Pfister killt den Pfister-Plan – jetzt wird Ersatz gesucht

Die Parteien fordern von der CVP bessere Kandidaten für den Bundesrat. Aber es gibt nur wenig Alternativen.

Gerhard Pfister: Kann im Gegensatz zur FDP keine Kandidaten mit der Strahlkraft einer Karin Keller-Sutter vorweisen.

Gerhard Pfister: Kann im Gegensatz zur FDP keine Kandidaten mit der Strahlkraft einer Karin Keller-Sutter vorweisen. Bild: Marco Zanoni (Lunax)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Not ist gross. Weil das Feld der Bundesratsbewerber der CVP den Strategen aus den anderen Parteien nicht genügt, suchen diese verzweifelt nach Sprengkandidaten. Jetzt nimmt sich aber der Topfavorit definitiv aus dem Rennen. CVP-Chef Gerhard Pfister, der sowohl von links und rechts auf Unterstützung zählen könnte, will nicht antreten. «Ich habe mit der Wahl zum CVP-Präsidenten von der Idee, Bundesrat zu werden, Abschied genommen», sagt Pfister.

Daher rücken andere CVP-Leute in den Fokus: Sowohl im linken wie im rechten Lager werden jetzt Bundeskanzler Walter Thurnherr und der Obwaldner Ständerat Erich Ettlin heiss gehandelt. Der Haken: Beide haben, wie Pfister, bereits verlauten lassen, dass sie nicht als Kandidaten für die Nachfolge von Doris Leuthard zur Verfügung stünden. Nun fragt man sich, ob das wirklich ihr letztes Wort war.

Die CVP hat das Problem, dass sie im Gegensatz zur FDP keine Kandidatin und keinen Kandidaten mit der Strahlkraft einer Karin Keller-Sutter vorweisen kann. Die bekannten Bewerber Peter Hegg­lin, Elisabeth Schneider-Schneiter und Heidi Z’graggen lösen bei den anderen Parteien keine Begeisterung aus.

Selbst Viola Amherd kämpft mit Handicaps. Immer noch ist unklar, ob sie überhaupt antritt. Die Nationalrätin aus Brig erholt sich von einer operativen Entfernung der Nierensteine und wird nächste Woche ihren Beschluss bekannt geben, heisst es aus ihrem Umfeld.

SP möchte Amherd wählen – und zweifelt, ob es ihr reicht

Da Amherd am linken CVP-Flügel politisiert, ist sie zwar für die SP eine valable Bundesrätin. «Wir möchten sie wählen», sagt ein Vertreter der SP-Spitze, der nicht namentlich genannt werden will. Doch es gibt Zweifel, ob sie die Wahl auch schaffen würde. Das Problem sind die Rechten. Insbesondere der SVP ist Amherd zu links. Ein SVP-Kadermann sagt hinter vorgehaltener Hand, man würde sie nicht wählen. Der SP-Spitzenfunktionär kommt deshalb zum Schluss: «Wenn wir Amherd nicht durchbringen, brauchen wir eine starke Alternative. Die CVP muss nachbessern, wenn sie nicht riskieren will, dass ein wilder Kandidat gewählt wird.»

Auch SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner ist der Ansicht, dass die bisherige Auswahl «ungenügend» sei. «Es braucht noch einen wirklich bürgerlichen Kandidaten.» Amherd und Schneider-Schneiter seien linksliberal. Selbst Ständerat Hegglin hat die SVP noch nicht davon überzeugen können, dass er der richtige Mann für den Bundesrat ist, weil er sich bis jetzt praktisch nur in der Finanzpolitik bemerkbar gemacht hat.

Und die Urner Regierungsrätin Z’graggen gilt als Aussenseiterin, weil sie im Bundeshaus wenig bekannt ist. Immerhin heisst es aus der SVP, man werde auf jeden Fall eine offizielle CVP-Kandidatur unterstützen.

Erstellt: 21.10.2018, 00:06 Uhr

«Nimmt Züge einer Kampagne an»

Gerhard Pfister sagt, er stehe als Bundesrat definitiv nicht zur Verfügung.

Manche wünschen Sie sich als Bundesrat. Werden Sie jetzt trotz Ihrer bisherigen Absagen doch kandidieren?
Ich schliesse eine Kandidatur aus. Ich war schon immer der Meinung, dass der Präsident einer Partei ein Jahr vor den Wahlen nicht in den Bundesrat wechseln sollte. Und ich habe genug Befriedigung in meinem Job als Parteipräsident. Es gibt keinen Politiker, der sich von solchen Aufforderungen nicht geehrt fühlt, ich habe aber mit der Wahl zum CVP-Präsidenten von der Idee, Bundesrat zu werden, Abschied genommen.

Und wenn Sie am 5. Dezember gewählt würden?
Ich empfinde es langsam als Zumutung, dass man von mir für alle Eventualitäten einen Offenbarungseid verlangt. Aber wenn Sie wollen: Ich halte ein solches Szenario für unwahrscheinlich. Wenn es doch eintreffen sollte, würde ich erklären, dass ich nicht zur Verfügung stehe, eine Wahl nicht annehmen könne. Und ich würde die Bundesversammlung bitten, die offiziellen Kandidierenden der CVP zu berücksichtigen. Genügt Ihnen das?

Uns schon, aber Politiker sagen: «Wir brauchen Pfister, weil sonst keiner etwas taugt.»
Ich muss schon feststellen, dass das Züge einer Kampagne annimmt, die offensichtlich auch das Ziel hat, die CVP zu disqualifizieren oder die CVP-Führung zu destabilisieren. Doch es wird den anderen Parteien nicht gelingen, unmittelbar vor dem Wahlkampf den Präsidenten von der Parteispitze wegzulocken. Und es wird nicht gelingen, unsere Kandidaten schlechtzureden.

Das CVP-Ticket wird hinter vorgehaltener Hand heftig kritisiert. Hegglin sei ein Leichtgewicht, Schneider-Schneiter nicht bundesratstauglich und Amherd, wenn sie denn kommt, zu links, heisst es.
Viele haben ihre eigenen Interessen, warum sie bestimmte Kandidaten oder Kandidatinnen disqualifizieren. Wenn sich unsere Kandidaten erst mal richtig präsentieren können, wird man schnell feststellen, dass alle das Zeug für einen Bundesrat haben. Und es gehört zu Bundesratswahlen, dass Kandidaten kritisch beurteilt werden. Bei uns ist die Ausgangslage halt offener als bei der FDP, wo es eine klare Favoritin gibt. Deshalb glauben manche, mit Druckversuchen die Wahlen mehr als gewöhnlich beeinflussen zu können. Ich bin aber überzeugt, einer der Kandidaten wird gewählt werden.

Gibt es eine Konstellation, in der Sie Ihre Meinung ändern könnten?
Unsere Bewerbungsfrist läuft noch, aber wir können jetzt schon sagen, dass die CVP in der Lage sein wird, ein gutes, qualifiziertes Ticket zu präsentieren. Und ich gehe davon aus, dass es noch die eine oder andere Bewerbung gibt. Insofern sehe ich kein Szenario, bei dem ich Handlungsbedarf hätte. Es gibt keinen Grund, selbst in den Ring zu steigen oder nach anderen Kandidaten zu suchen.
Denis von Burg

Artikel zum Thema

«Am ehesten dürfte ein Sitz der SVP infrage gestellt werden»

SonntagsZeitung Politologe Michael Hermann über die Zauberformel im Bundesrat und die Kritik an den CVP-Kandidaten. Mehr...

Es braucht bessere Bundesratswahlen

Kolumne Das Volk bestimmt die Formel, das Parlament die Köpfe. Mehr...

Reines Frauenticket wird möglich

Zwei CVP-Frauen wollen in den Bundesrat, ein Mann winkt ab. Und ein möglicher Kandidat sieht sich mit alten Vorwürfen konfrontiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...