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Preise ausser Rand und Band

Mit den neuen Zelltherapien prallen zwei Welten aufeinander, die bislang unabhängig funktioniert haben. Auf der einen Seite die Spitäler, die für Verfahren zuständig sind, also für Bypass-Operationen oder Stammzelltransplantationen, sowie für deren Weiterentwicklung und Verbesserung. Auf der ­anderen Seite die Pharmaindustrie, die neue Medikamente entwickelt, ­diese rigoros in Studien testet und dann auf den Markt bringt.

Wenn die Pharmaindustrie bei den Zelltherapien nun ein Verfahren als «Medikament» tarnt, dann braucht es dafür erstens einige Tricks, und zweitens sorgt es bei den Ärzten nicht nur für Freude. Thomas Cerny, Präsident der Stiftung Krebsforschung Schweiz und ehemaliger Chefarzt Onkologie am Kantonsspital St. Gallen, stösst sich an der Vermischung. «Die ­zellulären Therapien sind keine ­Medikamente, sondern Teil eines mehrwöchigen Behandlungskomplexes», stellt er klar. Bislang sei die Vermehrung der Zellen die Domäne von spezialisierten Labors an den Unikliniken gewesen. «Nun ist es eine Blackbox.» Und da ­laufe nicht immer alles optimal.

Das gilt auch für die Preisgestal­tung. Novartis hat das Preisschild für ihre Zelltherapie namens Kymriah bei 370'000 Franken ­angesetzt. Allerdings fehle jegliche Transparenz, wie dieser Preis zustande komme, bemängelt Cerny. «Das ist ein Fantasiepreis.» Die Kosten für die Produktion der CAR-T-Zellen sind zwar tatsächlich hoch, sie würden laut Cerny aber maximal um 100'000 Franken liegen. Ein Preis in dieser Höhe für eine Einmalbehandlung, im besten Fall ohne weiteren Folgekosten, ­würde eher akzeptiert.

Die eine Hälfte verhandelt geheim, die andere weigert sich

Wie hoch der zu zahlende Preis für Kymriah letztendlich sein wird, ist noch offen. Novartis hat mit etwa der Hälfte der Krankenkassen geheime Rabattverhandlungen geführt. Die anderen Kassen weigern sich zum Teil, auch wegen der mangelnden Transparenz, die Kosten zu übernehmen.

Diese Weigerung hat direkte Auswirkungen auf die ­Betroffenen. Der Lymphdrüsenkrebs-Patient Michael Monstein, den eine Dok-Sendung von SRF Ende Juni porträtierte und der in Zürich auf eine Behandlung mit den CAR-T-Zellen wartete, hätte fünf Monate vorher – auf Vermittlung von ­Antonia Müller, Oberärztin Hämatologie am Universitätsspital Zürich – in Paris einen Therapieplatz ­erhalten. Die Krankenkasse Atupri verweigerte die Vergütung, und als Mon­stein dann am USZ behandelt werden konnte, liessen sich seine Zellen in den Novartis-Labors nicht mehr vermehren. Monstein erlag seinem Krebsleiden.

Das heisst: Die Krankenkasse entscheidet, ob jemand die Therapie erhält – oder eben nicht.

Derweil sind die CAR-T-Zelltherapien von Novartis und ­Gilead erst der Anfang. Die Firma ­Celgene zum Beispiel entwickelt eine CAR-T-Therapie gegen das Multiple Myelom, eine Krebsform, die ­heute nur sehr schwer behandelt werden kann. «Die Therapien werden laufend besser, mit weniger Nebenwirkungen», sagt Raphaël Stadelmann, Leitender Arzt ­Hämatologie am Unispital Lausanne CHUV. «Irgendwann werden sie möglicher­weise zum Standard.»

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