Miss Bikini trifft Gym-Freak

Auf diese sechs Typen von Badibesuchern müssen Sie sich diesen Sommer gefasst machen.

Alarmsignal, die Sonne brennt: Dicht an dicht liegt man wieder in der Badi oder am Seeufer. Foto: Ennio Leanza/Keystone

Alarmsignal, die Sonne brennt: Dicht an dicht liegt man wieder in der Badi oder am Seeufer. Foto: Ennio Leanza/Keystone

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Die Gummifetischisten

Bei Einhörnern und Pegasuspferden denken sie nicht an die griechische Mythologie, sondern an die Strandzubehörabteilung beim Grossverteiler. Sommer bedeutet für sie: sich in einem Gummi-Badetier im Wasser treiben zu lassen. Die Konventionellen unter ihnen nehmen mit einem Flamingo vorlieb, die Verwegeneren wagen sich auch schon mal in einem Donut oder einer Bratwurst den Fluss ­hinab. Das ist nicht nur ästhetisch suboptimal, sondern auch ein ­Sicherheitsrisiko: Bereits melden Freibäder erste Zwischenfälle.

Das Accessoire: Gummi-Getier in allen Formen und Farben

Der Spruch: «Häsch e Pumpi?»


Die Neo-Mum

Ihr natürliches Habitat sind hippe Cafés und Spielplätze. Doch in der warmen Jahreszeit disloziert sie gern in Parks und Badis. Da fläzt sie sich im luftigen Kleidchen an der Sonne, während wir im Büro schmoren; sie ist auf Instagram (#seelenzeit #purelife), wir nur im Intranet; sie lustwandelt durch die Grünanlagen und Seepromenaden dieser Stadt, für uns ist der Gang in die Kantine der Höhepunkt des Tages; wenn wir am Mittag kurz Pause im Grünen machen, nippt sie an ihrem Iced Matcha Latte und hat selbstverständlich das schönste, weil mit perfektem Sonne-Schatten-Verhältnis ausgestattete Plätzchen bereits besetzt; und das hat alles einen Grund: das Baby. Ihr Baby. Das sie praktischerweise im Frühsommer geboren hat und weswegen sie ihren Mutterschaftsurlaub hauptsächlich im Freien verbringt. Ja, wir sind neidisch. Übrigens auch auf ihr männliches Pendant, den Neo-Daddy.

Das Accessoire: Kind

Der Spruch: «Soraya-Mia kann jetzt schon den Kopf heben.»


Die Gym-Freaks

Sie verrenken sich zum nach unten blickenden Hund, springen hampelmanngleich zu Burpees in die Luft oder machen Kniebeugen: Ja, die Badiwiese ist jetzt auch eine Muckibude. Pumpen statt palavern. Manche Menschen sind sich nicht zu schade, in aller Öffentlichkeit mit rotem Kopf Liegestütze zu machen und sich von einem «Drillmaster» anschreien zu lassen. Macht alle schön mit, danach gibts eine Granatapfel-Chia-Bowle zur Belohnung! Wahrscheinlich tun sie das alles nur aus einem Grund: um uns ein schlechtes Gewissen zu machen – uns, die wir faul rumliegen, uns mit Chips, Bratwurst und Bier mästen und von der Mischung aus Fett, Zucker und Salz träge wie ein Leguan an der Sonne werden. Zum Teufel, selbst hier erreicht ihr euer Ziel!

Die Accessoires: Turnmätteli, neonfarbene Leggings

Der Spruch: «My body is my castle.»


Die ewige Miss Bikini

An Tag 1 der Badieröffnung steht sie vor dem Drehkreuz, die Haut noch gebräunt vom vergangenen, langen Sommer, und kauft sich ihr Saison-Abo. Wie jedes Jahr. Drinnen breitet sie ihr Badetuch aus, am besten Platz, ihrem Platz. Wie jeden Tag. Ihre Haare sind toupiert, nass werden sie auch beim Schwimmen nie. Sie ist schon 76, die Haut zieht Linien an Armen und Décolleté. Madame aber trägt konsequent Bikini, pink oder gemustert, von frühmorgens bis spätnachmittags, ausser, sie liegt grad oben ohne. Sie kann es sich leisten, ist sie doch immer noch so gertenschlank wie vor 60 Jahren, als ihr die Männer hinterherschauten, damals durfte man das noch. Sie weiss: Wenn sie könnten, würden sie noch heute schauen, bestimmt.

Die Accessoires: Lippenstift, Aschenbecher

Der Spruch: «Früher benutzten wir auch nie Sonnencreme.»


Die Grossfamilie

Mit ihr verhält es sich ähnlich, wie wenn eine Horde Kindergärtler ein Tram oder einen Zug stürmt: Man wundert sich, wieso einem zuvor nicht aufgefallen ist, wie wunderbar still es war. Mit der Ruhe ist es nämlich vorbei, wenn la famiglia ihren Platz am Wasser einnimmt. Andere Menschen kommen, legen ihr Tüechli aus, fertig. Nicht so der Familienclan, der selten Stucki oder Müller zum Nachnamen heisst. Da werden in Kühltruhen Berge von Essen angeschleppt, Campingtische und -stühle installiert, riesige Musikboxen aufgestellt – fertig ist das Freiluft-Wohnzimmer. Ihrem südländischen Temperament entsprechend, interpretiert die Grossfamilie das Dolcefarniente etwas anders als der Durchschnittsschweizer. Heisst vor allem: lauter. Der kommune Badigänger sollte nun seinen Bünzli-Reflex unterdrücken und zu den Bachata-Beats und Balkan-Rhythmen mitwippen. So geht Sommer!

Die Accessoires: 15-teiliges Campingset (klappbar), XL-Musikbox

Der Spruch: «Zuhause ist, wo mein Campingstuhl steht.»


Die Naturalisten

Zu erkennen sind sie oft an einer süsslich-herben Duftnote, die sie umgibt. Sie slacklinen und spielen Gitarre, tanzen barfuss zu Bob Marley durchs Gras. Sie kaufen im Zero-Waste-Shop unverpackte Pasta und Menstruationstassen und mischen sich ihre Zahnpasta selbst. Ihre offensiv zur Schau gestellte Lässigkeit macht uns die Abwesenheit derselben bei uns bewusst. Oder warum irritierte uns kürzlich offenbar als Einzige der Anblick eines Hippie-Mädels, das barbusig mit seinen Kumpels grillierte?

Die Accessoires: Joint, Traumfänger-Tattoo

Der Spruch: «Leder ist genauso schlimm wie Pelz!»

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 30.06.2018, 17:42 Uhr

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