Sie stiehlt Roger Köppel die Show

Die Grüne Nationalrätin Lisa Mazzone rollt mit einem Traumstart das Parlamentarierfeld auf. Und: Wo Martullo-Blocher im Rating steht.

Die jüngste Nationalräting: Lisa Mazzone steht bei den Neuen im Rating zuoberst (12. November 2016).

Die jüngste Nationalräting: Lisa Mazzone steht bei den Neuen im Rating zuoberst (12. November 2016). Bild: Alessandro della Valle/Keystone

In nur zwei Jahren hat es Lisa Mazzone im Parlament unter die Top 15 der einflussreichsten Politiker geschafft. Die erst 29-jährige grüne Nationalrätin rangiert dort, wo andere während ihrer jahrzehntelangen Politkarriere gar nie hinkommen. Vor der Genferin reihen sich mit wenigen Ausnahmen nur Parteipräsidenten und Fraktionschefinnen ein. Die prominenten Neulinge wie «Weltwoche»-Chef Roger Köppel, Ex-Botschafter Tim Guldimann und Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler sucht man im Spitzenfeld vergeblich.

Lisa Mazzone ist mit Abstand die beste Neo-Parlamentarierin im SonntagsZeitung-Rating. Sie profitiert davon, dass sie als Mitglied einer kleinen Fraktion einfacher in wichtige Kommissionen kommt. Und Mazzone ist sehr aktiv. Sie meldet sich im Rat oft zu Wort und ist mit Vorstössen erfolgreich. Im Urteil der Ratskollegen kommt sie gut weg, was ihr im Rating ebenfalls nützt. Die in der Deutschschweiz noch wenig bekannte Vizepräsidentin der Grünen Schweiz ist äusserst fleissig. So verbringt die italienisch-schweizerische Doppelbürgerin gerade einen Teil ihrer Ferien damit, in Dresden ihr Deutsch zu verbessern.

Grafik: SoZ/Jürg Candrian, TA/Marc Fehr

Als beste prominente Neuparlamentarierin schafft es die EMS-Chemie-Chefin und Tochter des SVP-Vordenkers Christoph Blocher, Magdalena Martullo-Blocher, auf den 75. Platz von 240 Rangierten. Damit reiht sie sich im vorderen Drittel des Rankings ein. Auch sie profitiert vom positiven Urteil ihrer – bürgerlichen – Kollegen.

Nicht mehr in den Top 100 sind die anderen Promis unter den Neos wie Hans-Ulrich Bigler (FDP) mit Rang 103 und Roger Köppel (SVP), der sich mit Rang 123 nicht einmal mehr in der ersten Hälfte des Gesamtklassements platziert. Sein Versprechen, das Parlament zu rocken, hat er nicht eingelöst.

Ein Grund für Köppels schlechtes Abschneiden ist, dass er nur einen Sitz in der Aussenpolitischen Kommission (APK) hat. Und dort lasse er sich immer wieder entschuldigen oder er erscheine schlecht vorbereitet, erzählen deren Mitglieder. Und während der APK-Sitzungen schreibe der Zürcher an Texten für seine «Weltwoche» oder er streite sich mit SP-Nationalrat Carlo Sommaruga. Im Kollegenurteil schneidet er darum schlecht ab.

Grafik: SoZ/Jürg Candrian, TA/Marc Fehr

Wie Köppel ist die in Zürich bekannte SP-Frau Min Li Marti Verlegerin und Chefredaktorin einer Wochenzeitung, der linken «P. S.» Dass sie dem Parlament mit Rang 229 ihren Stempel nicht aufdrückt, liegt auch daran, dass sie sich nicht voll auf die Parlamentsarbeit konzentrieren kann. Erschwerend kommt hinzu, dass man in grossen Fraktionen wie der SP lange warten muss, bis einen die Arrivierten an die Honigtöpfe lassen.

«Ka Luscht»-Politiker Hermann Hess denkt ans Aufhören

Manche Politiker wollen sich aber einfach kein Bein ausreissen. Sie haben wie SVP-Bundesrat Ueli Maurer schlicht «ka Luscht». So meldet sich der Thurgauer FDP-Nationalrat Hermann Hess nie im Rat und er macht keine Vorstösse. Er gibt unumwunden zu, dass er sich in erster Linie als Immobilienunternehmer sieht. Hess trägt sich bereits mit Rücktrittsgedanken. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 21:52 Uhr

Nach diesen Kriterien wird bewertet

Die SonntagsZeitung hat in einem Rating den Einfluss der Parlamentsmitglieder nach der ersten Hälfte der laufenden Legislatur (2015–2019) ermittelt.

Parlamentarischer Einfluss ist nicht zu verwechseln mit politischer Macht, doch er ist Voraussetzung dafür. Im Rating gut positioniert ist daher, wer a) im Parlament integriert ist, b) eine starke Fraktion hat, c) in den Medien häufig vorkommt und d) ausserhalb des Parlaments gut vernetzt ist. Diese Faktoren wurden in eine Gesamtrangliste zusammengeführt.
Für das Rating wurden gewertet:


  • Mitgliedschaft und Stellung in den Gre­mien der Räte (Kommissionen, Büro, Präsidium);

  • Stellung innerhalb der Partei, gemessen an den Parteiämtern;

  • parlamentarische Tätigkeit, gemessen einerseits an der Anzahl erfolgreicher Vorstösse sowie andererseits an der Anzahl und dem Gewicht (Länge) der Voten in den Debatten:

  • Medienpräsenz;

  • gesellschaftliches und wirtschaftliches Gewicht anhand von und ausserparlamentarischen Mandaten;

  • Reputation im Parlament, einerseits gemessen an der Fähigkeit, andere Parlamentarier mittels Unterschrift für Vorstösse für die eigenen Anliegen zu gewinnen und andererseits an der Einschätzung der Parlamentskollegen. Für letzteres wurde eine breite Umfrage im parlament durchgeführt.


Für jede Kategorie wurde eine Rangierung ermittelt, die danach zu Jahres- und schliesslich zu einer Gesamtrangliste für die ganze Legislatur zusammengefasst wurde. Dabei wurden die einzelnen Faktoren unterschiedlich gewichtet. Grundsätzlich gilt: Einsitz in Kommissionen, Parteiämter, Renommee im Parlament und Teilnahme an den Ratsdebatten haben mehr Gewicht als persönliche Vorstösse, Ehrenämter im Parlament und ausserparlamentarische Beziehungen.

Die für das Rating ausgewertete Periode dauerte von der Wintersession 2015 bis zur Sommersession 2017. Berücksichtigt wurden nur Parlamentarier, die seit der ersten Session der Legislatur (Winter 2015) im Rat waren.

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