Moscheen müssen besser kontrolliert werden

Fehltritte von Imamen häufen sich. Wenigstens haben Behörden, Islamverbände und Medien das Problem erkannt.

Eine Überwachung der fast 300 muslimischen Gebetsstätten in der Schweiz ist nicht nötig, denn als radikal gelten nur einige wenige: Muslim im Gebet. Illustration: Kornel Stadler

Eine Überwachung der fast 300 muslimischen Gebetsstätten in der Schweiz ist nicht nötig, denn als radikal gelten nur einige wenige: Muslim im Gebet. Illustration: Kornel Stadler

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Ein irakischer Imam hat den Gläubigen in einer Freitagspredigt in Kriens LU geraten, ihre Ehefrauen bei Meinungsverschiedenheiten notfalls mit leichten Schlägen zu züchtigen. Ein kosovarischer Prediger in St. Gallen soll seine Frau misshandelt und generell Mühe mit der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bekundet haben. Seine Aufenthaltsbewilligung wurde ihm deshalb entzogen, ein Entscheid, den kürzlich auch das Bundesgericht gestützt hat. Der Mann muss zurück in den Kosovo.

Über den Iraker in Kriens hat die SonntagsZeitung vor zwei Wochen berichtet. Offenbar waren die Luzerner Behörden zu diesem Zeitpunkt schon über die fragwürdigen Aussagen des 38-jährigen Abdulrahman O. unterrichtet. Die Luzerner Behörden handelten rasch: Sofort leitete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren ein, und schon am Mittwoch nach Erscheinen des Artikels wurde der Iraker kurzzeitig festgenommen. Seine Wohnung wurde durchsucht, die Ermittlungen dauern an.

Doch damit nicht genug. Zentralschweizer Medien und auch das Schweizer Fernsehen berichteten ausführlich über den Fall. Und dann passierte etwas, was es in der Schweiz so noch nie gegeben hat: Ein muslimischer Verband, die Islamische Gemeinde Luzern (IGL), hielt in der Krienser Moschee eine Medienkonferenz ab und gab dabei bekannt, dass das Gotteshaus den umstrittenen Imam entlassen habe. Der Mann war schon früher aufgefallen.

Nicht nur das Verhalten der IGL war ein begrüssenswertes Novum, sondern auch die Reaktion von Medien und Behörden. In früheren Fällen – man denke an die ersten Artikel über die IS-Zelle im Umfeld der berüchtigten Winterthurer An’Nur-Moschee oder über den Bieler Hassprediger Abu Ramadan – schossen sich manche Medien zuerst einmal auf die Überbringer der schlechten Nachrichten ein. Sie zweifelten am Wahrheitsgehalt der journalistischen Exklusivberichte. Die Behörden in Winterthur weigerten sich, ein Problem einzugestehen, und schoben die Verantwortung an die Bundesanwaltschaft in Bern ab.

Wenn es Journalisten gelingt,  hetzerische Predigten zu eruieren, sollte das auch der Staatsschutz schaffen. 

Offenbar wurden die Lehren gezogen. Als Folge von Kriens wird nun vermehrt diskutiert, ob Moscheen ihre Freitagspredigten aufnehmen und unter Umständen auch ins Internet stellen sollen. Das würde Kontrolle und Transparenz verbessern. Wichtig wäre es weiter, dass die muslimischen Verbände die ihnen angeschlossenen Moscheevereine stärker an die Kandare nehmen. Dies gilt auch für die Behörden. Wenn es Journalisten gelingt, fragwürdige oder hetzerische Predigten zu eruieren, sollte das auch der Staatsschutz schaffen.

Und wo sich Gotteshäuser nicht an die Regeln halten, sollten sie geschlossen werden. Eine Überwachung der fast 300 muslimischen Gebetsstätten in der Schweiz ist nicht nötig, denn als radikal gelten nur einige wenige. 46 türkische Moscheen stellen allerdings den verlängerten Arm des Religionsministeriums in Ankara dar. Wenn diese Gotteshäuser die Kriegspropaganda von Präsident Erdogan weiterverbreiten, haben wir ein Problem.



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Erstellt: 19.10.2019, 23:16 Uhr

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