McDonald’s setzt sich auf Diät

Die Kette verschlankt in 60 Filialen das Menü – statt Cola Light gibt es Cola Zero. Der Prime-Burger fliegt raus.

Ein schlankes Angebot sei für eine Fast-Food-Kette sinnvoll, sagt  Tobias Hüberli, Chefredaktor des Gastromagazins «Salz & Pfeffer». Bild: Keystone

Ein schlankes Angebot sei für eine Fast-Food-Kette sinnvoll, sagt Tobias Hüberli, Chefredaktor des Gastromagazins «Salz & Pfeffer». Bild: Keystone

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Der Mann hinter der McDonald’s-Kasse schaut angestrengt auf einen kleinen Zettel. Die Kundin hat einen Muffin zu ihrem morgendlichen Kaffee bestellt. Doch das Gebäck hat das Burger-Restaurant aus dem Sortiment gekippt. McDonald’s hat seinen Angestellten ein Merkblatt verteilt. Es zeigt Alternativen auf, «wenn Gäste ein Produkt vermissen». Denn McDonald’s hat in 60 seiner Filialen das Sortiment zusammengestrichen – als Test, wie es beim Unternehmen heisst.

Dem Rotstift sind prominente Produkte zum Opfer gefallen. Cola Light gibt es in diesen Restaurants nicht mehr. Als Alternative sollen die Verkäufer laut Merkblatt Cola Zero empfehlen. Der seinerzeit mit grossem Werbeaufwand lancierte und von Starkoch René Schudel kreierte Burger «The Prime» fehlt ebenfalls. Die Prime-Fans werden mit einem «Big Tasty Bacon» abgespeist, und wer bislang den glutenfreien Burger bestellte, soll es doch mit dem Caesar Salad probieren. Insgesamt stehen 11 Produkte auf der Liste.

Am meisten Geld bringen die Klassiker

Die Fast-Food-Kette hat mit der Verkleinerung des Sortiments im Sommer in 25 Filialen begonnen. Inzwischen habe McDonald’s den Test ausgeweitet, sagt eine Sprecherin. Durch die Fokussierung könne man die Gäste schneller bedienen. «Wir konzentrieren uns beim Angebot bewusst auf die Lieblingsprodukte unserer Gäste.» Noch ist nicht entschieden, ob das Konzept in allen 166 Schweizer Filialen eingeführt wird. Bisher habe es nur wenig negative Rückmeldungen von Kunden gegeben.

Ein schlankes Angebot sei für eine Fast-Food-Kette sinnvoll, sagt Tobias Hüberli, Chefredaktor des Gastromagazins «Salz & Pfeffer». In diesem Business rentiere nur, was in grosser Zahl verkauft werde. «Die Straffung des Sortiments zeigt, dass McDonald’s vor allem mit seinen Klassikern Geld verdient.» Für Edelburger wie den ­Prime bleibt da wenig Platz. Mit einem Preis von über 10 Franken war er wohl vielen Kunden schlicht zu teuer. Der Speckburger als ­Alternative ist jedenfalls billiger.

Zuwachs beim Umsatz

McDonald’s hat im Markt der Schnellverpflegung mehr Konkurrenz erhalten. Die Schweizer Kette Holy Cow beispielsweise und auch die Grossverteiler Migros und Coop setzen immer stärker auf Imbissformate. McDonald’s konnte mit einem Umsatz von 725 Millionen Franken im vergangenen Jahr zwar einen Zuwachs verzeichnen. Doch liegt das immer noch unter den 2014 erreichten 733 Millionen.

Ob der Burger-Brater bei seinen Schweizer Kunden mit einem verkleinerten Sortiment punkten kann? Bei der Muffin-Liebhaberin hat es nicht geklappt. Sie läuft mit einem Kaffee, aber ohne Gebäck aus der Filiale. Auf das als Ersatzprodukt angebotene Gipfeli hatte sie keine Lust. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 06.10.2018, 23:43 Uhr

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