Zu viel Salz im Schweizer Brot

Nach Zucker landet Salz auf der schwarzen Liste der bedenklichen Zutaten. Hersteller sollen Nahrungsmittel weniger salzen.

Heute sind viele Nahrungsmittel reichlich gewürzt: Salzgehalt pro 100 g bei ausgewählten Produkten. Fotos: iStock (2), Keystone (1)

Heute sind viele Nahrungsmittel reichlich gewürzt: Salzgehalt pro 100 g bei ausgewählten Produkten. Fotos: iStock (2), Keystone (1)

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Es steckt im Brot, im Käse, im Schinken, und wir essen viel zu viel davon. Fast neun Gramm Salz konsumieren Schweizerinnen und Schweizer laut dem Bund im Durchschnitt täglich. Die empfohlene Menge der Weltgesundheitsorganisation liegt bei maximal fünf Gramm. Während der Zucker schon länger in Verruf als Dickmacher und Ursache für Diabetes steht, war es um den zu hohen Salzgehalt bei Lebensmittel bislang recht ruhig. Doch nun will der Bund Hersteller und den Detailhandel dazu bringen, ihren Produkten weniger Salz beizufügen.

Am 27. August lädt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen die Unternehmen zum nächsten runden Tisch der sogenannten Erklärung von Mailand. Die hatte Gesundheitsminister Alain Berset 2015 ins Leben gerufen und persönlich mit den Vertretern von zehn Schweizer Firmen an der Expo Mailand unterzeichnet. Das erklärte Ziel damals: die schrittweise Reduzierung von Zucker in Joghurts und Frühstückszerealien.

Jetzt kommt Salz auf die schwarze Liste. Die Hersteller sollen sich verpflichten, bei Broten, Suppen und Saucen weniger Salz zu verwenden. «Zu viel Salz kann sich negativ auf den Blutdruck auswirken und damit die Gesundheit gefährden», schreibt das Bundesamt zum Thema. Zum konkreten Inhalt der bevorstehenden Gespräche will sich Liliane Bruggmann, Leiterin Fachbereich Ernährung im Bundesamt für Lebensmittel­sicherheit, noch nicht äussern. «Salz wird bei der Erweiterung der Erklärung von Mailand in den Fokus rücken», sagt sie. Dabei sei Brot in der Schweiz eine der Hauptquellen des Salzkonsums.

Vor allem beim Brot soll angesetzt werden

Brot, das viele täglich essen, dürfte bei der Salzreduktion denn auch im Zentrum der Bemühungen stehen. Die Grossen der Branche werden am runden Tisch sitzen: Migros, Coop, Aldi, Lidl, Nestlé, Emmi und Danone. Aber auch kleinere Unternehmen sind mit von der Partie.

Konsumentenschützer erachten die Erweiterung der Erklärung von Mailand als dringend nötig. Die Industrie werde vom Bund mit Samthandschuhen angefasst, sagt Josianne Walpen, Ernährungsspezialistin bei der Stiftung für Konsumentenschutz. «Die bisher gemachten oder angekündigten Schritte hin zu gesünderen Lebensmitteln reichen bei weitem nicht. Wir fordern raschere und tiefgreifendere Massnahmen.»

Auch der Zucker bleibt auf der Agenda. Hier konzentrieren sich das Bundesamt und die Lebensmittelindustrie laut Firmen, die an den Gesprächen teilnehmen, auf Süssgetränke. Die Unternehmen liefern dem Bund Daten zu den Inhaltsstoffen ihrer Produkte. Die Ziele werden dann pro Produktkategorie festgelegt.

Laut dem Bundesamt haben die beteiligten Unternehmen bislang den beigefügten Zucker in Joghurts um rund drei Prozent reduziert und bei den Frühstückszerealien um rund fünf Prozent. In einem gewöhnlichen Becher Erdbeer­joghurt von Coop oder Migros ­stecken immer noch mehr als fünf Stück Würfelzucker. Hersteller und Händler fürchten, dass die Kunden ihre Produkte links liegen lassen, wenn sie Zucker oder Salz zu schnell rausnehmen.

Emmis zuckerarmes Joghurt war ein Ladenhüter

Einige Firmen machten diese Erfahrung schon. Der Milchverarbeiter Emmi hat im vergangenen Jahr ein um 50 Prozent zuckerreduziertes Joghurt aus dem Sortiment genommen. Es verkaufte sich schlecht. Der US-Hersteller Campbell Soup hatte vor mehreren Jahren den Salzgehalt seiner Suppen um bis zu 45 Prozent reduziert. Weil die Umsätze stark zurückgingen, mischte das Unternehmen nach kurzer Zeit wieder mehr Salz bei.

An solchem Konsumverhalten trägt laut Josianne Walpen auch die Lebensmittelindustrie Schuld. «Jahrzehntelang hat die Industrie die Geschmacksnerven der Konsumenten an zu viel Salz und Zucker gewöhnt. Nun müssen die sich erst wieder umgewöhnen.»

Einen Anreiz für die Industrie und den Handel, weniger zuckrige und salzige Produkte zu verkaufen, böte laut Konsumentenschützern die Einführung einer Lebensmittelampel. Auch der Bund unterstützt das. Er empfiehlt die in ­anderen europäischen Ländern ­bereits etablierte Ampel Nutri-­Score. Sie bewertet verarbeitete Lebensmittel vom grünen A bis zum roten E. Zucker, Salz und gewisse Fettarten geben Minuspunkte, Nahrungsfasern und Früchte beeinflussen die Bewertung positiv.

Im Gegensatz zur Haltung bei der Erklärung von Mailand sind sich die Unternehmen beim Thema Ampel nicht einig. Die Multis Nestlé und Danone haben auf Kritik wegen der unübersichtlichen Angaben auf Lebensmitteln reagiert. Sie werden den Nutri-­Score in der Schweiz einführen. Die ­lokalen Platzhirsche Migros und Coop wollen dagegen keine Ampel auf ihren Produkten. «Grosskonzerne sind bereit, ihre Produkte transparent zu kennzeichnen. Dass sich Migros und Coop dagegen sträuben ist unverständlich», sagt Walpen. Auch Aldi unterstützt den Nutri-Score «prinzipiell». Über eine definitive Einführung hat der Discounter aber noch nicht entschieden.



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Erstellt: 19.08.2019, 20:29 Uhr

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