Nicolas Blancho ignoriert die Strafbefehle

Der Präsident des salafistischen Islamrats hat einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft. Obwohl er mindestens schon sechsmal verurteilt wurde, ist eine Verhaltensänderung nicht absehbar.

Betreibungen, Bussen: Rund 200'000 Franken Schulden häufte Nicolas Blanco seit 2006 an. Bild: Keystone

Betreibungen, Bussen: Rund 200'000 Franken Schulden häufte Nicolas Blanco seit 2006 an. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Jahren tanzt Nicolas Blancho den Behörden auf der Nase herum. Der Präsident des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) missachtet Meldevorschriften und Vorladungen, und er dreht vor allem seinen privaten Schuldnern eine lange Nase. Seien es Steuerschulden, Krankenkassenprämien, die Rechnung der Autogarage oder AHV-Beiträge: Scheich Abdullah, wie sich Blancho ehrfürchtig nennen lässt, foutiert sich darum.

Allein in den zwei letzten Jahren wurde er sechsmal per Strafbefehl verurteilt. Meist ging es darum, dass Blancho Anordnungen von Behörden keine Folge leistete. In einem Strafbefehl verdonnerte ihn die Justiz zu einer Geldbusse von 1000 Franken wegen Ungehorsams gegenüber dem Betreibungs- und Konkursamt.

Erst kürzlich liess das Betreibungsamt im bernischen Ostermundigen via Amtsblatt verbreiten, dass Blancho bei Straffolge verpflichtet sei, einer Pfändung beizuwohnen oder sich vertreten zu lassen.

Blanco zieht es vor, nicht persönlich zu erscheinen

Dabei ging es um ausstehende Krankenkassenprämien in Höhe von 8800 Franken plus Zinsen und Betreibungskosten. Scheich Abdullah zog es aber vor, nicht zu erscheinen. Wird das einen weiteren Strafbefehl nach sich ziehen? Die zuständige Staatsanwaltschaft verweigert mit Verweis auf das kantonale Datenschutzgesetz jede Auskunft zu den bereits rechtskräftigen Strafbefehlen. Dabei sind in der Schweiz sämtliche Strafurteile öffentlich, wie das Bundesgericht schon mehrfach bestätigt hat.

Den Behörden bereitet es offenbar Mühe, den IZRS-Präsidenten ausfindig zu machen. Gemeldet ist er – angeblich aus Sicherheitsgründen – nur an der Adresse des IZRS. Aber Blancho ist auch nur ein Mann, und wer nach dem Motto «cherchez la femme» vorgeht, wird auch in seinem Fall fündig. Nur wenige Hundert Meter von der Bleibe, in der Blancho früher mit seiner inzwischen von ihm geschiedenen Frau lebte, ist er nun öfter in einem Mehrfamilienhaus anzutreffen. Die Wohnung liegt in einem ruhigen Berner Quartier. Von ihrem Balkon hat man einen schönen Blick auf den Garten mit Wiese und Bäumen.

Konvertit mit jüdischen Wurzeln beschafft Fahrzeuge

Dass es schwerfällt, Blanchos Vermögenswerte zu pfänden, hängt auch mit dem geschickten Vorgehen des reisefreudigen Scheichs zusammen. So hat ein im Kanton Solothurn lebender Konvertit mit jüdischen Wurzeln, der zum harten Kern des Islamrats gehört, einen Verein gegründet und unter dessen Namen bei der Motorfahrzeugkontrolle mehrere Fahrzeuge registrieren lassen. Auf dem Papier gehören diese Autos, darunter auch ein Mercedes und ein Audi, dem Verein – doch gefahren werden sie von Mitgliedern des Islamrats.

Auch Blancho ist öfter in einem solchen Vereinsauto unterwegs. Dieses Fahrzeug kann das Betreibungsamt also nicht pfänden. Dass sich ein Verein ohne Handelsregistereintrag Autokennzeichen beschaffen kann, ist im Kanton Solothurn nichts Ungewöhnliches. Dazu muss man neben Fahrzeug- und Versicherungsnachweis nur die Vereinsstatuten vorweisen.

Nicht immer war Blancho für das Betreibungsamt allerdings so schwer auffindbar wie heute. Seine erste Pfändung erlebte er als 23-Jähriger in Biel, weil die Firma, der er als Geschäftsführer vorstand, überschuldet war.

Der Koran verlangt, dass Schulden zu begleichen sind

Damals, im November 2006, also drei Jahre vor der Gründung des Islamrats, konnte der Beamte gerade einmal das Firmenbankkonto mit einem Saldo von weniger als 300 Franken pfänden. Seither hat Blancho einen beeindruckenden Schuldenberg aufgehäuft. Zählt man alle Betreibungen zusammen – inklusive Firmen, denen Blancho vorstand –, ergibt sich eine Summe in der Nähe von 200'000 Franken.

Wen soll das kümmern ausser die Behörden? Nun, Blancho gibt sich als besonders frommer «Scheich» und wird nicht müde, seiner Gefolgschaft zu erklären, was im Islam erlaubt und was verboten ist. Schulden sind zu begleichen, daran lässt der Koran keine Zweifel. So sieht die Scharia zum Beispiel vor, dass vom Erbe zuerst die Schulden des Verstorbenen abzuziehen sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geld einem Muslim oder einem Nichtmuslim geschuldet war. Die Prophetentradition, neben dem Koran die zweite Rechtsquelle im Islam, geht noch weiter: Wer seine Schulden nicht begleicht, dem wird der Zutritt zum Paradies verwehrt.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.11.2017, 19:58 Uhr

Artikel zum Thema

Terror-Propaganda? IZRS-Spitze muss vor Gericht

Drei Chefs des Islamischen Zentralrats stehen unter Anklage. Was sie zu den Vorwürfen sagen. Mehr...

Nicolas Blancho rechtfertigt Steinigung

In einem Video verteidigt der Präsident des Islamischen Zentralrats seine Weigerung, sich von der Steinigung als Strafe für Ehebruch zu distanzieren. Mehr...

Die Katar-Connection des Islamischen Zentralrats

Schweizer Islamisten sollen von einer Organisation Geld erhalten, die im Verdacht steht, Terrorismus zu fördern. Laut einem Bericht bestehen auch enge personelle Verbindungen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Lehrstellen

Sich zu bewerben heisst für sich werben

Die Welt in Bildern

Wintereinbruch: Schafe grasen im Schnee nahe Loch Tay Perthshire, Schottland, Grossbritannien (10. Dezember 2017).
(Bild: Russel Cheyne) Mehr...