Postauto: Ex-Frankreich-Chef steht unter Betrugsverdacht

Die Bundesjustiz eröffnet neue Strafverfahren gegen weitere ehemalige Kader.

Neue Wendung im Betrugsskandal: Ein Postauto auf der Furka-PassstrasseFoto: Keystone

Neue Wendung im Betrugsskandal: Ein Postauto auf der Furka-PassstrasseFoto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) dehnt die Ermittlungen in der Postauto-Betrugsaffäre aus. Bisher hatten die Justizbeamten nur Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf und dessen Stellvertreter ­sowie den Ex-Finanzchef des Postkonzerns unter dringendem Tatverdacht.

Recherchen zeigen nun, dass das Fedpol diese Woche gegen drei weitere ehemalige Geschäftsleitungsmitglieder von Postauto ein Verfahren eröffnet hat. Fedpol-Sprecher Thomas Drayer bestätigt, das Fedpol habe gegen die drei wegen des Verdachts des Leistungsbetrugs ein Verwaltungsstrafverfahren eröffnet. Einer der drei ist André Burri, ehemaliger Präsident von Carpostal France, dem umstrittenen französischen Ableger von Postauto Schweiz. Zuvor war Burri bei Postauto Schweiz Teilmarktleiter West.

Vorwurf: «Arglistig erschlichene Leistungen»

Die nach der Affäre neu eingesetzte Postauto-Führung hatte Burri bereits im vergangenen September entlassen. Der Jurassier hat mittlerweile eine neue Stelle gefunden. Er arbeitet als Chefbeamter bei der Gemeinde Delémont. Burri ist patentierter Anwalt und CVP-Politiker. Er war unter anderem Präsident des jurassischen Kantonsparlaments. Burri reagierte nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme. Es gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Dass Burri nun unter Betrugsverdacht steht, ist pikant. Denn drei französische Unternehmen klagten bereits zuvor vor Gericht, Postauto Schweiz habe mit Dumpingpreisen bei Ausschreibungen in Frankreich Aufträge für Bus­linien erschwindelt. Die Franzosen werfen Carpostal France unlauteren Wettbewerb vor. Postauto ist nun im Begriff, die französische Tochter zu verkaufen, um das Sorgenkind loszuwerden. Das Fedpol scheint seine Ermittlungen derzeit auf Handlungen zu fokussieren, die Burri zuvor in der Schweiz vorgenommen hatte.

Insgesamt hat sich mit der Ausdehnung des Verfahrens diese Woche die Zahl der Beschuldigten auf sechs verdoppelt. Alle Beschuldigten stehen unter dringendem Verdacht, sogenannten Leistungsbetrug begangen zu haben. Die Strafermittler des Bundes werfen ihnen vor, in ihrer Funktion als Postauto-Kader «arglistig Leistungen des ­Gemeinwesens erschlichen» zu ­haben. Es drohen ihnen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren und Bussen bis zu 30'000 Franken. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Bis jetzt keine Ermittlungen gegen die Postchefin

Postinsider sind erstaunt darüber, dass die ehemalige Postchefin Susanne Ruoff nach wie vor nicht ins Visier der Ermittler geraten ist. Das Fedpol hat gegen sie bis heute kein Strafverfahren eröffnet, obwohl der über Jahre dauernde Postauto-Betrug zu einem guten Teil während ihrer Amtszeit als Postchefin stattgefunden hatte. Dabei gibt es Indizien, dass ihre eigene Geschäftsleitung in die Betrügereien verwickelt war: So ermittelt das Fedpol bereits seit sechs Monaten gegen Pascal Koradi. Koradi war Ruoffs Finanzchef in der Konzernleitung und damit einer ihrer engsten Mitarbeiter.

Der Betrugsskandal bei Postauto ist im Februar 2018 publik geworden. Es zeigte sich, dass Postauto über Jahre von Gemeinden, Kantonen und Bund mit Buch­haltungstricks insgesamt über 200 Millionen Franken Subventionen erschlichen hatte.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 01.09.2019, 21:41 Uhr

Artikel zum Thema

Ex-Postauto-Chef drohen 5 Jahre Gefängnis

SonntagsZeitung Die Bundespolizei eröffnet ein Strafverfahren gegen Daniel Landolf und den früheren Finanzchef. Sie sollen Leistungen erschlichen haben. Mehr...

Bund zieht Konsequenzen aus Postauto-Skandal

Transportfirmen müssen neu deklarieren, wie viele Subventionen sie wofür einsetzen. Mehr...

Der unsichtbare Post-Chef

Roberto Cirillo soll den gelben Riesen wieder auf Kurs bringen. Bislang hat man wenig von ihm gehört – doch heute kommt der grosse Auftritt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...