Der Bieler Moschee droht das Aus

Das durch den Hassprediger Abu Ramadan ins Rampenlicht geratene Gotteshaus soll verkauft werden. Doch die Spendensammlung des Trägervereins läuft nicht wie erhofft.

Der Imam Abu Ramadan predigt angeblich nicht mehr – er schadet wohl der Spendensammlung. Fotos: TDG

Der Imam Abu Ramadan predigt angeblich nicht mehr – er schadet wohl der Spendensammlung. Fotos: TDG

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«Der Verein Arrissala und seine Mitglieder wünschen keine Medienpräsenz in ihrer Gebetsstätte.» Das Schild mit der zweisprachigen Aufschrift hing bis vor kurzem am Eingang der Bieler Ar’Rahman-Moschee. Diese ist seit geraumer Zeit durch die Hasskommentare ihres libyschen Predigers Abu Ramadan ins Rampenlicht geraten. Doch nun soll Schluss sein, und zwar nicht nur mit dem Zutrittsverbot für Journalisten, sondern auch mit den Freitagspredigten von Abu Ramadan. Dies zumindest sagt der Präsident des Arrissala-Trägervereins, Ahmed Benzerrouk. Der Vereinsvorstand habe entschieden, den 66-jährigen Abu Ramadan als Imam mit sofortiger Wirkung abzusetzen. Man suche nun einen gemässigten Prediger.

Letzte Woche hatte die SonntagsZeitung berichtet, dass Abu Ramadan im Januar – wie schon in früheren Freitagspredigten – gegen Juden, Christen und «Ungläubige» gehetzt habe. Eine ­derart schlechte Presse kann die Moschee am Bieler Seelandweg im Moment überhaupt nicht gebrauchen, denn der Trägerverein sammelt Geld, um das bis anhin gemietete Gotteshaus zu erwerben. Die Eig­entümer wollen nämlich verkaufen, auf dem Preisschild stehen 1,25 Millionen Franken. Sollte es dem Arrissala-Verein nicht gelingen, das Gebäude zu kaufen, droht der Moschee das Aus.

Dies dürfte auch der Grund sein, warum man sich jetzt von Abu Ramadan getrennt hat. Die Spendensammlung scheint nämlich zu stocken. Ende Dezember hatten die Gläubigen innerhalb weniger Wochen schon rund 170'000 Franken beisammen, doch nun – fast zwei Monate später – liegt der Kontostand erst bei etwa 180'000 Franken, wie Vereinspäsident Benzerrouk erklärt.

Einzahlungen am Postschalter beunruhigten zuständige Bank

Ein Problem ist in diesem Zusammenhang, woher das Geld eigentlich stammt. So hatte diese Zeitung Einblick in einen Bankkontoauszug des Trägervereins, auf dem nur Einzahlungen am Postschalter verzeichnet waren. Die zuständige Bank reklamierte in der Folge bei den Moscheeverantwortlichen, weil es bei den vielen Bareinzahlungen nicht möglich sei, die wirtschaftlich Berechtigten hinter den Geldzahlungen zu eruieren. Und das ist für ein seriöses Finanzinstitut ein ernsthaftes Risiko, denn es könnte der Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorfinanzierung auftauchen.

Moscheegänger diskutierten das Problem um Weihnachten ­herum im Gebetssaal am Seelandweg, unter der Leitung von Präsident Benzerrouk und Abu Ramadan. Einen Mitschnitt dieser Diskussion hat die SonntagsZeitung inzwischen aus dem Arabischen ins Deutsche übertragen lassen. Abu Ramadan sagte demnach, dass die Bank ständig nach den Namen der Spender frage. Es wäre einfacher für die Moschee, wenn sie ­diese angeben könnte. Ein Diskussionsteilnehmer erklärte das Bedürfnis vieler Spender nach Anonymität mit der Tatsache, dass ­diese Sozialhilfe bezögen. Der Präsident entgegnete, dass er mit einer Bankverantwortlichen gesprochen habe. Diese habe ihm bestätigt, dass die Sozialämter dank des Bankgeheimnisses keine Einsicht in die Konten von Sozialhilfeempfängern hätten. Ausserdem habe jeder, der von Sozialhilfe lebe, das Recht, sein Geld so auszugeben, wie es ihm beliebe.

Diskussionen über die Umverteilung der Spenden

Dennoch stellen grössere Einzelspenden offenbar ein Problem dar. Die Runde schlug deshalb vor, dass man grössere Beträge auf ­mehrere Personen verteile. Ein Teilnehmer meinte, er könne sofort 70 Strohmänner für solche Einzahlungen mobilisieren.

Eine andere wichtige Frage betraf den benötigten Hypothekarkredit, denn der Arrissala-Verein hat keine Chance, den gesamten Kaufpreis direkt zu bezahlen. Präsident Benzerrouk schlug deshalb vor, das gesamte gesammelte Geld zu gleichen Teilen auf drei Leute zu verteilen, darunter zum Beispiel ein Pizzeriabesitzer – zur Tarnung. Diese drei Strohmänner könnten dann mithilfe eines Bankkredits die Moschee kaufen. Abu Ramadan warf ein, dass die Strohmänner einen blütenweissen Strafregister- und Betreibungsauszug vorweisen sollten und von ­Sozialhilfe unabhängig sein müssten. Am besten wäre es auch noch, wenn sie einen Schweizer Pass hätten.

Für Streit sorgte ein älteres Bankkonto, das von der früheren Moscheeleitung verwaltet wird. Dort sollen sich noch 190'000 Franken befinden, die aber der Kontrolle durch den derzeitigen Vereinsvorstand entzogen sind. Hätte Benzerrouk Zugriff darauf, wären die Geldsorgen Vergangenheit. Laut wurde es dann aber, als kaum verkappte Veruntreuungsvorwürfe von einem Lager zum anderen flogen. Ein Teilnehmer sagte wütend, er bete zu Allah, ­damit dieser alle vernichte, die der Moschee im Weg stünden.

Das Zutrittsverbot für Journalisten am Eingang ist inzwischen zwar entfernt worden, trotzdem konnte sich eine Reporterin von TeleBielingue am Freitag nicht mit eigenen Augen davon überzeugen, ob Abu Ramadan nicht doch ­predigte. Sie wurde nicht eingelassen – weil sie eine Frau ist.



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Erstellt: 08.02.2020, 23:19 Uhr

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