Smartphones sorgen bei Schülern für Schlafstörungen

Schweizer Forscher warnen: Selbst wer nur selten nachts von einer Nachricht geweckt wird, muss mit negativen Effekten rechnen.

Nicht ohne mein Telefon: Viele Jugendliche wollen auch nachts erreichbar sein. Foto: Getty Images

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Handys und Smartphones gehören zur Standardausrüstung von Schweizer Jugendlichen. 99 Prozent besitzen heute ein Mobiltelefon – und die meisten trennen sich auch nachts nicht von diesem digitalen Verführer. Viele Eltern befürchten, dass das die Gesundheit ihrer Kinder beeinträchtigt. In einer neuen Untersuchung bestätigen Basler Wissenschaftler jetzt diese Bedenken: Das Handy im Kinderzimmer sorgt häufig für Schlafstörungen.

843 Schweizer Schulkinder im Alter von 13 bis 15 Jahren haben die Forscher des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts in Basel, eine mit der Universität Basel assoziierte Forschungseinrichtung, befragt. Die Schüler gaben Auskunft, wie sie ihr Smartphone nutzen und wie gut sie schlafen. Ergebnis: Im Schnitt sitzen die Jugendlichen täglich mehr als drei Stunden vor einem Handy- oder PC-Bildschirm – jeder vierte sogar vier Stunden und länger. Drei Viertel der Heranwachsenden gaben an, dass sie ihr Smartphone nachts nicht ausschalten.

Das kann den Schlaf nachhaltig stören. «Es reicht schon, einmal im Monat nachts durch einen Anruf oder einen Nachricht geweckt zu werden», sagt Studienleiter Martin Röösli, Professor für Epidemiologie. «Diese Jugendlichen haben fünfmal öfter einen unruhigen Schlaf entwickelt und hatten dreimal häufiger Probleme beim Einschlafen als die anderen Schulkinder.» Der Grund könne sein, «dass schon die Erwartung genügt, eine Nachricht oder einen Anruf zu bekommen, um den Schlaf negativ zu beeinflussen».

Meist bleibt es nicht beim Lesen einer eintreffenden Textnachricht – man wird selbst aktiv, statt zu schlafen. 20 Prozent der Jugendlichen, die ihr Handy nachts eingeschaltet lassen, antworten auf nächtliche Whatsapp-Meldungen, SMS oder Telefonanrufe. Je nachdem, wie emotional der Inhalt der Textnachrichten oder des Gesprächs ist, kann das die Schwierigkeit, wieder einzuschlafen, weiter erhöhen.

Schlafmangel kann auf Dauer gesundheitliche Folgen haben

«Das nächtliche Aufwachen wegen des Handys führt zu einer Zunahme von Schlaf- und Konzentrationsproblemen», sagt Röösli. Diese Effekte habe man auch bei Jugendlichen festgestellt, die tagsüber überdurchschnittlich viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen – am Smartphone, Computer oder Fernseher. Auch sie können laut der Basler Untersuchung oft schlechter einschlafen. Der Schulstress ist damit programmiert.

Zusammen mit dem frühen Unterrichtsbeginn an den Schweizer Schulen kann der Schlafmangel auf Dauer gesundheitliche Folgen haben: Kopfschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung.

Verstärkt werden die Schlafprobleme noch dadurch, dass in der Pubertät die biologische Uhr anders tickt: Die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und damit der Tag-Nacht-Rhythmus verschieben sich um bis zu zwei Stunden nach hinten. Die Jugendlichen gehen also in der Regel später ins Bett – und müssen morgens trotzdem früh zur Schule. «Es wäre sinnvoll, den Unterrichtsbeginn nach hinten zu verschieben, zum Beispiel um eine Stunde», sagt Röösli. «Mehr bringt nichts, weil die Jugendlichen dann in der Nacht noch länger am Handy hängen.»

Die Heranwachsenden sollten sich nachts nicht nur um volle Akkus bei ihrem Smartphone kümmern, sondern auch ihre eigenen Batterien aufladen, sagt Röösli. Dazu gebe es zwei einfache Massnahmen, die helfen: «Mindestens eine Stunde vor dem Schlafen das Handy weglegen. Und das Gerät nachts auf Flugmodus schalten – so wird man nicht gestört.»

Erstellt: 21.09.2019, 20:29 Uhr

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Handystrahlen wirken sich auf das Gedächtnis aus

Ein Forscherteam um den Basler Epidemiologen Martin Röösli hat in einer früheren Studie festgestellt, dass Handystrahlung Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung von Jugendlichen hat, wenn auch in nicht in alarmierendem Ausmass. Gezeigt haben sich Unterschiede zwischen Rechts- und Linkstelefonierern. Bei Jugendlichen, die auf der rechten Seite telefonieren, war ein negativer Effekt beim figuralen Gedächtnis feststellbar, das zum Beispiel beim Memorieren von abstrakten Figuren hilft. Bei Linkstelefonierern – links im Gehirn befindet sich das verbale Gedächtnis – waren die negativen Effekte weniger klar. (np)

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