Neue Cargebühr soll Luzern entlasten

Die Stadt will die Auswüchse der Gruppenreisen mit einer Abgabe auf Touristenbusse eindämmen.

Sie kommen in Scharen: Chinesische Touristen am Luzerner Schwanenplatz. Bild: 13 Photo

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Luzern Wie keine zweite Schweizer Stadt profitiert Luzern vom Tourismus. Doch die Einheimischen ärgern sich zunehmend über Touristenbusse, welche die Strassen verstopfen, und Reisegruppen, welche die Altstadt fluten. Brennpunkt ist der Schwanenplatz, weil dort die bei Chinesen, Indern, Japanern und Koreanern beliebten Uhrenläden Bucherer und Gübelin stehen. Zurzeit dürfen Reisecars den Platz zeitweise ansteuern, um die einkaufswütigen Gruppenreisenden aussteigen zu lassen.

Nun will die Stadt Luzern die Verkehrsströme besser lenken. Und zwar mittels einer neuen Gebühr auf Touristenbusse. «Wir sind daran, zu prüfen, eine Gebühr auf Busse zu erheben, die am Schwanenplatz anhalten», bestätigt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren. «Die Gebühr könnte je nach Tageszeit unterschiedlich hoch sein, beispielsweise zwischen 20 und 120 Franken. Idealerweise wird sie im kommenden Jahr eingeführt.»

Damit kommen die Luzerner Touristiker einer Forderung der SP nach. Sie hatte Mitte August in einem Postulat im Stadtparlament Benutzungsgebühren für Cars auf dem Schwanenplatz und dem bei Reisegruppen ebenfalls beliebten Löwenplatz gefordert. Die Gebühren sollten rund 160 Franken pro Car betragen, forderte die SP.

«Hohe Preise sind der wirksamste Tourismusstopper»

Noch weiter will einer der erfolgreichsten Luzerner Hoteliers gehen, Montana-Direktor Fritz Erni. Er machte vor wenigen Wochen mit der Forderung Schlagzeilen, Luzern müsse von allen Cartouristen eine Eintrittsgebühr verlangen. Dagegen wehrt sich Tourismusdirektor Perren aber. «Eintrittspreise für Touristen lehnen wir ab. Wir sind eine offene, gastfreundliche Stadt.» Doch Erni erhält Unterstützung von prominenter Seite: Jürg Schmid, der ehemalige Direktor der Marketing-Organisation Schweiz Tourismus, spricht sich in einem Interview mit dem Reiseblog «Der Internaut» ebenfalls für Eintrittsgebühren für Cartouristen aus. «Durch die Erhebung von Eintrittspreisen kann man den Andrang zu einer Attraktion gut regulieren», sagt Schmid, der seit vergangenem Jahr als Präsident von Graubünden Ferien amtet. «Hohe Preise sind der wirksamste Tourismusstopper – das hat die Schweiz ja klar erfahren.»

Fordert einen Eintrittspreis für Cartouristen: Jürg Schmid. Bild: PD

Der sogenannte Overtourism sei zwar in der Schweiz nur ganz punktuell ein Problem, aber dort müsse man es lösen, sagt Schmid. «Luzern tut gut daran, die Touristenströme besser zu lenken. Möglichst bald. Sonst kippt die Stimmung.» Auch Interlaken müsse sich überlegen, Eintrittspreise für Gruppentouristen zu erheben. «Man ist schon jetzt an einem Punkt, wo es ungemütlich ist. Wenn man nichts macht, wird sich die Zahl der Busse in zehn Jahren verdoppeln. Das hat Auswirkungen auf das Reiseerlebnis der übrigen Gäste, vor allem jenen aus der Schweiz und aus Europa.»

Dieser Entwicklung könne man nicht einfach zuschauen, warnt Schmid. «Die betroffenen Ferienorte müssen die Touristenströme lenken. Am besten geht das über den Preis.» Am einfachsten zu steuern sei naturgemäss der Gruppentourismus. Die Einzelreisenden seien auch weniger problematisch, da sie sich besser verteilten.

Interlaken versucht, die Nachfrage anders zu lenken

Bei Schweiz Tourismus reagiert man offen auf Schmids Forderung. Sein Nachfolger Martin Nydegger lässt über einen Sprecher ausrichten: «Eine Lenkung über den Preis und über Gebühren, aber auch via zeitliche Begrenzungen – etwa mit Slots bei Grossandrang wie zum Beispiel bei der Stanserhornbahn – sind mögliche Instrumente.»

Strikte gegen Eintrittsgebühren für einzelne Touristen ist hingegen Daniel Sulzer, Direktor von Interlaken Tourismus. «Eintrittspreise finde ich völlig ungeeignet. Das werden wir in Interlaken nicht machen.» Er versucht jedoch, die Nachfrage, die im Sommer hoch ist und im Winter tief, anders zu lenken. Vor zwei Jahren hat Interlaken begonnen, die Werbung für die Sommersaison zurückzufahren. Stattdessen werden der Frühling, Herbst und Winter vermehrt beworben. Und es gibt neue Angebote wie Winter-Paragliding, Winter-Kajakfahrten und Winterkursschiffe auf dem Thunersee.

«Ziel ist, die Touristenströme unter dem Jahr besser auszugleichen», sagt Sulzer. Das Ziel sei erreicht. Die neuen Produkte seien gut gebucht. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 19:39 Uhr

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