Unterscheidung, was sind wirklich Steuergelder, und was stammt aus dem grossen Swisslostopf (also keine Steuergelder)? Ich lernte Frau Ruf als Direktorin des Kunsthauses Glarus kennen. Da kein müder Franken aus Steuergeldern zur Verfügung stand, arbeitete sie Teilzeit zu einem Hungerlohn. Alles Swisslose oder eben Spenden, die sie mühsam zusammenbetteln musste. Wir profitierten von ihrem hervorragenden Kunstinstinkt.
Peter Jenny, Glarus

Wo gehobelt wird, fallen Werbeeinnahmen SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Das von Barnaby Skinner skizzierte Bild mit dem zugekleisterten Gratisstuhl made by Werbung steht sinnbildlich für den «modernen» Journalismus. Kein Handwerker würde sein Produkt gratis verschenken, Medienhäuser jedoch haben genau dies getan. Die Werbeeinnahmen der nationalen Medienverlage sind durch Facebook, Google und Co. regelrecht dahingeschmolzen. Und nun? Der Journalistenstuhl wankt beträchtlich. Also zurück zu einem fachgerechten Stuhl ohne Schnickschnack, dafür ehrlich und kompetent und mit einem klaren Preis.
Pascal Merz, Sursee LU

Schmerzhaft und blutig
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Es ist so wichtig, dass Medien wie die SonntagsZeitung immer wieder auf die problematischen Punkte bei der Erzeugung von Tierprodukten hinweisen, denn die Produzenten versuchen sie aus wirtschaftlichen Gründen möglichst im Verborgenen zu halten. Und Daunen sind ein Thema, bei dem die wenigsten wissen, welch unglaubliches Tier Leid dahintersteckt. Gerade bei Daunen gibt es zum Glück genug synthetisches, ebenso wärmendes Material. Den Tieren zuliebe sollte diese Alternative genutzt werden. Wer Tierquälerei stoppen will, muss bei sich beginnen und auf Tierprodukte verzichten.
Renato Werndli, Eichberg SG

Wenn es um tierische Produkte geht, lässt die Schweiz gerne im Ausland produzieren. Heute importieren wir jährlich 274 Tonnen Pelze, rund eine Million Reptilien-Häute, 120'000 Tonnen Fleisch (vornehmlich Edelstücke), 100'000 Tonnen Milchprodukte und 700 Millionen Eier. Tendenz steigend wegen der raschen Bevölkerungszunahme. Alleine für die 300 Tonnen importierter Foie gras werden eine halbe Million Enten/Gänse zwangsgestopft und die 91,5 Tonnen Import-Froschschenkel gewinnt man durch Amputation von 1,5 Millionen Frösche, wobei zusätzlich noch 450'000 lebende Tiere zur Froschschenkelgewinnung importiert werden. Das bedeutet, dass Jahr für Jahr zusammengerechnet gut 100 Millionen sogenannter Nutztiere im Ausland für uns oft unter grausamsten Umständen gehalten und getötet werden. Seit langem ist allen Entscheidungsträgern bekannt, wie viel Tierquälerei hinter Importprodukten stehen kann. Seit 36 Jahren gäbe das Tierschutzgesetz in Art. 14, und seit 20 Jahren zusätzlich auch das Landwirtschaftsgesetz in Art. 18 dem Bundesrat die Kompetenz, für tierschutzkonforme Importe zu sorgen. Doch um des Geldes willen drückt dieser beim Tierschutz gerne beide Augen zu. Mit der Fairfood-Initiative, welche tierschutzkonforme Importe fordert und die im Herbst 2018 zur Abstimmung kommen dürfte, hat es nun das Volk in der Hand, die Weichen besser zu stellen. Konsumenten, Tierfreunde und Tierschützer dürfen nicht länger wegschauen, sondern müssen sich der Verantwortung stellen, die das Produzieren im Ausland mit sich bringt! Unterstützen wir die Fairfood-Initiative.
Hansuli Huber, Basel

Hochzeit in der Gondel
SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Irgendwie ist hier alles verzerrt. Seit der ersten Durchführung des Humor-Festivals in Arosa war ich ohne Unterbruch jedes Jahr dabei. Dabei haben verschiedene Wechsel der Festival-Verantwortlichen stattgefunden. Damit waren auch jeweils Anpassungen verbunden. Was ich jedoch nicht erkennen kann, ist, dass seit Frank Baumann hier die Kelle schwingt, sich wirklich Relevantes verändert hat. Ich erkenne kein kreatives Element, das auf Frank Baumann zurückzuführen ist und bin gespannt, ob er seinen blöden Spruch bei der Anmoderation über den Hund, der unter die Bühne gefallen ist, durch einen anderen Spruch ersetzt und so damit seine Kreativität unter Beweis zu stellt. Es ist irgendwie erstaunlich, warum denn nicht beispielsweise der Tourismus-Direktor hier vor die Leute tritt. Denn er ist der Gastgeber und nicht ein Zürcher, der weder kreativ noch originell daherkommt.
Bruno Birri, Basel

«Nützts nüt, so schads nüt» ist ethisch heikel SonntagsZeitung vom 3. November 2017

Bei jeder ärztlichen Intervention darf mit einem Placebo Effekt gerechnet werden. Dies gilt sogar für Operationen oder Stent-Einlagen. Und davon profitieren die Patienten. Ärztinnen und Ärzte mit Fähigkeitsausweis in Homöopathie haben in der Schweiz dieselbe Aus- und Weiterbildung in Schulmedizin bis hin zu einem Facharzttitel wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen. Zusätzlich haben sie eine qualifizierte Weiterbildung in Homöopathie. In der Begleitung kranker Menschen sehen wir täglich die Wirkung der Homöopathie, die weit über einen Placebo-Effekt hinausgeht, wozu es auch in Studien deutliche Hinweise gibt. Unsere Methode ist deshalb so beliebt, weil die Patientinnen und Patienten, die sanfte, schnelle und nachhaltige Wirkung der Globuli erleben und schätzen. Der Bundesrat hat diesen Sommer die vier komplementärmedizinischen Richtungen Phytotherapie, Anthroposophisch erweiterte Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin und Homöopathie nach einer ausführlichen Evaluation definitiv in die Grundversicherung aufgenommen. Die Homöopathie gehört somit seit dem ersten August offiziell zur medizinischen Grundversorgung der Schweiz. Wir begrüssen diese Anerkennung unserer Arbeit und freuen uns für unsere Patientinnen und Patienten, die sich eine kollegiale Zusammenarbeit von Schulmedizin und Komplementärmedizin wünschen. Die Schweizer Bevölkerung hat sich 2009 mit einer klaren Mehrheit dafür ausgesprochen, dass Homöopathie Eingang in die medizinische Forschung und Lehre finden soll. Ein erster Schritt ist der neue Lernzielkatalog für die Studierenden der Medizin, der im Frühling dieses Jahres verabschiedet wurde. Darin ist festgehalten, dass Studierende der Medizin den Nutzen und die Risiken (bewusst in dieser Reihenfolge!) von Komplementärmedizin und damit auch der Homöopathie kennen müssen. Sie sollen gemäss diesem neuen Lernzielkatalog überdies lernen, zusammen mit den Patienten Therapiepläne zu erstellen und auf deren Wunsch Komplementärmedizin darin zu berücksichtigen. Wir homöopathisch tätigen Ärztinnen und Ärzte wünschen uns für eine Menschen - zentrierte, wirksame und kostengünstige Medizin der Zukunft ein kollegiales «sowohl als auch» anstelle dem nicht mehr sachgemässen «entweder oder».
Gisela Etter Kalberer, Richterswil ZH

Einmal mehr entsteht der Eindruck, dass Ärzte, die Homöopathie verschreiben, diskreditiert werden sollen. Gleich im Beginn des Artikels zu homöopathischen Globuli wird eine falsche und damit irreführende Zahl aus der Studie von Markun et al. präsentiert: Gemäss der Untersuchung verschreiben 22,8 Prozent der 1512 Teilnehmenden, deren Fragebogen ausgewertet werden konnten, Homöopathie und nicht «knapp jeder vierte» der 4072 angeschriebenen Ärzte. Dass 345 Ärzte und damit lediglich 8,5 Prozent aller Ärzte im Kanton Zürich oft oder gelegentlich homöopathische Arzneimittel verschreiben, ist nicht erstaunlich und nichts Neues. Aus früheren gesamtschweizerischen Untersuchungen (zum Beispiel Déglon-Fischer A et al. 2009) wissen wir, dass Ärzte der Grundversorgung sehr häufig entweder selber Komplementärmedizin anwenden oder an qualifizierte Kollegen überweisen. Am häufigsten genannt wurden Homöopathie und Phytotherapie. Umgekehrt nutzen je nach Krankheitsbild 30-50 Prozent aller Patienten ergänzende komplementärmedizinische Therapien (wiederum am häufigsten Homöopathie), gesamtschweizerisch sind es gemäss Gesundheitsbefragung 2012 des Bundesamts für Statistik ca. 25 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren. Kritiker der Homöopathie versuchen hier ein Problem zu sehen, dass weder in der Ärzteschaft noch bei Patienten so besteht. Im Übrigen müsste die Diskussion über die Verschreibung von Placebo ohne Information des Patienten auf die gesamte ärztliche Tätigkeit ausgedehnt werden. Ärzte verschreiben vermutlich mindestens einmal pro Woche schulmedizinische Medikamente mit Placebowirkung. Die Resultate der Umfrage von Markun et al. sollten im Weiteren vorsichtig interpretiert werden, da lediglich 38 Prozent der angeschriebenen Ärzte geantwortet haben. Man darf ruhig spekulieren, dass sich bei einer hohen Rücklaufquote die relative Zahl der Homöopathie-verschreibenden Ärzte deutlich unter 20 Prozent verringern würde. Bei Umfragen antworten in der Regel diejenigen Personen, die sich vom Thema angesprochen fühlen.
Martin Frei-Erb, Thun BE

Erstellt: 09.12.2017, 16:39 Uhr

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