Nestlé und US-Firmen ringen um den Erfolg mit Burger-Kopien

Der Schweizer Multi kommt mit seinem veganen Hacktätschli bei Migros und Coop nicht zum Zug.

Hat derzeit in der Schweiz die besseren Marktchancen als die fleischlose Variante von Nestlé: Der aus Erbseneiweiss bestehende Burger von Beyond Meat.

Hat derzeit in der Schweiz die besseren Marktchancen als die fleischlose Variante von Nestlé: Der aus Erbseneiweiss bestehende Burger von Beyond Meat.

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Weg vom Fleisch. So lautet die Devise von Mark Schneider, Chef des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. «Pflanzenbasierte Produkte bieten viel grössere Wachstumsmöglichkeiten als solche aus Fleisch», sagte er jüngst.

Diese Woche kündigte der Konzern «den grössten Schritt im Markt mit fleischlosen Produkten» an. Nestlés veganer Hoffnungsträger heisst Incredible Burger. Das Hacktätschli aus Soja- und Weizenprotein kommt demnächst in acht europäischen Ländern in den Verkauf, darunter in Österreich und Deutschland. Der Konzern will nicht Vegetarier für sein neues Produkt begeistern, sondern Fleischliebhaber, die sich bewusster ernähren wollen – eine viel grössere Zielgruppe.

Doch ausgerechnet auf dem Heimmarkt scheiterte Nestlé bisher mit der Markteinführung. Bei den Grossverteilern Migros und Coop schaffte es der angeblich unglaubliche Burger nicht in die Regale. «Eine Lancierung des Incredible Burger ist nicht geplant», sagt Migros-Sprecher Patrick Stöpper. Die Migros arbeite derzeit an eigenen veganen Burger-Produkten, die Fleisch möglichst nahe kommen sollen. Bei Coop konnte der Nestlé-Burger beim Geschmackstest offenbar nicht voll überzeugen. «Wir nehmen den Incredible Burger vorerst nicht ins Sortiment auf. Wir verkaufen bereits vegane Burger, die mindestens gleich gut schmecken», sagt Sprecherin Andrea Bergmann.

Nestlé zeigt sich wortkarg. Vorerst werde der Burger nicht in der Schweiz lanciert, heisst es aus Vevey lediglich.

Gates, DiCaprio und der Ex-Chef von McDonald’s

Im Kampf um die am besten schmeckende Alternative zum Original aus Fleisch hat Nestlé einen harten Gegner: das US-Start-up Beyond Meat. Zu dessen Investoren gehören klingende Namen: Microsoft-Gründer Bill Gates, Schauspieler Leonardo DiCaprio, der ehemalige Chef des US-Konzerns General Electric, Jack Welch, der Fleischkonzern Tyson Foods. Im Verwaltungsrat von Beyond Meat sitzt der ehemalige Chef von McDonald’s, Don Thompson. Der Beyond Burger des Unternehmens ist in den USA schon seit einigen Jahren auf dem Markt. Dank einem Farbstoff aus Randen kommt der aus Erbseneiweiss bestehende Burger auf Wunsch «blutig» auf den Teller. Laut dem Hersteller sieht er nicht nur aus wie Fleisch, sondern schmeckt auch so. Ähnlich klingt es bei Nestlé für deren Rindshackimitat: «Sieht aus wie frisch vom Metzger.»

In der Schweiz haben die Amerikaner von Beyond Meat die Nase vorn. In einigen Restaurants ist der Burger bereits im Angebot. Zudem dürfte er demnächst in Personalrestaurants und Mensen auf den Menüplan kommen. Die Fachleute der grössten Schweizer Kantinenbetreiberin SV Group haben den Beyond Burger degustiert. In den nächsten Tagen entscheidet das Unternehmen, ob er ins Angebot kommt. Bei den Testessern kam er dem Vernehmen nach gut an. Auch die Nummer zwei unter den Personalrestaurant-Betreibern, Eldora, testet derzeit den ­Beyond Burger. «Falls er geschmacklich überzeugt, werden wir das Produkt unseren Küchenchefs empfehlen», sagt eine Sprecherin.

Der Detailhändler Coop, der sich gegen den Nestlé-Burger entschieden hat, will sein veganes Burger-Sortiment weiter ausbauen. «Pflanzenbasierte Produkte sind im Trend», sagt Sprecherin An­drea Bergmann. «Wir testen derzeit auch neue Burger-Alternativen. Wichtig ist für uns, dass sie geschmacklich wirklich überzeugen.» Ob der Beyond Burger die Ansprüche der Coop-Sensoriker erfüllt hat, wollte sie nicht kommentieren. Angesichts des Hypes um die Fleischalternativen dürfte ein Entscheid schon in den kommenden Wochen fallen.

UBS unterstützt den Nestlé-Konkurrenten

Nicht im Rennen ist hingegen eine Kreation aus den eigenen Reihen. Die zur Coop-Tochter Bell ­gehörende Hilcona lanciert diese Woche den Green Mountain Burger. Er kommt in den Restaurants der Kette Butcher und in einigen Personalrestaurants der ZFV-Kette aufs Menü. Die Einführung im Detailhandel sei nicht geplant.

Für Nestlé wird ein Erfolg mit ihrem Vorzeige-Burger in der Schweiz angesichts der besetzten Absatzkanäle schwierig. Auf internationaler Ebene hat es der Nahrungsmittelriese noch mit einem weiteren gewichtigen Konkurrenten zu tun: dem US-Unternehmen Impossible Foods mit dessen Impossible Burger. Die Schweizer haben sich offensichtlich bei der Namenswahl von den Amerikanern, die schon zwei Jahre auf dem Markt sind, inspirieren lassen.

Wie Beyond Meat hat auch Impossible Foods starke Investoren im Rücken – unter anderen Google und die Grossbank UBS. Für die Schweiz kommen die Impossible-Hamburger allerdings weniger infrage. Sie werden mithilfe von Gentechnik hergestellt. Kritische Schweizer Konsumenten dürften das kaum goutieren.

Erstellt: 07.04.2019, 13:26 Uhr

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