Mit 259 Kilogramm Gold Spuren verwischt

Die Anklageschrift gegen den mutmasslichen Betrüger Florian Homm zeigt, wie er in der Schweiz seine Millionen versteckte.

Florian Homm: Der Ex-Hedgefonds-Manager soll Investoren um 171 Millionen erleichtert haben. Foto: Bongarts/Getty Images

Florian Homm: Der Ex-Hedgefonds-Manager soll Investoren um 171 Millionen erleichtert haben. Foto: Bongarts/Getty Images

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Der Deutsche Florian Homm, 59, ist schon vieles gewesen in seinem Leben: Einst knallharter Hedgefonds-Manager, der mit ­Zigarre im Mund vor seiner Villa posierte. Dann Gejagter im Untergrund – auf der Flucht vor dem FBI und der Schweizer Justiz, mit gefälschten irischen Pässen auf die Namen Joseph McDonald, John McGreevy oder auch Colin Trainor. Dann wandte er sich öffentlichwirksam der Jesusmutter Maria zu, bevor er sich nun wieder als Börsenprofi auf Youtube in «Homm spricht Klartext» in Szene setzt.

Seit dem 20. Februar ist er nun Angeklagter in der Schweiz, gemeinsam mit drei weiteren Männern: dem damaligen Chef der Zürcher Privatbank PHZ, dessen Finanzchef und einem Zürcher Treuhänder. Die 275-seitige Anklageschrift der Bundesanwaltschaft, welche der SonntagsZeitung vorliegt, listet akribisch Hunderte von Geld- und Goldtransaktionen auf.

Es geht unter anderem um Geldwäscherei und Urkundenfälschung. Die Angeklagten hätten zwischen 2007 und 2009 über 100 Millionen Franken, die sich Homm in den USA mit Aktienkursmanipulationen unrechtmässig angeeignet habe, in der Schweiz versteckt. Investoren beklagten den Verlust von über 200 Millionen Franken. Die Bundesanwaltschaft hat in der Schweiz 41 Millionen Franken beschlagnahmt und neun Immobilien im Wert von 20 Millionen Franken festgesetzt. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Die Grossbanken merkten vom Versteckspiel nichts

Zum Verhängnis wurde dem fast zwei Meter grossen Homm, dass sein Zürcher Treuhänder vor exakt zehn Jahren ins Visier der Schweizer Justiz geriet. Verdächtigt, in einem bulgarischen Drogenring mitzutun, wurde sein Büro in einer Vorortsgemeinde von Zürich durchsucht. Dabei stiessen die Ermittler auf haufenweise Material über Homms geheime Geldflüsse. Für die Investoren ein glücklicher Zufallsfund. Sie hatten auf der Suche nach dem Geld in den USA Ermittlungen in Gang gebracht.

Homms Treuhänder in Zürich gründete zuvor für den Iren Colin Trainor alias Homm eine Firma mit Konten bei der Credit Suisse in Zürich, der Bank Reichmuth in Luzern und der UBS in Zug. Auf diesen Konten sollen 21 Millionen Franken aus den illegalen Börsengeschäften parkiert worden sein. Weitere Konten gab es bei mehreren Kantonalbanken und Privatbanken in der Schweiz und im Ausland. Hinzu kamen über die Welt verstreute Offshorefirmen.

Colin Trainor erhielt auch eine Jacht für eine Million Franken – und über 300 Kilogramm Gold im Wert von gegen acht Millionen Franken. Seine Schweizer Banker verschoben das Edelmetall über mehrere Stationen, um die Spur zu verwischen, wie die zuständige Staatsanwältin glaubt.

Und das lief so: Am 28. September 2007 kaufte die Firma CSI Asset Management – ein Investmentvehikel von Homm – bei der Credit Suisse am Uetlihof in Zürich 150 Kilogramm Gold für 4,1 Millionen Franken. Eine Transportfirma brachte die wertvolle Ladung zuerst zur kleinen Privatbank des angeklagten Bankchefs und dessen Finanzchef im Zentrum von Zürich. Für die beiden offenbar kein alltäglicher Anblick, jedenfalls machten sie um 10.14 Uhr Fotos vom Millionenschatz. Sie platzierten nicht nur die sechs Boxen mit den Goldbarren auf einen Rollwagen, sondern auch noch rund eine Million Franken in Euro, zudem Stapel von Dollarnoten. Der Finanzchef posierte, sein Vorgesetzter machte mutmasslich die Schnappschüsse. Die Ermittler fanden sie auf seinem Computer, die Etiketten mit den Nummern der Goldbarren-Boxen waren gut sichtbar.

Die Reise der Goldbarren ging gleichentags weiter. Sie landeten in einem vom Bankchef gemieteten Safe bei einer Raiffeisenbank einer Thurgauer Landgemeinde. Dann war drei Wochen Ruhe.

Laut Bankjournal öffnete der Banker am 23. Oktober seinen Raiffeisen-Safe und entnahm zuerst drei Kilogramm Gold für sich selbst. 100 Kilogramm gingen gleichentags zur UBS-Filiale in Küsnacht ZH, 47 Kilogramm zur Credit Suisse, ebenfalls in Küsnacht. Gutgeschrieben wurden die Vermögenswerte bei beiden Grossbanken einer Firma, die dem irischen Staatsbürger Colin Trainor gehörte. Die Verbindung zu Homms Investmentvehikel CSI war damit gekappt. Die Grossbanken merkten nichts. Auf ähnliche Weise verschoben die Angeklagten insgesamt 259 Kilogramm Gold.

Geld angeblich wegen einer Kampfscheidung verschoben

Die zentrale Frage ist, ob das Geld tatsächlich aus einem Verbrechen stammt. Es gibt in den USA dazu kein Urteil. Es ist der erste grosse Geldwäschereifall, in dem die Bundesanwaltschaft versucht, den Nachweis einer kriminellen Vortat im Ausland zu erbringen. Wenn das Gericht dies ablehnt, fällt der Vorwurf der Geldwäscherei in sich zusammen.

«Es gibt in den Ermittlungen keinen unabhängigen Beleg dafür, dass die Herkunft des Geldes mit irgendeinem Delikt in Zusammenhang steht», sagt Marc Engler, Anwalt von Florian Homm. Der angeklagte Treuhänder erklärt, das Geld sei verschoben worden, um es während einer Kampfscheidung vor den Anwälten von Homms Ex-Frau in Sicherheit zu bringen. In den Akten gibt es indes zahlreiche Hinweise, dass auch die Scheidung nur eine weitere Inszenierung von Homm war. Er lebt in Deutschland und wird nicht an die Schweiz oder die USA ausgeliefert.

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Erstellt: 10.03.2019, 16:39 Uhr

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