Parmelin muss den Giftschrank aufräumen

Der Landwirtschaftsminister muss hochgiftige Pestizide verbieten. Sonst tut es das Volk.

Wenn er so weiter macht, hat Guy Parmelin bald nicht mehr viele Freunde unter den Bauern. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Wenn er so weiter macht, hat Guy Parmelin bald nicht mehr viele Freunde unter den Bauern. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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In der Bevölkerung hat ein fundamentales Umdenken stattgefunden. Schweizerinnen und Schweizer wollen Bauern, die planlos Pestizide versprühen, nicht mehr subventionieren. Und sie akzeptieren keine Pestizidrückstände mehr im Trinkwasser. Das zeigen repräsentative Umfragen.

Selbst ein Grossteil der Bauern ist mittlerweile bezüglich Pestiziden sensibilisiert. Nur Landwirtschaftsminister Guy Parmelin hat offenbar noch nicht begriffen, dass der Wind gedreht hat. Sein Departement reagiert jedes Mal nur defensiv, wenn Forscher neue Erkenntnisse über die Gefährdung von Pflanzenschutzmitteln publizieren. Mal für Mal warten seine Beamten mit einem Verbot, bis negative Schlagzeilen die Bevölkerung noch mehr verunsichern. Offenbar hat Parmelin gar die Chefin des renommierten Wasserforschungsinstituts Eawag gedrängt, pestizidkritische Forschungsergebnisse zurückzuhalten. Parmelin, selber Landwirt, glaubt, mit diesem Verhalten seinen Bauernkollegen einen Gefallen zu tun.

Das Gegenteil ist der Fall. Denn er provoziert damit, dass das Volk die anstehende Pestizid- und die Trinkwasserinitiative annimmt. Beide fordern faktisch ein Verbot für Pflanzenschutzmittel. Beides sind Extremforderungen. Doch sie sind – das zeigen die Umfragen – nicht chancenlos.

Will Parmelin die Annahme der Initiativen verhindern, muss er nun schleunigst den Giftschrank aufräumen: Jedes Pestizid, von dem nicht restlos geklärt ist, ob es Mensch und Umwelt schadet, muss verboten werden. Zudem muss er den Initiativen einen griffigen Gegenvorschlag entgegenstellen. Sonst darf er sich nicht wundern, wenn das Volk die Initiativen gutheisst. Dann hätte Parmelin wohl nicht mehr viele Freunde unter den Bauern.



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Erstellt: 21.12.2019, 22:14 Uhr

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