Die Schweizer Bevölkerung mit dem Islam versöhnen

Neben der Anerkennung des Islams braucht es auch klare Zeichen gegen extreme Rückständigkeit in einer freien Gesellschaft.

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Besonders beliebt macht sich Christian Levrat kaum mit seiner Forderung, den Islam unter bestimmten Bedingungen als offizielle Religion anzuerkennen. Als die SonntagsZeitung letztes Jahr eine entsprechende Umfrage durchführte, unterstützten gerade mal 39 Prozent der Bevölkerung dieses Anliegen. 62 Prozent glaubten vielmehr, dass der Islam in der Schweiz keinen Platz habe. Gar 71 Prozent der Schweizer waren für ein Burkaverbot.

Im Tessin, wo das Burkaverbot bereits 2013 angenommen wurde, hatte ein gesamtschweizerisches Verbot sogar bei 85 Prozent Rückhalt. Zehn Regierungsräte aus acht Kantonen sprachen sich ebenfalls dafür aus. Die Bereitschaft, die Verschleierung des Gesichts zu verbieten, ging durch alle Parteien.

Damit ist die Schweiz in der westlichen Welt kaum allein. Radikale Islamisten haben mit ihren Terroranschlägen und ihren rückständigen Ansichten, wie sich Männer und Frauen in der Gesellschaft verhalten sollen, die Toleranz der aufgeklärten Gesellschaften auf eine harte Probe gestellt.

Gerade auch bei den Linken sind die romantischen Vorstellungen über den Islam von der Realität weggefegt worden. Genau darum ist Levrats Positionsbezug so wichtig. Seine klaren Forderungen an die islamischen Mitbürger sind ebenso nachvollziehbar wie richtig. Längerfristig braucht es auch eine Klärung des Verhältnisses vom Staat zu dieser Glaubensrichtung.

Warum man den 400'000 Muslimen nicht dieselben Rechte geben soll wie den Juden und den Christen, sofern sie die demokratischen Grundwerte anerkennen, ist nicht nachvollziehbar. Darum sollen sie auch Steuern einziehen können. Lieber das, als dass sie von undurchsichtigen Quellen aus der Türkei oder Saudiarabien finanziert werden.

In einem Punkt irrt Levrat aber meiner Ansicht nach. Die Diskussion um das Burkaverbot ist kein Scheingefecht um eine banale Kleidervorschrift. Wer das nicht glaubt, soll sich einmal in der Türkei oder bei den türkischen Immigranten in Deutschland umsehen. Dort waren bis vor wenigen Jahren noch kaum Kopftücher geschweige denn Burkas oder Burkinis zu sehen.

Heute ist das völlig anders. Das ist ein Ausdruck der Islamisierung des Landes unter Recep Tayyip Erdogan. Mit ihm hielt das Kopftuch wieder an den Schulen Einzug, kürzlich wurde sogar ein Gesetz aufgelegt, das die Muftis zur Eheschliessung befugt. In den Strassen Istanbuls sind auch immer mehr Burkaträgerinnen zu sehen.

Nun gibt es die bei uns tatsächlich kaum. Trotzdem wäre ein Zeichen gegen solch extreme Rückständigkeit in einer freien Gesellschaft nicht falsch. Das, verbunden mit einer Anerkennung der Religion, könnte ein Weg sein, die Schweizer Bevölkerung mit dem Islam zu versöhnen.

Erstellt: 18.11.2017, 22:37 Uhr

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