SRF-Direktorin durchkreuzte Schawinskis Plan

Der TV-Talker wollte die Absetzung seiner Sendung gleichzeitig mit einem neuen Projekt verkünden. Das ging schief.

Sein Plan war mit der SRF-Chefin persönlich abgesprochen. Und ging dennoch daneben. Roger Schawinski im Studio. Foto: SRF

Sein Plan war mit der SRF-Chefin persönlich abgesprochen. Und ging dennoch daneben. Roger Schawinski im Studio. Foto: SRF

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Nun wird klar, warum Roger Schawinski am Freitag verschnupft reagierte auf die Art und Weise, wie Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) das Ende seiner TV-Talksendung bekannt gab.

Schawinski, gewiefter Kommunikator, hatte eigentlich einen ausgefeilten Plan, wie und wann er das Ende seiner Sendung kommunizieren wollte. Gemäss Recherchen war die Bekanntgabe erst auf Ende Oktober angesetzt. Doch die frühzeitige Mitteilung der Absetzung am Freitag – ausgelöst durch Recherchen des «Blicks» – hat Schawinskis Vorhaben vereitelt.

Der Plan war mit SRF-Direk­torin Nathalie Wappler persönlich abgesprochen – und zwar nicht erst ein paar Tage vor der Bekannt­gabe diese Woche, sondern bereits im Mai bei einem gemeinsamen Treffen. Die TV-Direktorin hat Schawinski dabei eröffnet, dass das Schweizer Fernsehen seinen Vertrag, der jährlich erneuert werden musste, nicht mehr verlängern werde. Die diese Woche bekannt gegebenen Sparpläne des Schweizer Fernsehens waren damals noch kein Thema. Auch sonst hat Wappler keine konkreten Gründe für die Absetzung genannt. Bei dem Treffen zwischen Schawinski und der TV-Direktorin ist es im Mai denn auch nur noch darum gegangen, wie und wann die Absetzung der Sendung kommuniziert werden soll.

Genau das war Schawinski aber wichtig: Er hatte eine Idee, wie er den Umstand, dass er nicht freiwillig aufhört, gewissermassen überblenden kann. Er erzählte Wappler, dass er ein neues Projekt lancieren werde und dass er dieses gleichzeitig mit der Absetzung seiner Sendung bekannt geben möchte. Das erzählen gut unterrichtete Quellen. Ob es ein Radio-, ein TV- oder ein anderes Projekt war, ist unklar. Das Problem war, dass das Projekt erst im Oktober bekannt gegeben werden konnte. Wappler willigte trotzdem ein: Man beschloss, die Talk-Absetzung bis dann unter dem Deckel zu halten und zum gegebenen Zeitpunkt gemeinsam zu kommunizieren. Weder Wappler noch Schawinski wollen sich dazu äussern.

Absetzungsgespräch fand kurz nach missglücktem Talk statt

Dass nun die Absetzung seines Talks überstürzt und unkontrolliert bekannt geworden ist, dürfte für die Schweizer Medienlegende der Worst Case sein: Statt als Held, der selbst mit 74 Jahren noch von Projekt zu Projekt hechtet, steht er nun als einfaches Sparopfer da. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass seine Absetzung eine Folge des missglückten Talks mit der Edelprostituierten Salomé Balthus ist. Schawinski hatte die Frau im April in seiner Sendung gefragt, ob sie als Kind missbraucht worden sei – und dafür einen tagelangen Shitstorm geerntet.

Das Absetzungsgespräch mit Wappler im Mai fand nur wenige Wochen nach dem Vorfall statt. Schawinski dementiert jeglichen Zusammenhang.



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Erstellt: 28.09.2019, 22:53 Uhr

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