Maurer plant Ehrenfeier und Bürgerrecht für WEF-Gründer

Der Bundespräsident will Klaus Schwab in einer staatlichen Feier für seine Verdienste ehren – die eigene Partei hält das für unschweizerisch.

Bundespräsident Ueli Maurer und WEF-Gründer Klaus Schwab (r.) am diesjährigen Forum. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

Bundespräsident Ueli Maurer und WEF-Gründer Klaus Schwab (r.) am diesjährigen Forum. Foto: Laurent Gillieron/Keystone

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Was für Staaten wie Frankreich üblich ist, ist in der Schweiz ein Tabu: Die Eidgenossenschaft gehört zu den wenigen Ländern, die keine Orden verleihen. Auch staatliche Ehrungen oder Zeremonien für Einzelpersonen liegen der helvetischen Konföderation fern. Jetzt will Bundespräsident Ueli Maurer eine Ausnahme machen. Am Mittwoch eröffnete er dem Bundesrat, dass er WEF-Gründer Klaus Schwab mit einem staatlichen Anlass ehren und auszeichnen und ihm dabei das Schweizer Bürgerrecht verleihen will.

Die Sache sollte zwar noch ­geheim gehalten werden, doch weil im Bundesrat nicht alle mit Maurers Plänen einverstanden sind, gelangen erste Informationen an die Öffentlichkeit. Gemäss Maurers Informationspapier, das der SonntagsZeitung vorliegt, soll der Ehrungsakt hochkarätig besetzt sein. Das Ziel: Der Bundesrat soll möglichst in corpore anwesend sein.

In der Schweiz gebe es keine Orden

Anlass ist das 50-Jahr-Jubiläum des World Economic Forum im nächsten Januar in Davos. Dort will man sich, so das Papier, bei Klaus Schwab «für sein Lebenswerk erkenntlich zeigen», etwa ­indem der Bund Schwab «an einem eigens für ihn organisierten und besonderen Anlass ehrt». Mit einer «Teilnahme möglichst aller anwesenden Mitglieder der Landesregierung soll der entsprechende Rahmen» geschaffen werden. An einer Medienkonferenz zusammen mit dem Kanton Graubünden und der Gemeinde Davos soll die Ehrung öffentlich verkündet werden.

Der Plan wurde an einem Treffen zwischen Maurer und Ver­tretern des Kantons Graubünden ­sowie der Gemeinde Davos am 21. Juni entwickelt. Auf den ­Einwand, eine staatliche Ehren­feier und die Huldigung von Privat­personen entsprächen nicht schweizerischem Gebrauch, soll Maurer dort nicht eingegangen sein. ­Maurer habe erklärt, so erzählen Teilnehmer, in der Schweiz gebe es keine Orden, deshalb müsse man eine offizielle Ehrenzere­monie organisieren.

Ungereimtheiten um die Verleihung des Bürgerrechts

Fragen hinsichtlich der Gründe und der politischen Berechtigung der Ehrenfeier wehrt Maurers ­Departement ab. Man sei in der Planung und es sei zu früh für ­Auskünfte. Auch keine Erklärungen gibt es, warum und wie Klaus Schwab im Rahmen der Ehrung auch noch das Schweizer Bürgerrecht erhalten soll.

Gemäss Mauers Papier soll nämlich «Professor Schwab durch den Kanton Graubünden das Schweizer Bürgerrecht verliehen werden». Das hat unter den Organisatoren der geplanten Ehrung weitere ­Fragen aufgeworfen. Schwab – gebürtiger Deutscher mit einer weit ­verzweigten Schweizer Verwandtschaft – hat in den vergangenen Jahren mehrmals erklärt, er wünsche den Schweizer Pass nicht. ­Gemäss Recherchen ist er weder über die Ehrung noch die Absicht, ihm das Bürgerrecht zu verleihen, informiert. Und es ist unklar, ob er den Schweizer Pass auch heute überhaupt will. Schwab war für die Redaktion nicht erreichbar. Zudem soll gemäss Papier der Kanton Graubünden das Bürgerrecht verleihen. Schwab ist allerdings im Genfer Vorort Cologny nieder­gelassen. Und eine ordentliche Einbürgerung müsste vom Wohnkanton vorgenommen werden.

Ob es am Ende tatsächlich zu Ehrung und Einbürgerung kommt, ist nicht gesagt. Seit die Pläne durchsickern, regt sich Widerstand. Am heftigsten kommt er ausgerechnet von Maurers Parteipräsidenten Albert Rösti: «Herrn Schwabs Verdienste sind unbestritten, aber die staatliche Ehrung von Einzelpersonen ist unschweizerisch. Wir haben schliesslich auch keine Verdienstorden», sagt der SVP-Chef. Wenn man damit anfange, müssten dann noch ganz andere geehrt werden: «Zum Beispiel Herr Blocher für den Kampf gegen den EU-Beitritt und wegen seiner Verdienste um die Freiheit der Schweiz.» Dass Herr Schwab das Bürgerrecht ohne dessen Zutun erhalten soll, sei völlig unangebracht. Er könne sich ja darum bemühen, dann werde er es zweifellos auch erhalten. Röstis Fazit: «Das geht gar nicht. In der Schweiz sind alle vor dem Gesetz gleich.»



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Erstellt: 17.08.2019, 22:38 Uhr

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