Liebe zum verstorbenen König lockt Thailänder in die Schweiz

Touristen wandeln auf den Spuren des Langzeit-Monarchen Bhumibol. Auch aus anderen südostasiatischen Ländern kommen mehr Ferienreisende.

Bhumibol lebte lange in Lausanne: Der königliche Thai-Pavillon im Parc du Denantou. Foto: Shutterstock

Bhumibol lebte lange in Lausanne: Der königliche Thai-Pavillon im Parc du Denantou. Foto: Shutterstock

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In Thailand herrscht dieses Wochenende Ausnahmezustand. Maha Vajiralongkorn wurde gestern offiziell zum König Rama X. gekrönt. Es war der Höhepunkt von dreitägigen Feierlichkeiten in der Hauptstadt Bangkok und die erste Krönung in Thailand seit siebzig Jahren. Der letzte König des Landes, Bhumibol, war bereits vor zweieinhalb Jahren verstorben, doch aus Respekt vor seinem Vater, der vom Volk abgöttisch geliebt wurde, wartete Maha Vajiralongkorn mit der Krönung ab.

Doch auch in der Schweiz bekommt man die Liebe des Volkes zu Bhumibol zu spüren – in der Tourismusbranche. Mit dem Ende der Staatstrauer vor eineinhalb Jahren begannen die Fans des verstorbenen Königs, sich aufzumachen und auf seinen Spuren zu wandeln – und davon gibt es viele in der Schweiz. 18 Jahre lang lebte Bhumibol in Lausanne. Er war erst fünf Jahre alt, als seine Mutter mit ihm in die Westschweizer Stadt zog. Dort ging er zur Schule und legte die Matura ab. Auch als Erwachsener kam er immer wieder in die Schweiz zurück. Im Lausanner Denantou-Park am Ufer des Genfersees ist ihm gar ein Pavillon gewidmet.

Bhumibol hat sich stets positiv über seine Schweizer Jahre geäussert. Daher ist bei vielen Thais das Bedürfnis entstanden, die vom König geliebten Orte in der Schweiz selbst zu sehen. In Thailand gibt es verschiedene Angebote für Reisen auf den Spuren des Königs durch die Schweiz. «Sie erfreuen sich grosser Beliebtheit», sagt Markus Berger, Sprecher der Vermarktungsorganisation Schweiz Tourismus. Die Zahl der Hotelübernachtungen von Touristen aus Thailand stieg zwischen 2017 und 2018 um 13 Prozent auf 271'000.

Das Spital, in dem Bhumibol lag,wird zum Besichtigungsziel

«Wir sehen einen grossen Anstieg bei den Touristen aus Thailand», bestätigt Charlotte Bourquin von Lausanne Tourismus. Die Stadt bietet geführte Touren an, auf denen Reisende an zehn Orte geführt werden, die für Bhumibol eine besondere Bedeutung hatten. Dabei sehen sie zum Beispiel das Schulhaus, in dem der König gemeinsam mit Schweizer Kindern ausgebildet wurde.

Ein etwas aussergewöhnlicheres Besichtigungsziel ist die Clinique Cecil. Im Spital, das inzwischen zur Hirslanden-Gruppe gehört, wurde Bhumibol behandelt, nachdem er 1949 bei einem Autounfall verletzt worden war. Mit seinem Fiat Topolino war der König in einen Lastwagen gekracht. Was die Klinik für Besucher noch interessanter macht: Dort lernte Bhumibol seine Frau Sikirit kennen. Das Spital wird auf den Touren allerdings nur von aussen betrachtet.

Für erstarkten Mittelstand wird Reise nach Europa erschwinglich

Dass die Zahl der thailändischen Touristen in der Schweiz so stark steigt, liegt auch daran, dass sich die Einwohner des Landes das Reisen zunehmend ­leisten können. Thailand ist nicht das einzige südostasiatische Land, in dem das so ist. Die Übernachtungszahlen von Reisenden aus der gesamten Region steigen kontinuierlich. Seit 2013 sind die Ankünfte aus Südostasien laut Schweiz Tourismus um fast 40 Prozent angestiegen.

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Pro Kopf der Bevölkerung hat Singapur sogar den höchsten Anteil an Schweiz-Reisenden weltweit. Bei den anderen Ländern der Region wächst die Zahl der Touristen stark. In Thailand und Malaysia ist in den vergangenen Jahren eine starke Mittelklasse entstanden, die sich zunehmend Reisen nach Europa leisten kann. Die Zahl der Hotelübernachtungen von Gästen aus Malaysia stieg von 2017 bis 2018 noch stärker als die der Thailänder: um 14 Prozent auf 84'000. Indonesien ist als Herkunftsmarkt noch etwas weniger weit entwickelt. «Das Land hat eine etwas kleinere Wachstumsrate, aber ein grosses Potenzial», sagt Markus Berger.

Bei Schweiz Tourismus freut man sich über die steigende Anzahl der Gäste aus Südostasien auch wegen ihres Reiseverhaltens. Einerseits reisen diese Gäste vor allem von April bis Juni und von September bis Dezember in die Schweiz. Damit kann die Auslastung der Schweizer Hotels zeitlich ­optimiert werden. Andererseits ist der Anteil der Einzelreisenden – also solchen, die nicht in Reisegruppen unterwegs sind – vergleichsweise hoch. In Thailand und Malaysia etwa liegt er bei 30 bis 40 Prozent. «Diese Gäste sind je länger, je mehr in der ganzen Schweiz unterwegs und besuchen auch weniger bekannte Orte», sagt Berger. Dadurch verringere sich der Druck auf die touristischen Hotspots der Schweiz.



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Erstellt: 04.05.2019, 22:24 Uhr

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