Pädophiler Straftäter wohnte in der Nähe eines Kinderheims

Der erneute Übergriff von William W. wirft Fragen auf. SVP-Politiker fordern eine Untersuchung.

Sitzt wieder in Untersuchungshaft: der Kolumbianer William W. Bild: zvg

Sitzt wieder in Untersuchungshaft: der Kolumbianer William W. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

William W., der sich an sechs Kindern in den Kantonen Aargau und Solothurn sexuell verging, wohnte nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in unmittelbarer Nähe eines Kinderheims. Seine Unterkunft, das Wohnheim Bethlehem in Wangen bei Olten, liegt nur rund 750 Meter vom Chinderhuus Elisabeth entfernt – einem Durchgangsheim für Kinder in Krisensituationen.

Dabei warnte ein Abschlussgutachten des Forensisch-Psychiatrischen Diensts der Universität Bern vor einer erhöhten Rückfallgefahr und «besonderen Risikosituationen, wenn William W. wieder unbeaufsichtigt Kontakt zu Kindern haben könnte». Die zuständigen Behörden des Kantons Solothurn hatten Kenntnis von William W.s Aufenthaltsort.

Wie letzte Woche bekannt wurde, sitzt der Kolumbianer wieder in Untersuchungshaft. Es soll erneut zu einem Übergriff gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung eröffnet wegen sexueller Handlungen mit einem achtjährigen Knaben.

«Wie es möglich ist, dass ein Kinderschänder Therapiestunden verbraten, anschliessend frei herumlaufen und sich eines neuen Opfers bedienen kann?»Christian Imark, SVP-Nationalrat

Jetzt verlangt die SVP des Kantons Solothurn eine parlamentarische Untersuchung. Es bestehe «der Verdacht, dass die Solothurner Justizbehörden in mehrfacher Hinsicht versagt haben». Bei der parlamentarischen Justizkommission, der die Aufsicht über die Justizorgane obliegt, ist die Diskussion um die Einsetzung einer PUK bereits für nächste Woche traktandiert, wie Kommissionspräsident Beat Wildi (FDP) sagt: «Wir werden das an unserer Sitzung am 6. Dezember behandeln und über das weitere Vorgehen befinden.»

SVP-Nationalrat und Präsident der Solothurner Kantonalpartei, Christian Imark, fordert, dass die Justizkommission nun klären müsse, «wie es möglich ist, dass ein sechsfacher Kinderschänder mit hoher Rückfallgefahr 52'000 Franken Entschädigung erhalten, über 230 Therapiestunden verbraten, anschliessend frei herumlaufen und sich eines neuen Opfers bedienen kann». Der Fall sei «mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachvollziehbar».

Warnungen der Gutachter in den Wind geschlagen

Zu klären sei insbesondere, warum die Staatsanwaltschaft keinen nachträglichen Verwahrungsantrag gestellt habe, nacheinander drei verschiedene Staatsanwälte involviert waren, die Warnungen und Empfehlungen der Gutachter in den Wind geschlagen wurden und das Amtsgericht die Verwahrung nicht von Amtes wegen prüfte. Auch das Vorgehen des Obergerichts muss nach Ansicht der SVP näher durchleuchtet werden.

Für Kindsmissbrauch wurde William W. 1999 ein erstes Mal verurteilt – zu 18 Monaten Gefängnis bedingt. Er hatte im Kanton Aargau sexuelle Handlungen an drei Mädchen und zwei Buben vorgenommen – zwei dieser Kinder wurden geschändet.

2006 schlug der Kolumbianer erneut zu und missbrauchte in einer Baubaracke in Starrkirch-Wil die damals achtjährige Selina S. schwer. William W. kam in eine geschlossene Vollzugsanstalt – 2016 war er wieder frei. Er wurde entlassen, weil er die Therapie jahrelang verweigerte. William W. hält sich selber nicht für pädophil. Den Übergriff auf Selina begründete er damit, dass das Mädchen ihn verführt habe. Den Prozess über eine nachträgliche Verwahrung von William hat die Staatsanwaltschaft sistiert.

Nach der SVP sieht auch Roland Fürst (CVP), Justizdirektor des Kantons Solothurn, Handlungsbedarf: «Dieser Fall muss gründlich analysiert werden. Allfällige Schwachstellen müssen offengelegt und Verbesserungen angegangen werden.» Über die Einsetzung einer PUK entscheide das Parlament.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.12.2018, 16:57 Uhr

Artikel zum Thema

Kinderschänder schlägt offenbar zum siebten Mal zu

Wegen einer Formalie kam er frei – jetzt soll William W. erneut ein Kind belästigt haben. «Ich hab geahnt, dass er wieder zuschlägt», sagt ein Opfer. Mehr...

Für die Opfer und deren Familien ein Hohn

SonntagsZeitung Im Fall des Kinderschänders William W. haben sämtliche Instanzen der Strafverfolgung versagt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Mamablog Mein Kirchentrauma

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Ein Sturm brachte heftige Regenfälle mit sich: Menschen warten in Indien auf den Zug. (18. Dezember 2018)
(Bild: PIYAL ADHIKARY) Mehr...