So wird es in der Schweiz nie wieder Olympische Spiele geben

Kommt Sion 2026 nicht vors Volk, haben Grossanlässe keine Chance mehr.

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Erst machte es fast den Eindruck, als hätten die Olympiapromotoren gelernt. Bescheidene Spiele in Sion statt Grössenwahn wie im russischen Sotschi. Keine neuen Anlagen, sondern Einsatz der bestehenden Infrastruktur. Alles mit einem Budget von 1 Milliarden Franken und ­Sicherheitskosten von 300 Millionen. Ein Fest für die Sportfans und eine Werbeveranstaltung für die Tourismusverantwortlichen zu einem diskutablen Preis. Oder mindestens ein Projekt, das man dem Volk wenigstens mit der leisen ­Hoffnung auf Zustimmung präsentieren kann. Wenn die Zahlen denn stimmen würden.

Olympische Spiele haben eine Tradition von Kostenüberschreitungen. Es muss ja nicht gleich so sein wie bei Sotschi 2014. Putins Sportfest war mit Gesamtkosten von 50,8 Milliarden Dollar so teuer wie alle Winterspiele vorher zusammen. Es kam zu flächendeckender Korruption und unvorstell­barer Prasserei. Als es 2006 um den Zuschlag vom Internationalen Olympischen Komitee ging, klang das noch ganz anders. Damals hiess es, das Budget ­belaufe sich auf 12 Milliarden Dollar. Drei Jahre später war bereits von 30 Milliarden Dollar die Rede – schon das ein Rekord für Winterspiele. Kurz vor der Eröffnung schätzte Gian Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Ski-verbandes, ­allein die Korruptionssumme im Olympiaumfeld auf 17 Milliarden Dollar. In die ­Sicherheit hat Russland umgerechnet rund 1,5 Milliarden Franken investiert.

«Die Olympiapromotoren müssen dringend dazulernen und nachlegen»

Nun ist die Schweiz nicht Russland, und die Korruption ist bei uns keine flächendeckende Landplage. Aber auch bei uns sind Grossanlässe meist viel teuerer als ursprünglich gedacht. Erinnern wir uns an die Expo 2002. 1996 beschloss das Parlament eine Bundesbeteiligung von 130 Millionen Franken, davon 20 Millionen als Defizitgarantie. Drei Jahre später wurden nochmals 250 Millionen Franken bewilligt. ­Zusätzlich eine weitere Defizitgarantie von 338 Millionen. Hinzu kamen Sicherheitskosten von 25 bis 30 Millionen Franken. Am Schluss war das Gesamtbudget bei 1,4 Milliarden ­Franken, zum grössten Teil finanziert durch die ­öffentliche Hand.

Das ist bis heute nicht vergessen, und darum müssen die Olympiapromotoren dringend ­dazulernen und nachlegen, wenn sie die Herzen und den Verstand der Schweizer überzeugen wollen. Denn dass das Projekt vors Volk kommt, ist jetzt schon sicher. Kein Politiker, der wieder gewählt werden will, vielleicht mit Ausnahme der im Wallis dominierenden CVP, wird es ohne ­Abstimmung bewilligen und nachher für ­Kostenüberschreitungen geradestehen wollen. Und das ist gut so.

Erstellt: 22.10.2017, 07:17 Uhr

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