Mit Nachtzielgeräten gegen Wildschweine

Jäger verzeichneten 2017 so viele Abschüsse wie noch nie. Mehr Kantone erlauben technische Hilfsmittel und Stöberhunde.

11'346 Wildscheine haben Jäger im 2017 erlegt. Wie viele Tiere es aktuell gibt, weiss niemand. Bild: Keystone

11'346 Wildscheine haben Jäger im 2017 erlegt. Wie viele Tiere es aktuell gibt, weiss niemand. Bild: Keystone

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Die Jagd kann beginnen. Die Stöberhunde von Daniel Gerber sind einsatzbereit. Als einer der Einzigen in der Schweiz hat er eine speziell für Schwarzwild-Drückjagden ausgebildete Meute. Ihre Aufgabe ist es, die Wildschweine in Bewegung zu bringen. So, dass die Jäger die Tiere vor die Flinte bekommen.

Gerbers 20 Hunde verfügen über einen ausgeprägten Geruchssinn, Ruhe und Spurwillen. Das ist wichtig. Denn die Wildschweine sind intelligent, schnell, und vor allem verstecken sie sich gut – meist im Dickicht oder unzugänglichen Gelände. Kurz, sie zu schiessen, ist eine Herausforderung. Simon Meier, Geschäftsleiter Wildtier Schweiz, sagt: «Kein Tier hierzulande ist so schwer zu bejagen wie die Wildschweine.» Erste Kantone erlauben deshalb Hilfsmittel wie Wärmebildkameras, Nachtzielgeräte oder Stöberhunde.

Doch diese Jagdtechniken sind umstritten. Sie würden nicht den ethischen und sittlichen Massstäben von Jägern entsprechen, sagen Gegner. Ohne sie sei eine Regulation nicht möglich, sagen Befürworter. Fest steht: Seit Jahren nimmt die Wildschwein-Population zu. Die Tiere erobern von den Nachbarländern aus ihren ursprünglichen Lebensraum zurück. Bis in den 90er-Jahren waren sie in der Schweiz ausgerottet. Seither vermehren sie sich wieder, teilweise um bis zu 300 Prozent pro Jahr. Wie viele Tiere es aktuell gibt, weiss aber niemand.

Tiere verursachen 400'000 Franken Schaden

Hinweise geben Schadenssummen und Abschüsse. Wie die neu­ste Jagdstatistik zeigt, haben die Jäger 2017 so viele Tiere wie noch nie erlegt: 11'346 insgesamt. Noch vor zehn Jahren waren es 5951 Wildschweine und vor zwanzig 2621. Neben dem Kanton Waadt, Thurgau, Zürich und Jura ist im Aargau das Problem besonders akut. Fast 400'000 Franken Schaden haben die Tiere dort vergangenes Jahr angerichtet, weil sie Maisfelder umpflügten oder die Weizenernte frassen. Schweizweit sind es 3,3 Millionen Franken.

Der Kanton Aargau erlaubt Jägern deshalb im August und im Januar unter bestimmten Bedingungen Nachtzielgeräte und zusätzliche Treibjagden mit Stöberhunden. «Ohne solche Massnahmen ist es praktisch unmöglich, gegen die Wildschweine vorzugehen», sagt Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd des Kantons Aargau. Bis jetzt hält die Autobahn A1 die Tiere davon ab, weiter in den Süden vorzudringen. «Doch es ist eine Frage der Zeit, bis sie sich auch dort ausbreiten.»

«Der Einsatz von Hunden ist effektiv, doch es gibt keine Möglichkeit, die Tiere zu trainieren.»

Osterwalder ist überzeugt, dass im Umgang mit Wildschweinen über neue Hilfsmittel diskutiert werden muss. «Der Einsatz von Hunden ist effektiv, doch es gibt keine Möglichkeit, die Tiere zu trainieren.» So mussten auch die Hunde von Daniel Gerber zum Training und zur Prüfung in ein Schwarzwildgewöhnungsgatter nach Frankreich und Deutschland.

«Das kann doch nicht sein», sagt er. Es sei wichtig, dass Stöberhunde den Umgang mit Wildschweinen lernten. «Zum Schutz der Wildtiere, aber auch der Hunde.» Wildschweine sind wehrhaft. Deshalb tragen Gerbers Hunde spezielle Westen. In den kommenden Monaten sind sie im Dauereinsatz.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 22:20 Uhr

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