Schneeball Bitcoin

Warum die Kryptowährung scheitern wird.

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Bitcoins werden immer teurer. Ihr Kurs hat sich dieses Jahr auf über 10'000 Franken gut verzehnfacht, und bald sollen sie auch an US-Börsen gehandelt werden dürfen. Sind also weitere Preissteigerungen vorprogrammiert? Kurzfristige Prognosen sind schwierig. Langfristig aber dürften Bitcoins praktisch wertlos sein. Doch Vorsicht. Das habe ich schon vor 5 Jahren gesagt, als der Preis noch bei 10 Franken lag.

Der Wert einer Währung ergibt sich daraus, wie gut sie ihre zwei grundlegenden Funktionen erfüllt: Sie dient als Wertaufbewahrungs- und als Tauschmittel. Zur Wertaufbewahrung ist sie attraktiv, solange ihr Wert steigt. Das war bei Bitcoin bisher gegeben. Das heisst aber nichts für die Zukunft. Denn sobald der Wert aus ­irgendeinem Grund sinkt, ist die Währung zur Wertaufbewahrung unattraktiv, was weitere Kursverluste auslöst. Wann genau der Wendepunkt eintrifft, ist kaum zu prognostizieren. Interessant ist aber, wohin der Kurs danach langfristig geht.

Der langfristige Wert einer Währung hängt davon ab, ob sie ein gutes Tauschmittel ist und allgemein akzeptiert wird. Das wiederum hängt davon ab, welche Kosten bei ihrer Verwendung anfallen. Für legale Transaktionen ist Bitcoin ein schlechtes Tauschmittel. Die bei Überweisungen anfallenden Kosten im hinter Bitcoin stehenden Computersystem sind viel höher als bei Bargeld oder traditionellem Electronic Banking. Deshalb ist praktisch ausgeschlossen, dass sich Bitcoin als allgemeines Tauschmittel durchsetzt.

«Dann folgen eine Massenflucht und schneller Wertzerfall.»

Ein gutes Tauschmittel ist Bitcoin hingegen für Transaktionen, die aus guten oder schlechten Gründen anonym ausgeführt werden sollen. Das aber liegt nicht an der verwendeten Technologie, sondern daran, dass Bitcoin-Konten eigentliche Nummernkonten sind, deren Eigentümer anonym bleiben. Der innere Wert von Bitcoin hängt deshalb entscheidend davon ab, ob ­Bitcoin diese Anonymität auch in Zukunft bieten kann.

Diesbezüglich kann man viel vom Untergang der Schweizer Nummernkonti und dem Bankgeheimnis durch internationalen Druck lernen. Auf den ersten Blick erscheint ein Verbot von Bitcoin schwieriger. Immerhin kann man Bitcoin ja weltweit benutzen und so Regulierungen ausweichen. Aber die Staatengemeinschaft kann die legale Nutzung von Bitcoin einfach erschweren. Durch den Rückgang der legalen Transaktionen steigt der Anteil der illegalen Transaktionen. Das dient dann dazu, den Gebrauch von Bitcoin allgemein zu verbieten, da argumentiert werden kann, dass auch jeder anständige Bürger, der Bitcoin benutzt, die illegalen Geschäfte krimi­neller Bitcoin-Benützer erleichtert.

Als Tauschmittel wird sich Bitcoin (und andere Kryptowährungen) deshalb nicht durchsetzen. Entsprechend ist sein innerer Wert tief. Sobald dies klarer wird, wird sich seine Preisentwicklung wenden. Dann aber ist Bitcoin auch kein gutes Wertaufbewahrungsmittel mehr. Dann folgen eine Massenflucht aus Bitcoin und ein sehr schneller Wertzerfall. Danach wird jedermann klar sein: Es war halt nur ein weiteres, besonders grosses Schneeballsystem. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.12.2017, 18:09 Uhr

Prof. Dr. Reiner Eichenberger

ist Ordinarius für Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg (Schweiz) und ­Forschungsdirektor von Crema, Center for Research in Economics, Management and the Arts.

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