Niki Laudas unfaires Manöver

Mit dem überraschenden Verkauf seiner neuen Fluglinie Laudamotion an Ryanair hat sich der Ex-Formel-1-Rennfahrer in der Flugbranche diskreditiert. Ehemalige Geschäftspartner sind sauer.

Zwei ­Unternehmer mit grossem Ego: Niki Lauda, Gründer von Laudamotion, und Michael O’Leary, Ryanair-Chef. Foto: Herbert Neubauer/AFP

Zwei ­Unternehmer mit grossem Ego: Niki Lauda, Gründer von Laudamotion, und Michael O’Leary, Ryanair-Chef. Foto: Herbert Neubauer/AFP

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Er schätzt seine Qualitäten als Geschäftsmann hoch ein: «Ich glaube, jeder der einmal mit mir verhandelt hat, würde es auch ein zweites Mal tun», lässt sich Niki Lauda in einer Biografie zitieren, die den Titel «Reden wir über Geld» trägt. Der ehemalige Formel-1-Star spricht darin über seine Prinzipien als Unternehmer und die Art, wie er Geschäfte macht. Sein Credo: «Hinterlasse niemals verbrannte Erde.»

Ob das seine Geschäftspartner in der Flugbranche, in der sich Lauda seit Jahren bewegt, unterschreiben würden? Es darf bezweifelt werden. Der frühere Profisportler hat gerade ein Manöver eingeleitet, das mit Fairplay wenig zu tun hat. Stein des Anstosses ist der Einstieg von Ryanair bei Laudamo­tion. Anfang April gab Niki Lauda überraschend bekannt, dass der irische Billigflieger zunächst knapp 25 Prozent seiner neu gegründeten Airline Laudamotion übernimmt und in einem zweiten Schritt 75 Prozent. Laudas jüngstes Baby ist damit in den Händen der wohl aggressivsten Airline Europas.

Partner Thomas Cook wurde per Medienmitteilung informiert

Mit dem Deal hat der prominente Österreicher mehrere Geschäftspartner vor den Kopf gestossen. Allen voran den deutsch-britischen Reisekonzern Thomas Cook. «Das ist sicherlich nicht die feine Art, wie er mit uns umgegangen ist», sagt ein hochrangiger Cook-Manager. Damit drückt er sich noch diplomatisch aus. In Tat und Wahrheit soll die Führungscrew des Reiseriesen stinksauer auf Niki Lauda sein. Der börsenkotierte Konzern ist in Europa kein Zwerg, verfügt über eine Flotte von 92 Fliegern. Condor, die deutsche Ferienfluglinie von Thomas Cook, hätte Starthilfe für Niki Laudas neue Airline geben sollen. Im Februar verkündeten die beiden Partner eine enge Zusammenarbeit. Condor vermarktete für Laudamotion fortan Flüge und unterstützte die junge Airline bei der operationellen Abwicklung. «Ich setze grosse Hoffnungen auf die Kooperation mit Condor», flötete Selfmade- Millionär Lauda damals.

Ein paar Wochen später musste die Thomas-Cook-Spitze morgens aus einer Medienmitteilung erfahren, dass sich ihr Partner hinter ihrem Rücken mit Ryanair ins Bett gelegt hatte. Per Ende April wurde die Zusammenarbeit beendet, nach einem frostigen «Scheidungsgespräch» mit Lauda, wie es aus Firmenkreisen heisst.

Die Sache wiegt umso schwerer, als Thomas Cook ursprünglich selber eine finanzielle Verflechtung mit Lauda gesucht hatte. Laudamotion ist aus dem Konkurs von Air Berlin hervorgegangen und zugleich dieNachfolge-Airline von Niki, die Lauda 2011 an Air Berlin verkauft hatte. Thomas Cook hatte im Rahmen des wechselhaften Insolvenzverfahrens mit Niki Lauda zweimal für die konkursite Airline mitgeboten. Vorgesehen war ein Anteil von 49 Prozent für Cook.

Beim dritten Mal stieg Niki Lauda allein ins Rennen und erhielt den Zuschlag. Für Beobachter ist klar, dass er seinen Plan mit Ryanair schon länger gehegt hatte. «Von Anfang an war klar, dass er das Ganze nicht alleine schafft.» Der Kauf sei zu grossen Teilen eine Ego-Sache gewesen, sagt einer, der in die Luftschlacht um die ehemalige Air Berlin involviert war. Daher sei Lauda auch bereit gewesen, «definitiv zu viel» zu zahlen. Wie viel er hingeblättert hat, ist offiziell nicht bekannt. Es sollen aber 48 Millionen Euro gewesen sein.

Lauda hat eine rote Linie überschritten

Dass Ryanair interessiert sein könnte, hatte Lauda schon beim Bieten gewusst. Der irische Flugriese war zuletzt neben Lauda und dem Luftfahrtkonzern International Consolidated Airlines Group (IAG) mit seiner Billigtochter Vueling einer von drei verbleibenden Bietern. War Thomas Cook für Niki Lauda demnach nur der Steigbügelhalter gewesen, bis er bei ­Ryanair angedockt hatte?

Offenbar hatte man Lauda auch vonseiten Thomas Cook geraten, mit den Iren das Gespräch zu suchen, da Laudamotion weitere starke Partner brauchte, um im umkämpften Airlinemarkt zu reüssieren. «Aber wir gingen niemals von einem Verkauf an Ryanair aus. Niki Lauda liess uns die ganze Zeit im Glauben, er rede mit denen über eine Zusammenarbeit und allenfalls eine minimale Beteiligung», sagt besagter Topmanager des Konzerns.

«Lauda ist ein Egoist, er ordnet alles dem Sieg unter.»Chef einer Fluglinie

Doch Insider wissen: Bereits Wochen vor der Bekanntgabe sprachen Lauda und Ryanair miteinander. «Es ging nur noch darum, Details zu diskutieren. Dass es einen Einstieg gibt, war klar.» Niki Lauda selbst wollte trotz mehrfachen Anfragen keine Stellung nehmen.

Gas geben, ausbremsen, tricksen – als Profi-Rennfahrer musste der Entrepreneur mit eigenem Pilotenschein lernen, andere eiskalt auszustechen. «Lauda ist ein Egoist, er ordnet alles dem Sieg unter», sagt ein Chef einer Fluglinie. Für Hans-Rudolf Wöhrl, den deutschen Unternehmer und Gründer der Air-Berlin-Vorgängerin Deutsche BA, ist Lauda «ein einsamer Wolf mit einem Riecher für Geschäfte». Wöhrl war zuvor selbst in das Bieterverfahren um Air Berlin involviert und sagt: «Mir hätte ein engerer Schulterschluss mit Thomas Cook besser gefallen.»

Mit seinem durchtriebenen Vorgehen hat der Geschäftsmann nach Meinung vieler in der Branche eine rote Linie überschritten. «Sein Verhalten war unmöglich und ist weder gut für die Branche noch für Laudamotion. Ich bin froh, dass ich in dieses Chaos nicht involviert bin», sagt der Chef einer Schweizer Airline. Wie gross das Chaos ist, zeigt eine Nachricht von gestern: Bereits angesagte Flüge von Ryanair, die im Auftrag von Laudamotion ab Zürich durchgeführt worden wären, wurden kurzfristig aus dem Flugprogramm genommen. Das berichtete das Branchenportal «Aerotelegraph».Ryanair ist mit seinen Spottpreisen ein gefürchteter Gegner in Europas Flugbranche. Die Übernahme von Laudamotion bringt den Iren noch mehr Marktmacht. Das sorgt für Kopfschütteln in der Branche. Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings ist man offenbar konsterniert – sie beendete ebenfalls postwendend ihre Zusammenarbeit mit Laudamotion.

IAG zog den Kürzeren

Verbrannte Erde hat Niki Lauda auch bei IAG hinterlassen. Die Mutter von British Airways hatte den Zuschlag für den Kauf von Niki eigentlich bereits erhalten. IAG war bereit, 20 Millionen Euro für Niki zu zahlen, und gestand ein, zusätzlich 16,5 Millionen für den laufenden Betrieb zu investieren – insgesamt rund 10 Millionen weniger als Lauda. IAG hatte den Zuschlag vom deutschen Insolvenzverwalter erhalten. Doch nach einer Beschwerde des Fluggastrechte-Portals Fairplane wurde in Österreich ein neues Insolvenzverfahren eröffnet – und damit auch ein neues Bieterrennen. IAG zog den Kürzeren.

Am Morgen des 24. Januar kurz nach 3 Uhr entschied sich der Gläubigerausschuss für Niki Lauda. Gegen halb 5 unterzeichnete Lauda die Dokumente, und um kurz vor 5 Uhr morgens teilte die Insolvenzverwalterin mit: «Aus einem transparenten Bieterprozess ist heute in den frühen Morgenstunden Laudamotion als Bestbieter hervorgegangen.»

Niki Lauda wird sich bei Ryanair unterordnen müssen

Nun muss Egoist Lauda mit einem Mann das Laudamotion-Cockpit teilen, dessen Ego nicht minder gross ist: Ryanair-Chef Michael O’Leary. Schon die Fotos zur Bekanntgabe des Deals sprechen Bände. O’Leary hat Lauda im Arm, küsst den Österreicher auf die Wange. Lauda grinst beschämt. Man darf gespannt sein, wie die beiden zusammenarbeiten. «Zwei Alphatiere vertragen sich nur, solange sie einen gemeinsamen Gegner haben», so Unternehmer Wöhrl. «Da es deren genug gibt, könnte es funktionieren.»

Es werde klappen, weil O’Leary das Sagen habe, meint ein anderer Kenner. Lauda mache pragmatisch sein Kalkül: «Wenn Laudamotion ein Erfolg wird, wird sich Niki Lauda im Licht sonnen – als König im Kaiserreich. Wenn es schiefgeht, ist er ja durch den Verkauf rasch aus dem Schneider. Er kann eigentlich nur gewinnen.» Das wird der Mann mit dem Käppi gerne hören.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.05.2018, 18:29 Uhr

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