Jeder vierte Schweizer Autofahrer schaut aufs Handy

Im europäischen Vergleich trinken Schweizer Lenker mehr und fahren öfter zu schnell – trotzdem gibt es weniger schwere Unfälle.

12,7 Prozent der Schweizerinnen und Schweiz sagten, sie hätten im letzten Jahr mindestens einmal ins Röhrchen blasen müssen. (Foto: Keystone)

12,7 Prozent der Schweizerinnen und Schweiz sagten, sie hätten im letzten Jahr mindestens einmal ins Röhrchen blasen müssen. (Foto: Keystone)

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Eine kürzlich publizierte europäische Studie wirft ein schlechtes Licht auf die Schweizer Autofahrer. Von 1020 befragten Schweizerinnen und Schweizer sagten 21,6 Prozent aus, in den letzten 30 Tagen mit dem Auto gefahren zu sein, obwohl sie nach eigener Einschätzung möglicherweise mehr Alkohol getrunken hatten, als gesetzlich erlaubt ist.

In 20 europäischen Ländern haben diese Frage 13,1 Prozent der Befragten mit Ja beantwortet. Nur in Belgien und in Frankreich ist der Anteil der Autofahrer, die selber zugeben, zu viel zu trinken, noch höher. Am anderen Ende der Rangliste finden sich Ungarn, Finnland und Polen.

Dagegen ist das Risiko, in der Schweiz einen Alkoholtest machen zu müssen, tiefer als in der EU. 12,7 Prozent der Schweizerinnen und Schweiz sagten, sie hätten im letzten Jahr mindestens einmal ins Röhrchen blasen müssen. In den EU-Ländern waren es insgesamt 18 Prozent.

Tempolimit wird von vielen überschritten

Die Wahrscheinlichkeit, kontrolliert zu werden, ist nur im Vereinigten Königreich, Deutschland, Dänemark, Italien und den Niederlanden kleiner als in der Schweiz. Umgekehrt gab in Polen und in Serbien fast jeder zweite Autofahrer an, mindestens einmal auf Alkohol kontrolliert worden zu sein.

Auch bei den Geschwindigkeitslimiten nehmen es Schweizerinnen und Schweizer nicht sonderlich genau. 75,5 Prozent haben hierzulande eingestanden, in den letzten 30 Tagen mindestens einmal zu schnell auf Autobahnen unterwegs gewesen zu sein. Im europäischen Schnitt waren es knapp über 60 Prozent. Nur in Schweden, Finnland und Österreich waren Autofahrer schneller unterwegs.

Sichere Strassen trotz ­angetrunkenen Autofahrern

Bei anderen Verkehrssünden liegen die Schweizer im europäischen Durchschnitt. So war in den letzten 30 Tagen ein Viertel der Schweizer mindestens einmal abgelenkt, weil er auf dem Handy chattete oder E-Mails schrieb. Knapp ein Fünftel ist im Vormonat einmal oder öfters so übermüdet Auto gefahren, dass er kaum die Augen offen halten konnte.

«Uns liegen keine Informationen vor, die die Unterschiede zwischen der Schweiz und dem europäischen Durchschnitt bezüglich angegebenem Alkoholkonsum und angegebener Geschwindigkeit erklären», sagt Nicolas Kessler von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU).

Die Resultate sähen erst einmal besorgniserregend aus. «Aber zentraler ist für uns, dass die Anzahl der schweren Unfälle in den letzten Jahren im Schweizer Autoverkehr zurückgegangen ist», sagt ­Nicolas Kessler.

Tatsächlich konnte in der Schweiz die Anzahl der im Strassenverkehr getöteten Menschen deutlich reduziert werden. Im vergangenen Jahr sind 233 Menschen auf Schweizer Strassen umgekommen. Im Jahr 2010 waren es noch 327 Tote. Kessler: «Die Anzahl der Toten im Strassenverkehr muss weiter reduziert werden. Aber im internationalen Vergleich sind die Schweizer Strassen bereits jetzt ­sicher.»



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Erstellt: 10.08.2019, 20:26 Uhr

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