Russischer Grossaktionär stösst Anteil an Badrutt’s Palace ab

Neuer Mitbesitzer des Luxushotels in St. Moritz ist ein schillernder italienischer Banker.

Das Nobelhotel Badrutt's Palace kommentiert den Aktionärswechsel nicht. (Foto: Keystone)

Das Nobelhotel Badrutt's Palace kommentiert den Aktionärswechsel nicht. (Foto: Keystone)

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Der russische Unternehmer und ehemalige Präsident des russischen Bob- und Skeletonverbands, Georgi Bedschamow, hat sein Aktienpaket von 33 Prozent am Nobelhotel Badrutt’s Palace in St. Moritz veräussert. Neuer Besitzer ist laut einer Notiz im «Corriere della Sera» der italienische Investor Raffaele Mincione. Er lebt seit Jahrzehnten in London und ist einer der grössten Investoren beim zehntgrössten italienischen Finanzinstitut Banca Carige in Genua.

Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Hans Wiedemann, Delegierter des Verwaltungsrats der Badrutt’s Palace AG, wollte den Aktionärswechsel auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren: «Wir geben keine Kommentare zu unseren Aktionären ab.»

Bedschamow hatte das zweitgrösste Aktienpaket Ende 2011 von einem italienischen Geschäftsmann für geschätzte 30 Millionen Franken übernommen. Seit dem Skandal um die russische Vneshprombank und dem Verschwinden von 210 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 2 Milliarden Franken, sind die russischen Behörden hinter ihm her.

Raffaele Mincione übernimmt das Aktienpaket am St. Moritzer Nobelhotel Badrutt’s Palace. (Foto: PD)

Zunächst tauchte Bedschamow in Monaco ab, wurde dann aber verhaftet und im Juni 2016 wieder freigelassen. Ein Auslieferungsgesuch russischer Behörden wurde offenbar auf Intervention von Fürst Albert von Monaco abgelehnt, worauf Bedschamov nach London übersiedelte. Bedschamow und der Fürst hatten sich auf der Bobbahn von St. Moritz kennen gelernt. Im April 2019 hatte der Londoner High Court den Pass des Russen eingezogen und Vermögenswerte in Höhe von 1,3 Milliarden Pfund einfrieren lassen, darunter auch das Aktienpaket am Badrutt’s Palace. Offenbar gelang es den Anwälten jedoch, vor Gericht eine Ausnahme für den Verkauf der Anteile am Luxushotel in St. Moritz zu erreichen.

Nach Sotschi erhielt Bedschamow noch einen Orden von Putin

Bedschamow besitzt zahlreiche Immobilien in London, Italien, Frankreich und Israel, zudem diverse Firmen unter anderem in Monaco. Seine Holding sitzt in Luxemburg und auf der britischen Karibikinsel Anguilla. Das Aktienpaket am Badrutt’s Palace Hotel hielt er über die Luxemburger Firma Trimandre SA. Auf Aktionärsversammlungen in St. Moritz ist er nie aufgetaucht.

Nach den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 hatte Bedschamow vom russischen Präsidenten Wladimir Putin noch einen Orden erhalten. Aber 2017 wurde seine Schwester von den russischen Behörden verhaftet, angeklagt und zu acht Jahren Gefängnis wegen Diebstahls verurteilt. Sie hatte gestanden, zusammen mit ihrem Bruder Dokumente gefälscht und hohe Summen aus der Vneshprombank zu 286 Briefkastenfirmen umgeleitet zu haben. Dieses Geld sei unter anderem in Immobilien in New York investiert worden Die russische Bankenaufsicht hatte ein Milliardenloch in der Bilanz von Vneshprombank entdeckt und das Institut 2016 geschlossen. Es war einer der grössten Bankenskandale des Landes.

Die russischen Behörden schalteten zudem Investigativspezialisten der Firma A1 Group ein, die dem russischen Oligarchen Michail Fridman gehört. Fridman gehört zum engsten Zirkel von Präsident Putin. Grund dürfte sein, dass unter den geschädigten Kunden der Vneshprombank laut Reuters auch die Ehefrauen des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu und des russischen Vizepräsidenten Dmitri Kosak sowie hohe Würdenträger der russisch-orthodoxen Kirche sind.

Lebt in London: Georgi Bedschamow. (Foto: PD)

Bereits 2016 musste er nach einem juristischen Streit mit der BNP Paribas Schweiz auf Anordnung eines Gerichts seine 77-Meter-Luxusjacht Ester III verkaufen. Neuer Besitzer ist US-Milliardär John Henry, dem die Baseballmannschaft Boston Red Sox, der FC ­Liverpool, die Tageszeitung «Boston Globe» und ein Nascar-Rennteam gehören.

Wie der Aktienverkauf an Raffaele Mincione zustande kam, ist unklar. Mincione lebt aber wie Bedschamow in London, wo er gemäss der Zeitung «Evening Standard» 2009 eine 43 Millionen Pfund teure Immobilie für nur 18 Millionen erstanden hat. Mincione war mit dem Model Heather Mills verlobt, bevor sie den Ex-Beatle Paul McCartney heiratete.

Die Banca Carige wurde dieses Jahr unter Zwangsverwaltung gestellt

Mincione soll als Investmentbanker für Goldman Sachs, Credit Lyonnais, die Industrial Bank of Japan, Nomura, Merrill Lynch und Citigroup gearbeitet haben, ehe er sich selbstständig machte. Seine 2011 gegründete WRM Group gibt sich auf der Website als Family Office aus und wirbt mit erfolgreichen Investment-Strategien.

Doch Minciones Engagement bei der italienischen Banca Carige ist umstritten. Denn die Bank wurde nach Jahren des Missmanagements und interner Querelen unter den Aktionären der Europäischen Zentralbank direkt unterstellt und 2019 unter temporäre Zwangsverwaltung gestellt. Mincione ist laut Reuters im Dezember 2018 als Direktor der italienischen Bank zurückgetreten, nachdem er bei einem Machtkampf mit seinem Plan einer Bankenfusion gescheitert war.



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Erstellt: 07.07.2019, 19:15 Uhr

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