Wie Sie Weihnachten umweltfreundlicher feiern

Kann man die Feiertage ökologischer gestalten, ohne sich die Festlaune verderben zu lassen? Ja – hier die Anleitung.

Der Kauf eines Kunstbäumchens – es darf auch etwas grösser als im Bild sein – zahlt sich nach einigen Jahren fürs Klima aus. Symbolbild: Getty

Der Kauf eines Kunstbäumchens – es darf auch etwas grösser als im Bild sein – zahlt sich nach einigen Jahren fürs Klima aus. Symbolbild: Getty

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Zu viel essen und trinken, Päckli öffnen, umgeben von Kerzen, Kitsch und Lichterketten – ungefähr so geht für viele hier Weihnachten. Nach Greta und dem Klimastreik und allem sind wir uns aber nicht mehr sicher, ob das noch so weitergehen kann mit der Konsumschlacht und dem üppigen Gelage. Wir müssen uns jetzt aber nicht die Festlaune verderben lassen. Ein bisschen umweltfreundlicher feiern geht auch ohne Öko-Brimborium.

Der Festschmaus

Die Ernährung macht fast 30 Prozent unseres persönlichen Fussabdruckes aus, 40 Prozent davon fallen allein auf Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Würden wir zum Festessen ein ­Vegi-Menü statt ein Filet servieren, könnten wir am meisten herausholen für unsere Ökobilanz. Allerdings dürfte der eine oder andere Verwandte die Nase rümpfen, wenn kein Fleisch auf den Tisch kommt. Aber das liegt zur Feier des Tages ja auch drin: 100 Gramm pro Person und Woche sind vertretbar.

Dazu passen Kartoffeln – Reis und Teigwaren belasten die Umwelt etwas mehr – und saisonales Gemüse. Wer nicht weiss, was gerade Saison hat (also wohl die meisten), kann bei Gemuese.ch/saisonkalender spicken. Was immer geht, sind Rüebli. Biogemüse zu kaufen, bringt klimatechnisch keine Vorteile, regionales nur marginale. Wer im Winter auf mediterranes Gemüse nicht verzichten will, kauft besser solches aus Südeuropa statt aus Schweizer Gewächshäusern, weil deren Heizung enorm viel, meist fossile, Energie verbraucht. Ein Kilo Schweizer Gewächshaus-Tomaten kann schädlicher sein als 100 Gramm Rind.

Öko-Engel … kochen ein vegetarisches Festmenü aus saisonalen Produkten, das belastet das Klima bis zu dreimal weniger als ein Fleischgericht. Und zwar in der Pfanne und nicht im Energie fressenden Backofen. Wenn die Gäste nicht auf Fleisch verzichten mögen: Einheimisches Poulet verursacht etwa halb so viel Treibhausgas wie Schweine- und sechsmal weniger wie Rindfleisch.

Das Trinkwasser

Es macht zwar nur 0,2 Prozent unserer Umweltbelastung aus, aber nirgends lässt es sich bequemer sparen als hier: Wasserhahn auf, Karaffe füllen und fertig. Mineralwasser zu kaufen, ist – man kann es nicht besinnlich sagen – völlig idiotisch. Um die Umweltbelastung eines einzigen Glases aus einer Schweizer PET-Flasche zu erreichen, könnten wir 160 Gläser Hahnenwasser trinken. Importiertes Wasser in Glasflaschen schneidet sogar 480-mal schlechter ab, und die Fahrt insLebensmittelgeschäft ist da noch nicht einmal eingerechnet.

Öko-Engel ... trinken Leitungswasser, und zwar ungekühlt, weil der Kühlschrank den Fussabdruck wieder vergrössern würde. Wer nicht ohne «mit» kann: Hahnenwasser mit einem Sprudelgerät in Kohlensäurewasser verwandeln. Das ist nahezu gleich umweltbelastend wie gekühltes Hahnenwasser. Allerdings nur, wenn man das Gerät täglich und mehrere Jahre nutzt und nicht nur für Gäste. Übrigens: Ein voller Kühlschrank verbraucht deutlich mehr Energie als ein leerer, allerdings nur in den ersten 24 Stunden, bis alles heruntertemperiert ist. Ab da wirken die Lebensmittel wie Kühlelemente, die den Tür-auf-Energieverlust besser abfedern können.

Der Alkohol

An heiligen Festen fliessen die Spirituosen oft in Strömen. Ausgerechnet sie belegen aber hinter Kaffee Platz 2 der umweltschädlichsten Getränke. Die Bilanz lässt sich immerhin verbessern. Als Faustregel gilt hier: Bier vor Wein. Denn Wein verursacht einen deutlich höheren Fussabdruck.

Bier: 5 Deziliter entsprechen einem Treibhausgasausstoss von rund 100 Gramm; damit könnte man mehr als 20 Ballons mit CO2 füllen. Das belastet die Umwelt etwa gleich stark wie eine 700-Meter-Fahrt mit dem Auto. Je nach Verpackung und Transportweg wächst der Fussabdruck von Bier unterschiedlich stark an.

Öko-Engel ... greifen zu Bierflaschen mit Depot aus einer lokalen Brauerei (spart Transportkosten) und (ganz wichtig!) retournieren sie nach Weihnachten. Ähnlich gut ist die Umweltbilanz von Bier­dosen, solange man diese recycelt. Weiterer Ökotrick: das Bier im Winter draussen kühlen und so Treibhausgasemission sparen.

Wein ist 10'000-mal belastender für die Umwelt als Hahnenwasser. Die nicht gerade rosige Ökobilanz liegt vor allem an den Pflanzenschutzmitteln, die gegen Pilzbefall eingesetzt werden. Andererseits entspricht der CO2-Ausstoss, der beim Import einer Flasche aus Kalifornien anfällt, etwa einer Autofahrt von 1,4 Kilometern. Zum Festmahl darf man ruhig Wein auftischen, wenn man dafür ein paar Mal zu Fuss geht.

Öko-Engel ... haben es schwer. Es gibt keine Faustregel, um den umweltfreundlichsten Wein im Regal zu finden; Ökoweine sind nicht automatisch besser, weil auch natürliche Pestizide die Umwelt belasten. Zudem muss ein Syrah aus Kalifornien nicht unbedingt eine schlechtere Ökobilanz als ein Barolo aus dem Piemont haben; die Transportart ist entscheidend (im Tank oder abgefüllt in Flaschen; per Schiff oder Lastwagen). Im Zweifel wählt man einen Roten (die sind in der Regel weniger umweltbelastend als Weisse) in einer leichteren Flasche oder Box (fällt beim Transport ins Gewicht), am besten einen aus pilzwiderstandsfähigen Traubensorten, für die nicht so viele Pestizide nötig sind. Diese Piwi-Weine sind bis zu fünfmal weniger belastend für die Umwelt.

Das Dessert

Aus Butter, Rahm, Eiern und Schokolade entstehen die leckersten Desserts. Leider hinterlassen sie nicht nur am Körper, sondern auch an der Umwelt die deutlichsten Spuren: Milch und Eier haben hinter Fleisch und Fisch den grössten Fussabdruck. Pro Tafel Schokolade fallen 340 Gramm CO2 an, so viel wie bei 2,5 Kilometern mit dem Auto. Hinzu kommt die Energie, die fürs Backen oder Kühlen anfällt.

Öko-Engel … essen zu Weihnachten eine vegane Zimtcreme mit Apfelkompott und caramelisierten Baumnüssen. Oder Marronimousse mit Birnen. Saisonal und regional.

Der Kaffee

Jetzt müssen wir ganz stark sein: Unser liebster Wachmacher ist ein ­wahrer Klimasünder; er macht 10 Prozent unserer Umweltbelastung durch Ernährung aus. 50 bis 100 Gramm CO2 fallen pro Tasse an, mehr als bei jedem anderen Getränk. Etwa die Hälfte entsteht beim Anbau und der Verarbeitung der Bohnen, ein Drittel bei der Zubereitung. Bei Kapselkaffee fällt zusätzlich die Verpackung aus Aluminium negativ ins Gewicht.

Öko-Engel … trinken Schwarztee. Bezüglich Umweltbelastung wiegen acht Tassen Schwarztee einen Kaffee auf. Und so viel Schwarztee sollte zum Wachhalten ja wohl reichen. Geht es doch nicht ohne: Kaffee mit der Frenchpress oder mit Filter zubereiten, das ist sechsmal energieeffizienter als mit dem Vollautomaten. Oder in der Espressokanne auf der kleinsten Herdplatte.

Der Weihnachtsbaum

Oh Plastikbaum, oh Plastikbaum, wie grün sind deine Blätter? Die Antwort darauf lautet: Es kommt drauf an, wie und wo er produziert wurde und wie lange man ihn benützt. Behält man einen Plastikbaum mindestens fünf bis sechzehn Jahre (je nach Produktionsweise), statt sich jede Weihnachten einen echten zu holen, lohnt sich das fürs Klima. Echte Bäume verursachen aber nicht nur Treibhausgase, sie binden ja auch CO2 in den acht bis zehn Jahren, in denen sie wachsen. Das Problem ist nur, dass die importierten Baume häufig stark gespritzt werden müssen. Negativ wirken sich zudem der Transport und die (teilweise Kühlung erfordernde) Lagerung aus.

Öko-Engel … wählen eine ungespritzte Fichte oder Tanne aus der Region. Bei Bäumen im Topf nachfragen, ob sie darin gewachsen sind. Wenn nicht, dürften sie es später schwerhaben, weil die Wurzeln je nachdem stark gekappt werden mussten für den Topf.

Die Kerzen

Man könnte meinen: Licht ohne Strom gleich umweltfreundlich. Ist bei Kerzen aber nicht so. Die meisten sind aus Paraffin, das aus Erdöl gewonnen wird. Noch bedenklicher wird es, wenn sie in einem Aluminiumbehälterchen stecken, das einfach weggeworfen wird. Alternative Kerzen werden oft aus umweltschädlichem Palmöl hergestellt. Am besten wären solche aus Bienenwachs, allerdings sind viele von weither importiert, was den Fussabdruck vergrössert.

Öko-Engel … kaufen Bienenwachskerzen, die nicht weit gereist sind, oder halten Ausschau nach ökologischen Kerzen. In Spezialgeschäften gibt es welche aus Raps- oder Sonnenblumenöl.

Die Geschenke

Päckli gehören zu Weihnachten wie das Jesuskind zur Krippe; der Verpackungsabfall steigt in dieser Zeit um 10 Prozent. Je grösser die Geschenkpapier- und Plastikberge, desto schlechter das Gewissen. Bezüglich Ökobilanz ist die Verpackung aber nebensächlich. Entscheidender ist, was drinsteckt.

Öko-Engel … wählen umweltfreundlich produzierte Geschenke, die der Beschenkte tatsächlich brauchen kann. Es muss nicht gleich etwas Selbstgemachtes sein; zahlreiche Shops sind auf nachhaltige Präsente spezialisiert, die nicht nach Öko aussehen. Geschenke sollte man in möglichst wenigen Läden kaufen statt in vielen verschiedenen. Das spart Transportfahrten. Und es kann sich lohnen, die Geschenke in Onlineshops zu bestellen: Lagerhallen brauchen weniger Energie fürs Heizen oder Beleuchten als Geschäfte. Auch hier gilt: Je weniger Einzelbestellungen und Retouren, desto besser.



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Erstellt: 08.12.2019, 19:32 Uhr

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