Nestlé und Beyond buhlen um McDonald’s

Wer mit seinen veganen Burgern den führenden Fast-Food-Konzern beliefern kann, macht das grosse Geschäft.

Sieht aus wie Fleisch und soll auch so schmecken: Der Burger des US-Unternehmens Beyond Meat. Foto: Getty Images

Sieht aus wie Fleisch und soll auch so schmecken: Der Burger des US-Unternehmens Beyond Meat. Foto: Getty Images

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Bei Garstufe «rare» läuft aus dem Burger roter Saft, obwohl er statt aus Fleisch aus pflanzlichen ­Proteinen ist. Das «Blut» liefern Randen oder die Wurzeln der Sojabohne. Um den stark wachsenden Markt für solche veganen Fleischkopien kämpfen in Europa vor allem zwei Firmen. Der Multi Nestlé und das US-Unternehmen Beyond Meat. Während es in den Regalen der Detailhändler Platz für mehrere fleischlose Burger hat, macht andernorts nur einer das Rennen: auf den Menükarten der Fast-Food-Ketten.

Die globalen Restaurant-Ketten sind gerade daran, die veganen Burger der neuesten Generation zu testen. Die grosse Frage dabei: Wer ­imitiert das Aussehen und den Geschmack von Rindfleisch am besten? Denn die Zielgruppe sind nicht in erster Linie Vegetarier, sondern Konsumenten, die ihren Fleischkonsum reduzieren wollen.

Der Hauptpreis beim Rennen um die Gunst der Burgerbrater ist McDonald’s. Der weltweite Marktführer dürfte sich zu einem der grössten Abnehmer pflanzlicher Fleischalternativen entwickeln.

McDonald’s gab bekannt, in Kanada eine eigens für die Kette hergestellte Variante des Beyond- Burgers zu testen.

Bis vor kurzem stand Nestlé als aussichtsreichster Kandidat da. Denn im wichtigen Markt Deutschland hat McDonald’s den Incredible Burger von Nestlé im April ins Sortiment genommen. In Hinblick auf die Erwartungen laufe der Verkauf «zufriedenstellend», sagte ein Sprecher von McDonald’s Deutschland. Begeistert klingt das nicht. Immerhin: Die Rückmeldungen der Gäste seien «sehr gut.»

Die Hoffnungen von Nestlé auf eine globale Einführung haben Ende September einen Dämpfer erlitten. McDonald’s gab bekannt, in Kanada eine eigens für die Kette hergestellte Variante des Beyond-Burgers zu testen. Die Rezeptur wurde demnach so angepasst, dass er wie ein typischer Rindfleischburger von McDonald’s schmeckt. Die Aktien von Beyond schnellten nach der Bekanntgabe um 11 Prozent in die Höhe. Im Vergleich zum Ausgabepreis von 25 Dollar hat sich der Aktienwert seit dem Börsengang im Mai fast versechsfacht.

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In der Schweiz wartet die Burger-Kette erst einmal ab. «Wir schauen uns die Resultate in Kanada genau an und werden analysieren, was das für den Schweizer Markt bedeutet», sagt Deborah Murith von McDonald’s Schweiz. Das Mutterhaus in den USA lässt den einzelnen Ländern Freiheiten bei der Zusammenstellung ihrer Speisekarte. Doch eine Auswahl von Produkten, wie etwa der Big Mac, werden von der Zentrale weltweit für sämtliche Restaurants ­vorgeschrieben. Ob neu auch ein Fleischimitat ins globale Standardsortiment kommt, lasse sich noch nicht sagen, so Murith. Ist dies der Fall, wird nur ein Hersteller mit McDonald’s das grosse Geschäft machen.

Andernfalls werden sich die einzelnen Länder wohl für unterschiedliche Fleischalternativen entscheiden. In der Schweiz hofft neben Nestlé und ­Beyond auch Bell, seinen neuen veganen Green Mountain Burger bei McDonald’s zu verkaufen. Der Fleischverarbeiter ­liefert bereits sämtliche Rindfleisch-Burger an die Kette.

Burger King bringt Rebel-Whopper bald in die Schweiz

Während McDonald’s Schweiz die Resultate des zwölf Wochen dauernden Tests in Kanada abwarten will, reagiert der Rivale Burger King schneller. Spätestens Mitte November soll der in Schweden bereits lancierte vegane Rebel Whopper in die Schweizer Restaurants der Kette kommen, wie aus dem Unternehmen verlautet. Aber offiziell schweigt Burger King und nennt nicht einmal den Hersteller des Hackfleischimitats.

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In den USA hat Burger King die Patties von Impossible Foods im Sortiment, ein weiterer US-Player, der bislang nicht nach Europa expandiert hat. Impossible Foods hat Investoren wie Google und die UBS im Rücken. Gut möglich, dass Nestlé und Beyond Meat in ­Europa ein finanzkräftiger Konkurrent im Kampf um Teilzeitvegetarier erwächst.



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Erstellt: 05.10.2019, 21:23 Uhr

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