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DHL setzt die Post unter Druck

Der Päckli-Boom lockt Konkurrenz in die Schweiz. Jetzt will die Post mit tieferen Löhnen bei der Paketzustellung reagieren.

Es gibt viel zu tun: Paketbote der Post bei der Arbeit. Bild: Keystone
Es gibt viel zu tun: Paketbote der Post bei der Arbeit. Bild: Keystone

Virtuelle Shoppingtouren bei Digitec, Zalando und anderen Onlinehändlern sind ein einträgliches Geschäft für die Schweizerische Post. Jahr für Jahr steigt die Zahl der Paketlieferungen. Die Pöstler haben immer mehr zu tun – sie hetzen von Briefkasten zu Briefkasten. Doch genau wegen dieses Päckli-Booms drohen den Postangestellten tiefere Löhne.

Denn mit der Masse wird der Paketversand für private Lieferdienste interessanter. Jüngstes Beispiel ist DHL. Die Deutschen drängen in den Schweizer Paketmarkt und greifen die Post mit dem Slogan «Gelb ist das neue Gelb» in einer gross angelegten Werbekampagne frontal an. Der Wettbewerb verschärft sich.

Für die Pöstler verheisst das nichts Gutes. Bisher verdienten sie deutlich besser als bei den Privaten, sagt Dieter Bambauer, der als Chef des Bereichs Post Logistics den Paketversand verantwortet. «Unsere Lohnkosten bei der Paketlieferung sind um 35 Prozent höher als bei der Konkurrenz. Das ist ein eklatanter Kostennachteil.» Die höheren Löhne habe die Post bislang durch mehr Volumen und eine hoch automatisierte Logistik kompensieren können. Der gelbe Riese dominiert den Markt. Er stellt acht von zehn Paketen zu. Weil die Paketmenge stark wächst, kann aber auch die private Konkurrenz die Kosten immer breiter verteilen. Der Vorteil der Post schwindet damit.

Einstiegslohn liege bei 50'000 Franken im Jahr

Dieter Bambauer sieht deshalb Handlungsbedarf. «Mittelfristig werden die Löhne der Post in der Paketzustellung unter Druck kommen», sagt er. Im kommenden Jahr stehen Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag für 2020 an. «Wir werden unsere Sicht der Herausforderungen bei den Löhnen in die Verhandlungen einbringen», sagt der Logistikchef.

Beim Personalverband Transfair kommt das schlecht an. René Fürst, Branchenleiter Post und Logistik beim Verband, kündigt Widerstand an. «Lohnkürzungen kommen für uns nicht infrage. Schon heute sind die Gehälter knapp bemessen», sagt er. Der Einstiegslohn liege ausserhalb der urbanen Zentren bei 50'000 Franken im Jahr.

Statt Kürzungen bei der Post will Transfair die Mindestlöhne der Angestellten bei privaten Zustellern anheben und deren Arbeitsbedingungen verbessern. «Es braucht dort einen neuen Gesamtarbeitsvertrag», sagt Fürst. Er zielt dabei auf den Verband Kep & Mail, in dem die meisten privaten Logistiker wie DHL und DPD organisiert sind.

Abholstationen in den Migros-Filialen

Entgegenkommen signalisiert Transfair bei den Arbeitseinsätzen der Post-Angestellten. «Der Konsument will Lieferungen am Samstag und bis spät am Abend. Wir werden über flexiblere Arbeitszeiten in der Paketzustellung diskutieren müssen», sagt Fürst. Die Angestellten müssen mit Einsätzen am Wochenende rechnen. Man wolle verhindern, dass die Post mehr Arbeiten an externe Firmen vergebe. Im März hat die Post das Unternehmen Notime gekauft. Es liefert am Tag der Bestellung.

Beim Onlineshopping muss es immer schneller gehen. Heute werden bereits über 50 Prozent der Pakete am Tag nach der Bestellung geliefert. DHL will die Post genau in diesem Bereich angreifen. Im Standardangebot wird innerhalb eines Tages geliefert. In Ballungszentren wird das Unternehmen zudem ohne Aufpreis auch am Samstag und bis 20 Uhr liefern. Bei der Post müssen die Onlinehändler für diesen Service extra bezahlen. Oft wird der Zuschlag an die Kunden weitergegeben. An diesem Preismodell will Bambauer festhalten. «Wir werden wegen der Ankündigungen von DHL nicht unsere Preise senken, sondern mit unserem Service überzeugen.»

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Dazu gehören auch Abholstationen mit längeren Öffnungszeiten. Die Post wird dafür mit dem Grossverteiler Migros zusammenarbeiten. In ausgewählten Migros-Filialen können die Kunden voraussichtlich ab Frühling Pakete aufgeben und abholen. Pilotversuche machte die Post auch mit Coop, Denner und Aldi. Nun hat sie sich für die Migros entschieden. DHL baut ihrerseits ein Netz mit über 1000 Abholstationen bei Detailhändlern auf. Als wichtigen Partner hat sich das Unternehmen die Supermarktkette Spar ins Boot geholt.

DHL hat sich in Österreich schon durchgesetzt

DHL ist für die Post ein mächtiger Gegner. Die Tochter der Deutschen Post hat die finanziellen Mittel, um den Schweizer Markt aufzurollen. In Österreich haben sich die Deutschen bereits durchgesetzt und sich innert drei Jahren einen Marktanteil von 25 Prozent gesichert. Die Schweizerische Post will ihre dominante Stellung in der Schweiz verteidigen. Für sie steht viel auf dem Spiel. Während die Zahl der Briefsendungen markant zurückgeht und der Gewinn der hauseigenen Bank Postfinance immer stärker schrumpft, ist das Logistikgeschäft ein zuverlässiger Pfeiler des Konzerns. Im vergangenen Jahr erzielte die Sparte einen Betriebsgewinn von 119 Millionen Franken. 2008 waren es lediglich 39 Millionen.

Dieter Bambauer zeigt sich trotz der Kampfansage von DHL zuversichtlich. Post Logistics werde an Bedeutung innerhalb des Postkonzerns gewinnen. Bei Paketzustellungen an Private rechnet Bambauer in den kommenden Jahren mit prozentual zweistelligen Wachstumsraten für die Branche. Das macht den Schweizer Markt für ausländische Konkurrenten noch viel interessanter.

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