Die Glückslos-Gewinnchancen sind in der Westschweiz viel höher

Die Schweizer Lotterie erzielt einen Rekordertrag mit Losen. Die Gewinnquoten sind aber völlig unterschiedlich.

Nicht bei allen Losen haben Spielerinnen und Spieler die gleichen Chancen, den Preis zu gewinnen. Foto: Christian Fierl

Nicht bei allen Losen haben Spielerinnen und Spieler die gleichen Chancen, den Preis zu gewinnen. Foto: Christian Fierl

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Der Sieger profitiere nicht nur einmal. «Nein, Sie gewinnen 20 Jahre lang Monat für Monat 4000 Franken.» So wirbt Swisslos auf seiner Website für das Spiel «Win for Life». Und trifft damit den Nerv der Schweizer Zocker: 63 Millionen Franken Umsatz machte das Rubbellos im letzten Jahr, so viel wie kein anderes.

Wer am Ende jubelt, ist Sache des Glücks. Wie hoch der Gewinn ausfällt, bestimmen hingegen die Anbieter selbst. Sie setzen für jedes Spiel eine Auszahlungsquote fest. Diese gibt an, welcher Anteil des Umsatzes wieder an die Spieler ausgeschüttet wird.

Je nach Angebot sind die Unterschiede gross, wie eine Auswertung der neuen Lotteriestatistik des Bundes zeigt. Sie enthält Daten von über 130 Los-Spielen für das Jahr 2018. Wer bei «Subito» oder «VIP» rubbelte, erhielt durchschnittlich nur 52 Prozent des ­Einsatzes zurück – verlor also fast die Hälfte. Der Kassenschlager «Win for Life» hatte eine Auszahlungsquote von 56 Prozent. Bei «Rento» oder «Célébration» wiederum, beides Angebote der Loterie Romande, gingen deutlich über 70 Prozent aller gespielten Franken zurück an die Kundschaft.

Man sei transparent, gebe die Quote für jedes Los auf der Website an, sagt Roger Fasnacht, Direktor von Swisslos. Allgemein gelte: «Je teurer ein einzelnes Los ist, desto höher ist die Gewinnausschüttungsquote.» Wenn jemand ein hochpreisiges Los für 20 Franken kauft, erhält er durchschnittlich mehr zurück, als wenn er 20 kleine Lose zu 1 Franken spielt. Laut Fasnacht «ein international gebräuchliches Gestaltungsmerkmal von Los-Sortimenten, um bei teureren Losen einen Mehrwert zu bieten». Die aktuellen Quoten von Swisslos lägen im internationalen Vergleich im Mittelfeld.

Spielautomaten machendie Westschweiz attraktiver

Allerdings könnte sich eine Fahrt in die Westschweiz lohnen. Die fünf Los-Spiele mit den höchsten Auszahlungsquoten finden sich alle im Sortiment der Loterie Romande. Diese bot über ihr gesamtes Sortiment eine durchschnittliche Auszahlungsquote von 82 Prozent. Bei Swisslos, zuständig für die Deutschschweiz und das Tessin, gingen nur 59 Prozent des Umsatzes zurück an die Spieler.

«Der Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass Swisslos keine Lotterieautomaten in Restaurants oder Bars betreibt», sagt Fasnacht. In der Westschweiz hingegen machten diese einen Grossteil des Ertrags aus. «Diese elektronischen Lose weisen eine wesentlich höhere Auszahlungsquote auf als gedruckte Papierlose. Damit die Spieler mehr Gewinne erhalten, was die Verweildauer an den Automaten erhöhen soll.»

Interessant ist auch der Vergleich mit anderen Glücksspielen. Beim Roulette lässt sich die Auszahlungsquote nicht beeinflussen, sie beträgt statistisch 97 Prozent. Bei Spielautomaten wiederum können Betreiber diesen Wert selber festlegen. Allerdings gelten für Casinos klare Regeln: «Die Spielbankenverordnung hält fest, dass die Auszahlungsquote zwischen 80 und 100 Prozent liegen muss», sagt Raphael Frei, Sprecher des Bundesamts für Justiz. Mindestens vier Fünftel aller Einsätze müssen also zurück an die Gäste. Swisslos und der Loterie Romande hingegen sind bei den Losen keine Grenzen gesetzt: «Es wurde darauf verzichtet, die Auszahlungsquote von Grossspielen im Bundesrecht zu regeln», sagt Frei.

Umsatz von 1,5 MilliardenFranken in einem Jahr

Für die Anbieter geht die Lotterie auf: Zusammen erzielten Swisslos und Loterie Romande letztes Jahr mit Losen einen Umsatz von 1,5Milliarden Franken. 76Prozent gaben sie als Gewinne zurück. Den Rest verbuchten sie als sogenannten Bruttospielertrag. 361Millionen Franken waren das im letzten Jahr. Ein Rekord in der Statistik, die bis 2010 zurückreicht.

Für die Prävention von Spielsucht ist laut Gesetz nur ein halbes Prozent des Bruttospielertrags vorgesehen. Das Geld wird an die Kantone weitergeleitet. Doch diese setzen es nicht immer zweckgebunden ein. Zu diesem Schluss kam die Spiel- und Wettkommission Comlot vor einem Jahr. Damals hielt sie in einem Bericht fest, 15 Kantone hätten ihren Anteil an den Spielsuchtabgaben ausschliesslich für die Bekämpfung des exzessiven Geldspiels verwendet. Die restlichen «investierten einen gewissen Betrag nicht oder nicht ausschliesslich für die Bekämpfung der Geldspielsucht».

Laut Franz Eidenbenz ist die Abgabe generell zu tief. «Ein halbes Prozent des Ertrags reicht nicht aus, um den Bedarf nach Beratung, niederschwelliger Behandlung und Prävention zu decken», sagt der Leiter des Zentrums für Spielsucht Radix in Zürich. Dort behandelt er immer wieder abhängige Personen, «die es nicht lassen können, vor der Sitzung aufgrund ihres Spielproblems noch kurz ein paar Rubbellose zu kaufen. Obwohl sie bereits Schulden haben.»

Das Abhängigkeitsrisiko von Losen sei vergleichsweise klein. «Im Gegensatz zu Onlineglücksspielen muss man in Kontakt mit einer Verkaufsperson treten, was vielen Betroffenen bei grösseren Loskäufen unangenehm ist.» Allerdings sieht Eidenbenz Lose oft als begleitendes Problem: «Indem Patienten, die bei Onlinecasinos und Onlinelotterien gesperrt sind, es mit Losen an Kiosken versuchen wollen. Und so ihre Situation weiter verschlechtern.»

Dass Lose ein Gefährdungspotenzial haben, anerkennt auch Swisslos-Direktor Fasnacht. Hier liege genau die Schwierigkeit mit der Auszahlungsquote. «Deren Höhe ist auch ein wesentlicher Bestimmungsfaktor des Spielsuchtrisikos», sagt er. «In der Tendenz ist es immer so, dass hohe Gewinnausschüttungsquoten den Unterhaltungswert und damit die Spieldauer steigern. Aber damit wird auch das Suchtpotenzial erhöht.»



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Erstellt: 01.09.2019, 16:08 Uhr

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