Sichere Renten dank tieferen Steuern

Die von der Regierung angestrebte Erhöhung der Steuern und die Abgaben können die Altersvorsorge nicht nachhaltig sichern.

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Manche Politiker wollen die Reformen der Altersvorsorge und Unternehmenssteuern zu einem Paket verknüpfen. Das ist strikt zurück­zuweisen. Denn erstens wollen sie so über eine vorsätzliche Verletzung des wichtigen Grund­satzes der Einheit der Materie zwei nicht mehrheitsfähige Vorlagen durchzwängen. Das wäre kein guter Kompromiss, sondern Stimmenkauf. Zweitens soll das immense Gewicht des Pakets den Bürgern Angst machen, es abzulehnen. Das wäre Erpressung. Drittens gibt es viel bessere Alternativen.

Unsere Reform würde allen helfen – Jungen und Rentnern.

Die von der Regierung angestrebte Erhöhung der Steuern und die Abgaben können die Altersvorsorge nicht nachhaltig sichern. Vielmehr gilt es, die Lebensarbeitszeit zu erhöhen. Dazu braucht es eine gezielte Senkung der Steuern und Abgaben. Sie gibt den Alten Anreize und Möglichkeiten, freiwillig länger zu arbeiten. Auf vielfachen Wunsch lege ich unseren dreiteiligen Vorschlag nochmals dar:

1. Rentenaufschub mit Beitragsrabatt
Der heute gebräuchliche Mechanismus zur Flexibilisierung des Rentenalters erlaubt den Alten, den Rentenbezug zugunsten einer höheren späteren Rente aufzuschieben. Gewinn bringt ihnen dieser Deal aber erst nach 20 Jahren. Entsprechend wird das Angebot kaum genutzt. Rentenaufschub muss sofort belohnt werden, mit einem fairen Rabatt auf die Beiträge an die 1. und 2. Säule. Weil die Zahl der verbleibenden Beitragsjahre steigt und die Zahl der Rentenjahre sinkt, können die Rabatte enorm attraktiv sein. So könnte man Arbeitnehmern, die sich mit 60 für Rente «erst» ab 67 entscheiden, von 61 bis 67 die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge ganz erlassen.

2. Teilbesteuerung von Altersarbeit
Heute ist es für Rentner unattraktiv zu arbeiten, weil Arbeitseinkommen zur Rente hinzugezählt und so infolge Steuerprogression hoch besteuert wird. So zahlen Rentner auf Arbeitseinkommen schnell 35 bis 50 Prozent Steuern und Abgaben. Deshalb müssen die Steuern und Abgaben auf Einkommen aus Arbeit über einem gewissen Alter, z. B. 67, stark gesenkt werden. Das gäbe den Rentnern wirksame Anreize weiterzuarbeiten.

3. Steuermehreinnahmen für Altersvorsorge
Unter den vorgeschlagenen Bedingungen würden viele ältere Personen freiwillig wesentlich mehr als heute arbeiten und so insgesamt weit mehr Einkommens-, Vermögens- und Mehrwertsteuern als bisher bezahlen. Diese Mehreinnahmen sollten nicht in die allgemeine Staatskasse, sondern gezielt in die Altersvorsorge fliessen. So würde unsere Reform dann allen nützen – auch den Jungen und den Alten, die nicht länger arbeiten können oder wollen.

Unser Vorschlag ist gegenüber den Standardargumenten gegen Altersarbeit immun. Jobs gibt es für die meisten Alten genug. Schliesslich böte unser Modell den Arbeitgebern Anreize, neue Konzepte für altersgerechte Jobs zu entwickeln, etwa mit gesenkten Arbeitszeiten und mehr Zeitautonomie bei entsprechend tieferen Löhnen. So wären ältere Personen für die Arbeitgeber noch lange über ihr Rentenalter hinaus ­attraktiv, obwohl sie dank unserem Steuermodell netto mehr verdienen als vor 65 und mehr ­Steuern zahlen würden als bisher.

Erstellt: 19.05.2018, 21:56 Uhr

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