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Ruinen und unfertige Rohbauten

Die Pisa-Ergebnisse attestieren den Schweizer Schüler ein jämmerliches Sprachverständnis. Doch Selbstkritik scheint für die Lehrer ein Fremdwort zu sein

MeinungMarkus Somm
«Nichts sollte konservativer behandelt werden als die Schule.»
«Nichts sollte konservativer behandelt werden als die Schule.»
Keystone

Der Vorgang bleibt mir unvergessen. Offensichtlich hatte sich ein Abonnent bei uns, damals der «Basler Zeitung», über irgendeinen Missstand beschwert und eine Antwort erhalten: Diese war so grottenschlecht formuliert und strotzte vor orthografischen Fehlern, dass er mir als Chefredaktor dieses Mail aus unserem Abo-Dienst zur Kenntnisnahme zustellte. Gewiss, die junge Frau hatte es sicher gut gemeint, vielleicht hatte sie Sorgen zu Hause, womöglich stand sie unter Druck: Jedenfalls, ich übertreibe nicht, enthielt ihr sehr kurzes Mail rund ein Dutzend Fehler. Also schrieb ich ihr zurück, nicht ohne Gift, ich gebe es zu, und forderte sie auf, unserem malträtierten Kunden einen zweiten, höflicheren und korrekteren Brief zu schreiben, cc an mich. Kurze Zeit später traf die neue Fassung bei mir ein. Katastrophe, Debakel, Weltuntergang: Der Text wies nach wie vor ein Dutzend Fehler auf, immerhin neue. Ein dritter Brief wurde verschickt. Der Kunde meldete sich nie mehr. Wahrscheinlich hat er das Abonnement einer Zeitung gekündigt, deren Angestellte nicht einmal Deutsch meisterten.

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