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Linke Kleingeistigkeit

Dass den Bürgerlichen ihr Frauen-Erfolg in der EU und in Deutschland nicht gegönnt wird, ist jämmerlich.

Was für eine Woche für die Frauen! Ursula von der Leyen wurde zur ersten EU-Kommissions-Präsidentin gewählt. Ihren Posten als deutsche Verteidigungsministerin übernimmt Annegret Kramp-Karrenbauer. Christine Lagarde ist gesetzt als Chefin der Europäischen Zentralbank. Und über allen steht da, immer noch, Angela Merkel als Kanzlerin.

Noch nie waren so viele wichtige Posten in der Politik weiblich besetzt. Ein kleiner Sieg – aber eine grosse Freude für diese andere Hälfte der Bevölkerung, die kurioserweise als Minderheit gilt, obschon sie doch in der Mehrheit ist.

Trotzdem mögen sich nicht alle so richtig darüber freuen. Und zwar ausgerechnet jene Kreise nicht, die sich angeblich die Gleichstellung auf die Fahne geschrieben haben. Aber weil es sich bei den drei Deutschen durchwegs um bürgerliche Politikerinnen handelt, findet man dieses feminine Durchmarschieren irgendwie nicht so gut. Die linke «Tageszeitung» mäkelt daher: So habe man sich das Ende des Patriarchats aber nicht vorgestellt.

«Die viel bemühte Solidarität nur für die mit dem richtigen Parteibüchlein – das ist so kleingeistig und blöd, dass es einem fast die Freude am weiblichen Triumph verdirbt.»

Das heisst: Frauenförderung wird offenbar nicht als generelles Anliegen verstanden, bei dem alle an einem Strick ziehen, weil es um eine Sache geht, die das verdient. Sondern Frauenförderung ist relativ, die Ideologie geht vor. Die Frauen müssen nicht nur besser sein als Männer, härter arbeiten und eine dickere Haut haben – sie müssen auch noch in der «richtigen» Partei sein, damit sie für gut befunden werden. Deshalb verdienen bürgerliche Politikerinnen – oder linke Politikerinnen, die zu wenig links sind – keinen Support. In der Schweiz verhinderte die SP mit dieser Einstellung mehr als einmal aktiv eine Bundesrätin.

Die viel bemühte Solidarität nur für die mit dem richtigen Parteibüchlein – das ist so kleingeistig und blöd, dass es einem fast die Freude am weiblichen Triumph verdirbt. Es geht doch nicht um Ideologie! Sondern darum, dass die Frauen aufholen, so, dass kleine Mädchen, wenn sie Fotos von internationalen Gipfeltreffen sehen, nicht nur einen einsamen bunten Punkt in einem Meer von Grau sehen, sondern ganz viele. Es geht um die Selbstverständlichkeit, dass die Frauen mit dabei sind, dort, wo es wichtig ist, und zwar so zahlreich und so verschiedenartig wie möglich.

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Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
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