«Ich bin nicht in das Bonussystem eingebunden»

Alpiq-Chef Jens Alder hatte von Anfang an vor, ein weiteres Mandat anzunehmen.

«Es geht primär um die beiden Unternehmen und ihren Erfolg»: Jens Alder, 61. Foto: Salvatore Vinci/13 Photo

«Es geht primär um die beiden Unternehmen und ihren Erfolg»: Jens Alder, 61. Foto: Salvatore Vinci/13 Photo

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Ex-Swisscom-Chef Jens Alder hat viel Kritik auf sich gezogen. Denn der 61-Jährige ist nicht nur beim Stromkonzern Alpiq Verwaltungsratspräsident und operativer Chef in Personalunion – und das mit einem Teilzeitmandat. Jetzt will er auch noch Präsident beim problembeladenen Stahlriesen Schmolz + Bickenbach werden. Corporate-Governance-Experten sind entsetzt. Nun stellt sich Alder der Kritik.

Sie haben trotz Doppelmandat bei Alpiq ein 80-Prozent-Pensum. Was machen Sie denn so an Ihrem freien Tag in der Woche?
Es stimmt, ich habe bei Alpiq keinen Vollzeitjob. Das liegt daran, dass ich neben dem Präsidentenamt nicht CEO bin, sondern Delegierter des Verwaltungsrats. So eine Lösung funktioniert dann, wenn man ein sehr gutes Management hat. Das ist bei Alpiq der Fall.

Ist CEO nicht dasselbe wie Delegierter des Verwaltungsrats?
Nein, das ist es nicht, denn ein Delegierter hat keinen Anstellungsvertrag. Rechtlich gesehen bin ich Verwaltungsrat. Ein CEO hingegen hat einen Anstellungsvertrag und ist damit auch in das Bonussystem eingebunden; das bin ich nicht.

Heisst das, man kann Sie gar nicht feuern?
Doch, das ist sogar einfach. Ich bin ja für ein Jahr gewählt und habe keine Kündigungsfrist.

Warum kann Alpiq auf einen eigenen CEO verzichten?
Doppelmandate sind weder in der Schweiz noch in angelsächsischen Ländern ungewöhnlich. Bei Alpiq kam der Verwaltungsrat zum Schluss, dass das Doppelmandat für eine begrenzte Zeit die beste Lösung ist. Das liegt daran, dass wir im vergangenen Jahr unser ­Industriegeschäft verkauft haben. Das führte dazu, dass wir rund 80 Prozent unserer Mitarbeiter mitverkauft haben. Das ist ein traumatischer Einschnitt. In dieser Phase der Konsolidierung wollte der Verwaltungsrat Stabilität.

Klingt so, als müssten Sie die Alpiq-Leute jetzt trösten. Was machen Sie denn konkret?
In der Stromsparte bleibt nach der ­Trennung vom Industriegeschäft die Strategie unverändert. Und diese habe ich mitformuliert. Es geht jetzt darum, die Konsequenzen der Abtrennung des Industriegeschäfts strukturell und auch finanziell zu implementieren. Längerfristig brauchen wir nach dieser Stabilisierungsphase einen neuen CEO, mit dem wir dann eine neue Strategie formulieren werden.

Müssten Sie nicht jetzt schon eine neue Kraft einarbeiten?
Das ist eine Frage des Timings. Wenn der Verwaltungsrat zum Schluss kommt, dass die Stabilisierungsphase beendet ist, wird umgehend die Rekrutierung eines neuen CEO eingeleitet. Aber derzeit sind wir dabei, die Stromproduktion zu diversifizieren, auch das Handelsgeschäft wollen wir breiter aufstellen. Zudem ist das regulatorische Umfeld sehr im Fluss. Sind diese Dinge abgeschlossen, macht es Sinn, den neuen CEO zu holen.

Das Doppelmandat wollen Sie maximal fünf Jahre behalten. Wie lange wollen Sie Präsident bleiben?
Ich habe nie gesagt, dass ich fünf Jahre beide Jobs machen werde, ich habe ­immer gesagt, dass ich die Aufgabe bei Alpiq sicher für ein Jahr wahrnehme, aber sicher keine fünf Jahre. Wie lange ich Präsident bleibe, hängt ja auch von der Generalversammlung ab, sie muss mich jedes Jahr aufs Neue wählen.

Und wie lange stellen Sie sich zur Wahl?
Ich bin 61, das gesetzliche Pensionsalter ist 65, und laut Statuten kann ich bis 70 Verwaltungsrat sein. Wie lange ich mich zur Wahl stelle, weiss ich noch nicht.

Neben Alpiq wollen Sie nun auch Präsident bei Schmolz + Bickenbach werden. Ist das nicht schlicht zu viel?
Nein, ist es nicht. Sonst hätte ich mich nicht zur Verfügung gestellt.

Dass der Verwaltungsratspräsident eines börsenkotierten Milliardenkonzerns nur ein 20-Prozent-Pensum hat, erstaunt.
Die Betrachtung ist zu theoretisch. Ich bin seit Jahren professioneller Verwaltungsrat. Mein Job ist es, mehrere Mandate zu führen, solange ich für die Unternehmen einen Beitrag leisten kann. Aus diesem Grund wollte ich bei Alpiq auch kein exklusives Mandat. Ich habe mit dem Alpiq-Verwaltungsrat von Anfang an vereinbart, dass ich ein weiteres Mandat bei einem börsenkotierten Unternehmen annehmen darf. Nun habe ich dazu die Gelegenheit.

Wie sind Sie zu Schmolz + Bickenbach gekommen?
Ich wurde von einem Headhunter angesprochen.

Investoren wie Blackrock akzeptieren aber nicht, dass ein CEO auch Präsident bei einer anderen börsenkotierten Firma ist.
Wenn der Verwaltungsrat von Schmolz + Bickenbach mich nominiert, gehe ich davon aus, dass solche Fragen vorher geklärt worden sind.

Fürchten Sie denn durch die Debatte keinen Reputationsschaden für sich selbst?
Ach wissen Sie, über mich ist so viel geschrieben worden. Ich bin klar der Meinung, dass man sich nicht zu sehr nach der öffentlichen Meinung richten sollte. Es geht primär um die beiden Unternehmen und ihren Erfolg. Und für das werde ich mich mit aller Kraft einsetzen.

Was sind denn Ihre Prioritäten für Schmolz + Bickenbach?
Dazu kann ich noch nichts sagen, ich bin ja bisher nur Kandidat.

Hatten Sie denn schon Kontakt mit Grossaktionär Viktor Vekselberg?
Nein, noch nicht.

Bei Alpiq will Grossaktionär EDF sein Aktienpaket verkaufen. Wie stellen Sie sicher, dass Alpiq nicht destabilisiert wird?
Ich stehe mit meinem Rat zur Verfügung. Ich mache mir da aber keine Illusionen, jeder Aktionär will die eigenen Ziele verfolgen.

Sie könnten ja versuchen, einen Käufer für das EDF-Paket zu finden.
Das könnte ich, aber es ist nicht meine Aufgabe. Das ist die Aufgabe der Aktionäre.

Parallel streiten Sie mit Bouygues über den Preis für das verkaufte Industriegeschäft. Gibt es eine Chance für einen Vergleich?
Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind, daher sind wir vor ein Schiedsgericht gezogen.

Sie könnten sich aussergerichtlich einigen?
Wie gesagt, wir sind uns nicht einig. Mehr gibt es dazu im Moment nicht zu sagen.

Erstellt: 16.03.2019, 21:25 Uhr

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