Medienvielfalt für eine freie Schweiz

Die SRG lässt sich zu grossen Teilen durch privates Fernsehen ersetzen. Panik ist nicht angesagt. Und trotzdem ist No Billag schlecht für unser Land.

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«Alles, was Regierungen tun, kann man in zwei Kategorien einordnen: in Aufgaben, die man ihnen schon heute wegnehmen kann, und Aufgaben, von denen wir hoffen, sie ihnen morgen schon wegnehmen zu können», sagt David D. Friedman, der Held der libertären Bewegung. Jener Bewegung also, die den Staat innert 50 Jahren abschaffen will. Denn, so die Theorie, selbst Armee und Polizei liessen sich privat effizienter betreiben als durch den Staat.

Sogar mit den Rassisten in der Polizei wäre es damit vorbei, denn welcher Bürger würde schon einen Bewacher bezahlen, der Minoritäten belästigt, statt Sicherheit für alle zu gewährleisten? Und vor allem: Jeder hätte die Freiheit, genau das zu beziehen, auf was er gerade Lust hat, und nicht das, was er mit seinen Steuern zwangsfinanziert. Diese Ideen, entworfen vor rund 50 Jahren, haben in den USA eine erstaunlich grosse Anhängerschaft. Die Tea Party bekennt sich zu solchen Zielen.

«Jede Stimme ist wichtig, die den Mächtigen im Staat und in der Wirtschaft auf die Finger schaut»

Auch bei uns gab es innerhalb der FDP und der SVP immer Strömungen, die in eine ähnliche Richtung gehen wollten. Im Moment sind es die Jungfreisinnigen, die solches Gedankengut verbreiten. Es passt gut zur Lebenshaltung der sogenannten Generation Y, jenen zwischen 1980 und 2000 Geborenen, denen man nachsagt, sie seien «Egotaktiker». Also Leute, die alle wichtigen Lebensentscheidungen jeweils nach den unmittelbaren Vor- und Nachteilen für ihre eigene Person und ihr Wohlbefinden treffen. Man könnte sie auch die «Feel Good Generation» nennen.

Klar, gegen das, was den Libertären vorschwebt, ist das Ziel, das die No-Billag-Initianten erreichen wollen, bescheiden. Ihnen geht es nur um die SRG, oder genauer um die Zwangsgebühren, welche die Billag einzieht. Und klar, viele der Aufgaben, welche die SRG im Auftrag des Staates übernommen hat, könnten die Privaten auch übernehmen. Horrorszenarien wie etwa die Behauptung, dass ohne SRG niemand mehr das Lauberhornrennen übertragen würde – offenbar ist das von staatspolitischer Bedeutung –, sind natürlich Quatsch. TV 24 vom Aargauer Verleger Peter Wanner würde das liebend gerne übernehmen. Wahrscheinlich würde der Sender auch eine «Tagesschau» in anständiger Qualität produzieren. Filme und Serien, das bietet uns Netflix schon heute mehr als genug.

Also weg mit dem staatlichen Zwang und das Experiment wagen? Das wäre für die Schweizer Demokratie keine gute Sache. In Zeiten, in denen in der Medienbranche eine radikale Konsolidierung stattfindet, ist jede unabhängige Stimme wichtig, die den Mächtigen im Staat und in der Wirtschaft auf die Finger schaut. Vor allem in den Randregionen, in denen es in 10 Jahren vielleicht kaum mehr Zeitungen gibt. Ohne SRG, die mehr bringt als nur das Allernötigste, wird dort die Debatte sonst nur noch über Facebook-Bubbles erfolgen, ohne jede Auseinandersetzung mit Minderheiten und Andersdenkenden.

Wozu das führt, kann man in den Vereinigten Staaten, dem Ursprungsland der Libertären, bereits jetzt beobachten. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.01.2018, 23:00 Uhr

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