Liebe Fleischesser, beruhigen wir uns doch

Warum macht unsere Gesellschaft so ein Theater um Leute, die auf tierische Produkte verzichten?

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Was haben wir uns in den vergangenen Monaten wieder über Veganer echauffiert. Da gab es Meldungen über respektlose Restaurantgäste, die unangekündigt Mittagsmenüs ohne tierische Produkte verlangten und laut aufschrien, wenn das kurzfristig nicht möglich war. Da war die temporäre Nationalratskandidatin Tamy Glauser, die behauptete, das Blut von Veganern könne Krebszellen töten. Und schliesslich wurden die SBB öffentlich an den Pranger gestellt, weil im Zug kein veganes Hauptgericht zur Auswahl stand.

Dies ist nun anders. Neu gibt es Ghackets mit Hörnli – ganz ohne tierische Produkte. Breit kommuniziert wurde dies jedoch nicht – vielleicht unabsichtlich, vielleicht aber auch im Wissen, dass dies manchem Karnivoren wieder sauer aufgestossen wäre.

Aber was regen wir uns eigentlich immer derart auf? Nur ein tiefer einstelliger Prozentsatz ernährt sich konsequent pflanzenbasiert, und nur ein Bruchteil von ihnen fällt damit überhaupt auf. Wenn Veganer andere mit kulinarischen Sonderwünschen vor den Kopf stossen oder unsinnige Dinge behaupten, hat das in erster Linie mit mangelndem Anstand oder Unüberlegtheit zu tun – und nicht mit der Art ihrer Ernährung. Nur weil eine Person auf tierische Produkte verzichtet, muss sie nicht gleich ein perfekter Mensch sein. Solange sie nicht mit dem Moralfinger auf andere zeigt, kann es uns egal sein, wenn sie daneben auch mit dem Flugzeug verreist, ökologisch fragwürdige Soja-Avocado-Smoothies schlürft oder unfair produzierte Billigmode trägt.

Nur weil das vegane Angebot stetig wächst und sich Aktivisten politisch dafür einsetzen, nimmt uns niemand etwas weg. Und wenn wir es nicht aushalten, dass für die Milch in unserem Müesli und das Steak auf unserem Teller Tiere leiden, ist das allein unser Problem. Die Veganer können nichts dafür.



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Erstellt: 24.08.2019, 23:00 Uhr

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